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5. Konzert der Familienreihe der Lehrer der Neuen Musikschule Bernau im Kulturbahnhof Biesenthal

Musik für die Familie
Mit Geigen auf Gullivers Reisen

Ansprechende Musik: Geigenduette aus fünf Jahrhunderten erfreuen die Besucher im Kulturbahnhof.
Ansprechende Musik: Geigenduette aus fünf Jahrhunderten erfreuen die Besucher im Kulturbahnhof. © Foto: Klaus Kleinmann
Klaus Kleinmann / 09.10.2018, 08:45 Uhr
Biesenthal Eine fröhliche Kinderschar wuselte am Sonntag durch den Kulturbahnhof Biesenthal, denn die Neue Musikschule Bernau hatte zu ihrem 5. Familienkonzert eingeladen. Da war der Saal proppenvoll, und die jüngsten Gäste hatten vorne auf Turnmatten Platz genommen.

Geigenduette aus fünf Jahrhunderten standen auf dem Programm. Dorothee Mühleisen und Christine Trinks spielten sich auf ihren Barockgeigen durch die verschiedenen Epochen der Musikliteratur und brillierten mit einer virtuosen Darbietung. Zwar hielten die lieben Kleinen das feierliche Stillegebot des sonntäglichen Konzerts sehr tapfer ein, aber hier und da hörte man doch ein leises Brabbeln, den verhaltenen Ruf nach der Mama oder das Geräusch eines fallenden Gegenstandes. Die beiden Geigerinnen ließen sich dadurch jedoch in keiner Weise beirren. Komplizierte Läufe und vertrackteDuettpassagen schwebten glasklar über allem und schenkten besonders den erwachsenen Zuhörern eine üppige Kostprobe ihrer Kunst.

Christine Trinks erläuterte später, die Reihe der Familienkonzerte diene dazu, den Eltern und Schülern der Musikschule einen Einblick in die Möglichkeiten der Instrumente zu geben und vor allem das jüngere Publikum an die Musik heranzuführen. Die Schüler sollen ihre Lehrer in einer anderen Situation wahrnehmen als im sonstigen Unterricht und sie vielleicht sogar als Vorbild für die eigene Instrumentenbeherrschung in späterer Zeit erleben. „So gut will ich das auch können“ - das wäre ja eine starke Lernmotivation.

Bis die allerkleinsten Gäste eine Geige halten und die etwas älteren sich an so komplexe Werke heranwagen können, dürfte noch einige Zeit ins Land gehen. Auch könnte man fragen, ob die Wahl der Barockgeige mit ihrer anspruchsvollen Klangcharakteristik für diesen Anlass das Nonplusultra war. Das Konzert hat insgesamt aber allen Spaß gemacht. Zum Gelingen trug sicher auch Andreas Schmitz bei, der in humoriger Art zwischen den Musikstücken Gedichte und kurze Prosatexte zum Besten gab. Christian Morgenstern und Joachim Ringelnatz machen bei so etwas immer eine gute Figur, aber auch die dumme Liese, die auf einen König wartet und dann einen Schweinehirten erwählt, Josef Guggenmoos‘ Mücken, die sich darüber wundern, dass ein Omnibuschauffeur genauso schmeckt wie ein Millionär, Peter Hacks‘ „Monarch“, der zwar güldene Klamotten trägt und glänzt wie die Sonne, aber aus Mangel an Seife leider entsetzlich stinkt - da kommt Freude auf.

So war denn die fünfteilige „Gulliver-Suite“ von Georg Philipp Telemann der Höhepunkt: In der ersten musikalischen Szene gerät Gulliver zu den Zwergen - die Geigerinnen spielen auf dem Fußboden sitzend, Andreas Schmitz als Gulliver betrachtet sie staunend  von oben. Im Riesenland stehen die Geigerinnen auf Stühlen und blicken auf Gulliver hinab. Im Land der Laputier schläfern sehr getragene Klänge den Darsteller ein und erschrecken ihn immer wieder durch abrupte Lautstärke- und Tempi-Wechsel. Andreas Schmitz spielt das genüsslich aus, das Publikum quiekt vor Vergnügen. Sanftmütige Pferde und bitterböse Menschen liefern im letzten Teil der Suite durch ihr Verhalten putzige Kontraste, die durch das darstellende Spiel der Geigerinnen verdeutlicht werden. Dann ist natürlich noch eine Zugabe fällig - und alle gehen mit leuchtenden Augen nach Hause.

Das 6. Familienkonzert dieser Reihe findet am 2. Dezember wieder im Kulturbahnhof Biesenthal statt. Es trägt den Titel „Oh Tannengraun - ein weihnachtliches Krimihörspiel zum Mitmachen.“

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