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Warnstreik
Beschäftigte des Klinikums fordern Berliner Löhne

Arbeitsniederlegung am Klinikum: Die Frankfurter Beschäftigten fordern gleichen Lohn wie ihre Berliner Kollegen.
Arbeitsniederlegung am Klinikum: Die Frankfurter Beschäftigten fordern gleichen Lohn wie ihre Berliner Kollegen. © Foto: Thomas Gutke
Thomas Gutke / 11.10.2018, 17:52 Uhr - Aktualisiert 11.10.2018, 19:20
Frankfurt (Oder) (MOZ) 350 Beschäftigte des Frankfurter Klinikums haben sich am Donnerstag an einem dreistündigen Warnstreik beteiligt. Dazu aufgerufen hatte Verdi. Die Gewerkschaft fordert gleiche Löhne, wie sie in öffentlichen Berliner Krankenhäusern gezahlt werden.

Vor der Zufahrt zum Klinikum gab es am frühen Donnerstagmorgen dichtes Gedränge. Mehrere Hundert Mitarbeiter – Pflegekräfte, Medizinisch-Technisches Personal, Auszubildende – legten für drei Stunden ihre Arbeit nieder. Mit Trillerpfeifen, deutlichen Worten und Transparenten waren 350 der 1500 Klinik-Beschäftigten dem Verdi-Aufruf gefolgt. Es ist der erste Streik in Markendorf seit vier Jahren. Mitte Juli begannen die Verhandlungen mit der Klinikleitung. Doch die diesjährige Tarifrunde läuft schleppend. Nächsten Dienstag wird weiterverhandelt – mit dem Warnstreik verstärkt Verdi den Druck auf das zum Rhön-Konzern gehörende Unternehmen.

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Verdi fordert eine Erhöhung der Entgelte um 9,6 Prozent, mindestens aber 230 Euro ab dem 1. Juli 2018 mehr. Die Prozentzahl entspricht laut Verdi-Verhandlungsführer Ralf Franke dem Gehaltsunterschied beim Pflegepersonal zwischen Beschäftigten im öffentlichen Dienst in Berlin und am privaten Klinikum in Frankfurt, für das ein Haustarifvertrag gilt. In anderen Berufsgruppen sei die Differenz ähnlich groß. „Es gibt keinen Grund, in Frankfurt weniger zu zahlen als am Vivantis-Klinikum oder der Charité in Berlin. Die Beschäftigten erbringen die gleiche Leistung und haben das gleiche verdient“, erklärte Ralf Franke. Auch die Vergütung für Auszubildende müsse an den Tarifvertrag für im öffentlichen Dienst angeglichen werden – zwischen 110 und 132 Euro mehr im Monat seien nötig, um die Lücke zu schließen, so Franke. Zu den weiteren Forderungen der Gewerkschaftsvertreter gehören unter anderem höhere Vergütungen und Zulagen für Bereitschaftsdienste, Nacht- und Schichtarbeit sowie eine Verbesserung der Eingruppierung für bestimmte Berufsgruppen.

Mehr Wertschätzung wünschen sich auch Medizinisch-Technische Assistenten (MTA) wie Erika Wassenberg. Die 60-Jährige arbeitet – mit Unterbrechungen – seit vier Jahrzehnten im Frankfurter Krankenhaus im Bereich Radiologie. „Mich regt auf, dass das Lohngefüge zwischen Ost und West 30 Jahre nach der Wende und auch innerhalb unseres Konzerns immer noch so groß ist“, sagte sie; in der Hand ein Schild mit der Frage: „Wir geben 100 Prozent, ihr gebt uns weniger – Warum?“

Die schlechte Bezahlung sei ein Grund dafür, warum es für das Klinikum immer schwieriger werde, gut ausgebildete Medizinisch-Technische Assistenten für frei werdende Stellen zu finden, berichtete auch eine Kollegin von Erika Wassenberg. Die dreijährige Ausbildung werde gar nicht erst vergütet. „Dabei ist der Beruf sehr spannend. Doch wir sind noch schlechter gestellt als die Kollegen in der Pflege“.

Nach Angaben von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat die Klinikleitung in den Verhandlungen eine Übergangsregelung vorgeschlagen. Hintergrund ist das Pflegepersonal-Stärkungsgesetz, das am 1. Januar 2019 in Kraft treten soll. Darin geht es unter anderem um eine künftig von Fallpauschalen unabhängige Finanzierung des Pflegepersonals. Doch im Detail ist noch unklar, welche finanziellen Spielräume sich aus dem noch nicht beschlossenen Gesetz für das Klinikum ergeben. „Wir haben angeboten, uns auf eine Übergangsregelung einzulassen. Doch das bisher vorliegende Angebot des Arbeitgebers ist völlig unzureichend“, sagt Ralf Franke. Verdi fordert eine Einmalzahlung für 2018 in  Höhe von 1380 Euro für alle Vollzeitbeschäftigten. Das Klinikum bot bisher 600 Euro an.

Geschäftsführer Mirko Papenfuß sprach in einer Pressemitteilung von einem „konstruktiven Dialog“ mit Verdi. Er gehe davon aus „dass wir wie in den Vorjahren eine Einigung erzielen werden“. Zu Verhandlungsinterna wolle sich das Klinikum nicht äußern. Streikbedingte Einschränkungen bei der Patientenversorgung habe es am Donnerstagmorgen keine gegeben, teilte Klinikums-Sprecherin Kati Brand mit. Mit Verdi hatte das Unternehmen zuvor eine Notdienstvereinbarung getroffen. Die Stationen und Abteilungen waren zwischen 6 und 9 Uhr mit einem Personalumfang wie in den Nachtstunden besetzt.

Zuspruch erhielten die Streikenden vom Frankfurter Kreisverband der Partei Die Linke. „Das Klinikum erfüllt einen überregionalen Versorgungsauftrag und zählt zu den modernsten medizinischen Einrichtungen im Land Brandenburg. Auch im Bereich der Arbeitnehmervergütung sollte es daher Vorreiter sein und dafür Sorge tragen, dass die Beschäftigten gut von ihrer Arbeit leben können“, erklärte der Vorsitzende Jan Augustyniak.

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