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Vergnügungssteuer
Striptease bleibt steuerfrei

Hennigsdorf ist nicht Hamburg: Die Reeperbahn – hier Susis Show Bar – bringt sicher Vergnügungssteuer ein. In Hennigsdorf lohnt sich der Posten nicht.
Hennigsdorf ist nicht Hamburg: Die Reeperbahn – hier Susis Show Bar – bringt sicher Vergnügungssteuer ein. In Hennigsdorf lohnt sich der Posten nicht. © Foto: Axel Heimken/dpa
Roland Becker / 11.10.2018, 18:07 Uhr
Hennigsdorf (HGA) Das interessierte den FDP-Abgeordneten Ralf Nikolai dann doch: „Was sind denn Schönheitstänze?“ Abgeordnete haben damit offenbar gemeinhin nicht allzu viel zu tun; und das ist auch gut so, wie sich wenig später herausstellte. Die Frage kam nämlich am Mittwoch auf, als im Hauptausschuss darüber beraten wurde, die Gebührensatzung zur Erhebung der Vergnügungssteuer zu entschlacken. Genauer gesagt: Einige Gebühren sollen ganz entfallen. „Infolgedessen sollen Tanzveranstaltungen und Schönheitstänze nicht mehr der Besteuerung unterliegen.“ Somit war das zugleich markante als auch unbekannte Wort im Spiel. Bürgermeister Thomas Günther (SPD) tat sich etwas schwer, die Frage zu beantworten: „Ich habe gelernt, dass das nichts mit Tänzen zu tun hat. Die Erklärung steht aber in der Satzung. Sie dürfte Ihnen geläufig sein. Für nähere Informationen stehe ich nicht zur Verfügung.“

Das wiederum konnte man dem Bürgermeister nicht verdenken. Er wäre Gefahr gelaufen, sich auf einem Parkett zu bewegen, auf dem man seiner Schlüpfrigkeit wegen schnell ausrutschen kann. Und er hatte ja auch recht: Hätte der FDP-Mann die Satzung genau gelesen, wäre er in der alten Satzung auf folgende Erklärung gestoßen: „Schönheitstänze (z.B. Striptease, Peepshows, Tabledance) und Darbietungen ähnlicher Art“.

Dass diese Art Sex-Steuer wegfallen soll, hat nichts damit zu tun, dass Hennigsdorf zur freizügigen Rotlicht-Szene werden soll. Vielmehr liegt das daran, dass dieser Punkt der Satzung bislang für so gut wie keine Einnahmen gesorgt hat. Ähnliches gilt für Tanzveranstaltungen, für die bislang auch Vergnügungssteuer abzuführen sind. Abgerechnet wurde bislang nach verkauften Eintrittskarten. „Das hat im Durchschnitt pro Jahr 2 790 Euro erbracht“, berichtete der Bürgermeister. Das sind weniger als fünf Prozent des Gesamtaufkommens. „Das Aufwand-Nutzen-Verhältnis ist nicht gewahrt“, heißt es im Beschlusstext.

Besteuert werden künftig vor allem Spielautomaten. Bei solchen mit Gewinnmöglichkeit werden, sofern sie in Spielhallen stehen, zehn Prozent des Einspielergebnisses fällig, bei denen ohne Geldausschüttung pauschal 30 Euro. Spielautomaten an anderen Orten werden mit acht Prozent beziehungsweise 14 Euro besteuert.

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