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Prötzeler Heinz Kleiber zählt mit 40 Mutterkühen zu kleineren Betrieben

Wolf
Landwirt fürchtet um seine Kälber

Im Sommer und Winter draußen: Die Schottischen Hochlandrinder von Heinz Kleiber aus Prötzel. Sie bekommen auch ihre Kälber auf der Weide und die stehen auf dem Speiseplan der Wölfe.
Im Sommer und Winter draußen: Die Schottischen Hochlandrinder von Heinz Kleiber aus Prötzel. Sie bekommen auch ihre Kälber auf der Weide und die stehen auf dem Speiseplan der Wölfe. © Foto: Steffen Göttmann
Steffen Göttmann / 10.10.2018, 21:00 Uhr
Prötzel (MOZ) Heinz Kleiber züchtet in Prötzel Schottische Hochlandrinder. Der kleine Zuchtbetrieb mit 40 Kühen ist einer von drei Säulen seines landwirtschaftlichen Betriebs. Den sieht er jedoch bedroht, wenn sich der Wolf weiter ausbreitet.

„Hopphopp“, ruft Heinz Kleiber seiner Rinderherde zu. Zurzeit stehen die Tiere auf einer zwölf Hektar großen Weide, die an die B 168 von Prötzel in Richtung Tiefensee grenzt. Allmählich setzen sich die Schottischen Hochlandrinder mit dem zotteligen Fell in Bewegung. Sie nähern sich vorsichtig. Die Tiere sind misstrauisch, denn sie kennen den MOZ-Redakteur nicht, der neben  Heinz Kleiber mit der Kamera auf sie wartet. „Hopphopp“, ruft Kleiber mehrfach, bis sie ihre Scheu überwinden.

Die Tiere sind das ganze Jahr über draußen. Ihr dichtes Fell schützt sie vor Wetterunbilden. Wenn die Temperaturen im Winter tief in den Keller fallen, bekommen sie eine Unterlage aus Stroh. „Freilandhaltung mit Mutterkuhhaltung“ sagt derLandwirt. „Durchschnittlich 15 Kälber pro Jahr bringen die 40 Kühe zur Welt“, berichtet Heinz Kleiber. Diese bleiben bis zur Schlachtreife zwei bis zweieinhalb Jahre bei der Mutterherde. 150 bis 160 Kilogramm bringen sie dann auf die Waage. Um den Absatz des Fleisches braucht sich Heinz Kleiber keine Sorgen zu machen. Die Nachfrage ist groß. „Wir sind zwar kein Öko-Betrieb, wir mästen unsere Tiere aber auch nicht“, sagt der Landwirt. Die Tiere bekommen außer Gras nur das, was er mit nachhaltiger Landwirtschaft, also Fruchtfolge, auf seinen Feldern anbaut.

Die Kälber werden im Winter auf der Weide geboren. Gerade in der Anfangszeit sind sie gefährdet. Bisher hat kein Wolf eines der Kälber von Heinz Kleiber gerissen. „Ich weiß aber, dass sie da sind“, sagt der Landwirt. Sein  Betrieb verfügt über 1300 Hektar Ackerland und Wald. Ackerfrüchte, Holzverkauf und die Fleischproduktion seien die drei Säulen, von denen er lebt. „Wir verhungern nicht“, versichert Heinz Kleiber, der auf die 70 zugeht, wie er selber sagt.

Im Wald jeweils 200 Meter von seinem Haus entfernt habe er in den vergangenen zwei Jahren vier Stück Rotwild entdeckt, das Wölfe gerissen haben. Dass es Hunde gewesen sein können, glaubt er nicht. Die Polizei habe ihm einmal mitgeteilt, ein Wolf sei an der B168 gesichtet worden  gegenüber seiner Koppel. „Der wollte wohl zu mir“, sagt er. Dann erzählten ihm Nachbarn, vier Wölfe hätten seine Rinder gejagt. Die ausgewachsenen Tiere mit den wehrhaften Hörnern aber waren den Wölfen offenbar eine Nummer zu groß. Es ist nichts passiert. Wenn aber die Wölfe seine Kälber reißen, will er aufhören.­

Er habe seinen Zaun von 1,20 Meter auf 1,60 Meter erhöht. Ein Wolfsexperte habe ihm geraten, seinen Zaun einen halben Meter einzugraben. Für ihn sei das nicht zu stemmen. 3000 bis 4000 Quadratmeter Land brauche ein Rind. „Wir wechseln alle zwei bis drei Monate die Weide“, erläutert Heinz Kleiber. Und alle fünf Jahre müsse Grasland umgebrochen werden, wegen der Fruchtfolge.

Der Landwirt empfindet es als Widerspruch, dass die gleichen Menschen, die den Wolf so streng schützen, die Massentierhaltung ablehnen. Wenn sich der Wolf weiter ungezügelt ausbreite, dann bleibe nur die Massentierhaltung übrig. Denn für kleine Betriebe, wie er ihn führt, lohne sich dann die Tierhaltung nicht mehr. Schon jetzt habe er viele Abgaben wie die Gebühren für den Wasser- und Bodenverband zu bezahlen.

Zunehmen werden auch Wildschäden, prophezeit Heinz Kleiber. Um sich vor dem Wolf zu schützen, rotten sich Wildschweine und Rotwild zusammen. Wenn sich 50 bis 60 Tiere gleichzeitig über einen Acker hermachen, seien sie nicht mehr zu bejagen.

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Paul Müller 11.10.2018 - 00:11:19

Mein Gott ...

... einfach ne Mauer um den Acker und gut is :) Israel machts vor: https://m.focus.de/fotos/ein-teil-der-mauer-zwischen-israel-und-denpalaestinensischen_mid_1185762.html ein imposanter Wolfswall wird das quasi ...

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