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Am Karower Kreuz auch Platz für neuen Turmbahnhof freigehalten / Weitere Sperrpausen bremsen Pendlerströme

Regionalverkehr
Ein bisschen Eisenbahnerglück

Andrea Linne / 10.10.2018, 18:07 Uhr - Aktualisiert 11.10.2018, 07:59
Bernau/Panketal (MOZ) Die Radlader und Container stehen noch, die Zauneidechsen kehren erst nach dem Rückbau aller Pisten zurück. Sie harren unweit des Karower Kreuzes aus, um auf den angestammten Platz zwischen Blankenburg und Karow zu ziehen. Dennoch wurde am Mittwoch ein bisschen gefeiert.

Baustelle Karower Kreuz Oktober 2018
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Karower Kreuz Baustelle

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Denn ein großes Stück Arbeit an der Großbaustelle ist geschafft, am Freitag kehrt der RE3 von Berlin-Gesundbrunnen nach Bernau und weiter zur Ostsee auf sein altes Gleis zurück. Das wurde freilich erneuert, die Verbindungskurve Berliner Außenring neu gebaut. 20 000 Tonnen Stahlbeton stecken in den acht Brücken zwischen S-Bahnhof Blankenburg Richtung Rostock sowie Stralsund und in der Kurve nach Berlin-Lichtenberg.15 000 Tonnen Schotter wurden angekarrt, 67 000 Tonnen Erdmasse an den Kreuzungspunkten und Brücken bewegt.

„Ich war von Anfang an mit dabei“, berichtet Jürgen Boëtius. Der 74-Jährige ist heute Rentner, 44 Jahre war er bei der Bahn AG. Sein Schüler Jens Kulecki folgte ihm nach und ist heute Projektleiter dieses Vorhabens für die DB Netze. „Er hat sich gleich ganz gut angestellt“, lobt Boëtius, der während einer Sonnderfahrt sehr genau auf Weichen und technische Einbauten achtet. Die hohen Lärmschutzmauern, die im Bereich Blankenburg bis zu sechs Meter grau und steil in die Höhe ragen, gefallen ihm nicht. „Früher fuhr man ins Grüne“, denkt er laut.

Bis Berlin-Karow wird die Strecke für eine Geschwindigkeit auf 160 Kilometer pro Stunde ertüchtigt. Da bis Ende 2020 noch 3,1 Kilometer Gleise der Fernbahntrasse zwischen Blankenburg und Karow verlegt werden müssen, dauert das. Darüber hinaus, berichtet der DB-Konzernbevollmächtigte Alexander Kaczmarek, sei es politischer Wille, den zweigleisigen Ausbau von Angermünde bis Stettin fortzuführen. „Dann geht es in 90 Minuten von Berlin nach Stettin“, schaut der 55-Jährige in die Zukunft.

Doch die Pendler vor Ort, die nach Berlin ein- und auspendeln oder weiter Richtung Potsdam und Frankfurt umsteigen müssen, wissen, dass es noch Jahre dauern wird, bis Ersatzbusse und Umsteigen vergangen sind. Bis 2024 baut die Bahn AG allein zwischen Berlin-Buch und Bernau noch an zahlreichen Brücken. Alle sind über hundert Jahre alt und müssen dringend erneuert werden. Schon ab 7. Januar beginnt der Ausbau der Eisenbahnbrücke über die Schönower Straße in Zepernick. Weitere Projekte folgen. Dass die S-Bahnen nach Oranienburg und Bernau einmal im Zehn-Minuten-Takt fahren, RE3 und RE5 halbstündlich gen Ostsee tuckern und ausreichend Platz für Fahrräder ist, davon träumen viele Fahrgäste der Bahn weiter. Im Nahverkehrs-Entwicklungskonzept „i2030“ Berlin-Brandenburg stehen Willensbekundungen.

Dennoch ist Träumen ausdrücklich erlaubt. So sind unter der nigelnagelneuen Brücke, die der RE3 ab Freitag durchfährt, zwei dicke Säulen zu erkennen. An dieser Stelle könnte der Zugang zum neuen Turmbahnhof entstehen. „Im Rahmen unseres Projektes“, führt Projektleiter Kulecki aus, „haben wir alles dafür getan, dass Platz dafür freigehalten wurde.“ Auch zwischen Fernbahn- und S-Bahngleisen mit Blick Richtung Außenring ist das zu erkennen. Kulecki: „Hier ist Platz für einen Mittelbahnsteig.“

Mit einer Fortführung der S-Bahn aus Wartenberg wäre dann auch eine neue Umsteigemöglichkeit auf Fernbahnen Richtung Norden gegeben. Aber ob dieser Turmbahnhof ein Traum bleibt oder irgendwann Realität wird, ist abzuwarten. Für den prosperierenden Norden von Berlin Richtung Umland nach Oberhavel und in den Barnim hinein wäre das ein großer Gewinn.

Vom Ersatzgleis mit Verbindungskurve für den RE5, der so weiter Richtung Oranienburg rollen konnte, ist unter den Sandbergen schon nichts mehr zu sehen. Dafür gibt es jetzt online einen Film, der die Herzen aller Bahnfans höher schlagen lässt. Mit Zeitraffer beobachtet und nun als Film geschnitten, kann der Fan die Arbeiten rund um das Karower Kreuz online nachvollziehen. Da geht das hydraulische Verschieben der 3000 Tonnen schweren Brückenteile, das in Echtzeit einen Meter pro Minuten dauerte, ganz flink. Anschauen lässt sich der Film unter https://fahrweg.dbnetze.com/fahrweg-de.

220 Millionen Euro kostet diese Baustelle inklusive der 13 Brücken-Neubauten. 80 000 Bahn-Kunden sind täglich im Nordosten unterwegs.

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