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Erneuerbare Energien
Windräder sorgen für Spannungen

Diskussionsbedarf: Der Vorsitzende der Rietz-Neuendorfer Gemeindevertretung, Günter Poeschke (links), informiert sich bei Thomas Luniak von ABO-Wind über Schallimmissionen.
Diskussionsbedarf: Der Vorsitzende der Rietz-Neuendorfer Gemeindevertretung, Günter Poeschke (links), informiert sich bei Thomas Luniak von ABO-Wind über Schallimmissionen. © Foto: Larissa Benz
Larissa Benz / 12.10.2018, 06:15 Uhr - Aktualisiert 12.10.2018, 15:47
Görzig (MOZ) Die Wiesbadener Firma ABO-Wind plant, östlich von Görzig drei Windkraftanlagen zu errichten. In einer Info-Messe informierte das Unternehmen über die Standorte und mögliche Auswirkungen.

Die Pläne zu den drei Windrädern im sogenannten Windeignungsgebiet (WEG) 62 werden immer konkreter: Mittlerweile liegt ein Vertrag mit der Gemeinde Rietz-Neuendorf vor. Dieser sieht unter anderem vor, dass die Gemeinde pro Windrad 8000 Euro pro Jahr vom Unternehmen für die Gemeindekasse erhält. Die Flächen möchte ABO-Wind von mehreren privaten Eigentümern pachten.

Die Firma hat beim Landesamt für Umwelt einen Antrag zur Errichtung der Anlagen eingereicht. Noch bis zum 18. Oktober sind die Unterlagen öffentlich ausgelegt. Bürger und die Gemeinde können noch bis zum 19. November Einwendungen dagegen abgeben. „Uns sind die Anlagentypen zum Beispiel zu hoch“, sagt der Rietz-Neuendorfer Bürgermeister Olaf Klempert bei der Infomesse im Görziger Dorfgemeinschaftshaus.

Konkret haben die Anlagen eine Gesamthöhe von je 241 Meter. Projektleiter Henning Stein gibt zu, dass diese Typen deutlich höher als ältere Modelle sind: „Die neuen Anlagen sind dafür deutlich wirtschaftlicher.“ Das Unternehmen hofft, dass die Windräder endgültig im ersten Quartal 2019 genehmigt werden.

Bei der Infomesse informieren Plakate zu Themen wie Schall, Umweltschutz und technische Aspekte über die Pläne. Er sei sich bewusst, dass bei Windkraftprojekten Gegenwind aus der Bevölkerung komme, sagt Henning Stein.

Das Publikum in Görzig ist an diesem Abend sehr gemischt:  Gunar Steinert aus Raßmannsdorf ist entschiedener Gegner der Windkraftanlagen: „Sie zerstören unser Leben hier“, wirft er Projektleiter Henning Stein vor. Der Anwohner fürchtet, dass seine Lebensqualität etwa durch Schall eingeschränkt wird. „Ich verstehe außerdem nicht, warum die Windräder ausgerechnet im Wald stehen müssen.“

Zwei der drei Windräder bei Görzig sind im Wald vorgesehen, einer auf einem Ackerstandort. Kritisch sieht auch Jörg Grafe aus Görzig die Pläne. Er sei Landeigentümer, der bewusst seine Flächen nicht für die geplanten Anlagen zur Verfügung stelle. „Ich wollte hier eigentlich auf ökologische Landwirtschaft umstellen.“ Diese Pläne sieht er nun durch die Windräder gefährdet. Der Vorsitzende der Rietz Neuendorfer Gemeindevertretung, Günter Poeschke, sieht die Pläne mit gemischten Gefühlen: „Ich finde das nicht so gut, dass die Anlagen immer so zerstückelt auf mehreren kleinen Flächen aufgestellt werden.“

Dem entgegen steht ein Görziger Anwohner, dessen Flächen auf den gekennzeichneten Standorten liegen. Er möchte anonym bleiben. „Ich finde es positiv, dass hier in der Gemeinde investiert wird“, sagt er.

Zwei weitere Investoren stünden bei ihm momentan Schlange für weitere Windräder im südlichen Bereich des WEG 62, berichtet Bürgermeister Olaf Klempert bei der Messe. Er sieht seine Rolle dahingehend, zu vermitteln. „Man kann es aber durchaus positiv sehen, wenn durch Windanlagen Geld in die Gemeindekasse kommt,“ sagt er.

Die Gemeinde Rietz-Neuendorf kommt am Montag um 19 Uhr zu einer außerordentlichen Gemeindevertretersitzung im Dorfgemeinschaftshaus Groß Rietz zusammen. Auf der Tagesordnung steht der Austausch zur weiteren Windkraftnutzung in Rietz-Neuendorf mit allen Anwesenden.

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