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Filmtheater Bad Freienwalde zeigt erstmals den Auto-Streifen „Wolle auf Asphalt“ von Eberhard Görner

Interview
Dokumentarfilm erzählt Geschichte des Trabant

Kommt ins Filmtheater: Kameramann Markus Stoffel (55) , der mit Eberhard Görner „Wolle auf Asphalt“ drehte.
Kommt ins Filmtheater: Kameramann Markus Stoffel (55) , der mit Eberhard Görner „Wolle auf Asphalt“ drehte. © Foto: Peter Ponnath (promo)
Steffen Göttmann / 11.10.2018, 19:57 Uhr - Aktualisiert 11.10.2018, 20:40
Bad Freienwalde (MOZ) Der in Bad Freienwalde lebende Filmregisseur, Dramaturg und Drehbuchautor Eberhard Görner zeigt am Sonnabend erstmals seinen Dokumentarfilm „Wolle auf Asphalt – das Experiment Trabant“ im Bad Freienwalder Filmtheater. Steffen Göttmann sprach mit dem Kameramann Markus Stoffel.

Herr Stoffel, gibt es in Ihrem Film nur Interviews oder auch Autos zu sehen?

Wir zeigen eine Mischung aus beidem, aus Historie und Gegenwart zum Beispiel viele Archivaufnahmen aus der Geschichte der Trabant. Es gibt viele Werbefilme, denn er wurde auch ins Ausland nach Holland oder Griechenland exportiert und aufwändig beworben. Es gibt aber auch den Trabant in der Gegenwart. So waren wir beim größten internationalen Trabant-Treffen in Zwickau. Als Interview-Partner standen uns der Trabant-Konstrukteur Werner Lang und  Carl Hahn, von 1982 bis 1993 Vorstandsvorsitzender des Volkswagen-Konzerns und jetzt über 90 Jahre alt, zur Verfügung.

Was war der Anlass für den Film?

Als Eberhard Görner, mit dem ich schon mehr als zehn Jahre zusammenarbeite, Werner Lang in Zwickau traf, rief er mich an und sagte: „Du musst sofort kommen! Wir müssen sein Wissen für die Nachwelt festhalten.“

Weshalb hatte er es so eilig?

Werner Lang war hoch in den neunzigern und schwer krank, er musste regelmäßig zur Dialyse. Wir führten die Interviews zwischen den Dialyseterminen. Ein halbes Jahr später ist er dann gestorben. Auf diesen Interviews baut der ganze Film auf.

Warum war Carl Hahn so wichtig für den Film?

Er ist gebürtiger Chemnitzer, seine ganze Familie ist mit der  Autoindustrie verbunden. Hahn führte den VW-Konzern zur Wendezeit. Damals übernahm VW das Werk Mosel von Sachsenring in Zwickau. Es befand sich gerade im Bau, denn die Produktionsbedingungen im Zentrum der Stadt waren ganz schlecht. Anfangs wurden in Mosel noch Polo und Trabant gebaut. VW übernahm alle sächsischen Produktionsstandorte wegen der gut ausgebildeten Autobauer. Erst viel später wurden in Eisenach Opel gebaut.

Was war für Sie überraschend?

Werner Lang und seine Kollegen von der Konstruktionsabteilung von Sachsenring wollten den Trabant weiter entwickeln und Nachfolgemodelle auf die Straße bringen. Sie hatten die Pläne in der Schublade, doch das Politbüro verhinderte die Produktion der neuen Autos. Werner Lang beschwerte sich sogar in Berlin und wurde darauf hin versetzt. Es gab sogar Pläne für ein dreitüriges Trabant-Modell mit einer großen Heckklappe. Wenig später präsentierte VW mit dem Golf 1 das erste Modell dieser Klasse. Ob der Entwurf in den Westen verkauft wurde? Darüber sind keine Akten  vorhanden.

Wie lange haben Sie an dem Film gearbeitet?

Vom ersten Interview bis zur letzten Aufnahme sind mindestens vier Jahre vergangen.

Ihr Fazit...

Wir hatten zwei sehr interessante Zeitzeugen, deren politischer Hintergrund  unterschiedlicher kaum sein konnte, die deutsch-deutsche Industriegeschichte geschrieben haben. Hahn verbringt viel Zeit im Jahr auf Sardinien, wo er Trabant fährt. Das Auto hat viele Teile des DKW und erinnert ihn an seine Familie.

„Wolle auf Asphalt – das Experiment Trabant“ am Sonnabend, 19.30 Uhr, im Filmtheater Bad Freienwalde,  Königstraße 11, Tickets: www.musiktheater-brandenburg.de

Zur Person

Markus Stoffel (55) lebt in Nürnberg und arbeitet seit 1996 als Kameramann. Er dreht bevorzugt Dokumentar- , Industrie-, Werbe- und Kinofilme. Mit Eberhard Görner hat er die Dokumentarfilme: „Ruhen in der Zeit“, „Zisterzienserinnen in Waldsassen“, „Von kommenden Dingen: Walter Rathenau in Freienwalde“  und nun „Wolle auf Asphalt“ gedreht. Mit Peter Ponnath drehte er den Spielfilm „Mademoiselle Marie“. Markus Stoffel wird mit Eberhard Görner und dem Cutter David Rauschning am Sonnabend da sein.

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