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Freya Klier fragt in einer Doku nach der Gleichberechtigung von Frauen in der DDR / Jetzt stellte sie den Film in Frankfurt vor

Freya Klier
„Ich habe mich gebraucht gefühlt“

Frauen in der DDR: Fast jede von ihnen war erwerbstätig – Szene aus „Wenn Mutti früh zur Arbeit geht …“ von Freya Klier.
Frauen in der DDR: Fast jede von ihnen war erwerbstätig – Szene aus „Wenn Mutti früh zur Arbeit geht …“ von Freya Klier. © Foto: promo
Stephanie Lubasch / 12.10.2018, 09:00 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) „Mann und Frau sind gleichberechtigt.“ Das hat sich die DDR 1949 schon in ihre Verfassung geschrieben. Im Artikel 7 kann man es nachlesen: „Alle Gesetze und Bestimmungen, die der Gleichberechtigung der Frau entgegenstehen, sind aufgehoben.“ Wie man weiß, hat sich diese Gleichberechtigung vor allem auf die Einbindung in den Arbeitsprozess bezogen – mehr als 90 Prozent aller Frauen waren erwerbstätig. Und das hatte ganz wirtschaftliche Gründe. Im gesellschaftlichen Leben, in der Familie sah die Realität dann doch oftanders aus.

Frauen in der DDR, dieses Thema hat Freya Klier, im Osten eine der bekanntesten Bürgerrechtlerinnen, schon immer interessiert. Selbst als sie 1982 als Regisseurin am Schwedter Theater Shakespeare auf die Bühne brachte, sei ihr Blick bereits in diese Richtung gegangen, erzählte sie am Mittwochabend in der Frankfurter Stadt- und Regionalbibliothek. Einem zahlreich erschienen, zumeist weiblichen Publikum stellte die 68-Jährige dort ihren 2017 entstandenen Dokumentarfilm „Wenn Mutti früh zur Arbeit geht …“ vor – und lud anschließend zur Diskussion darüber ein.

Gemeinsam mit ihrer Tochter, der Fotografin Nadja Klier, hat Freya Klier dafür nicht nur Frauen – und Männer – nach ihren Erinnerungen befragt; sie ist für den 45-Minüter auch auf Zeitreise zu den eigenen Wurzeln gegangen. Editha Krummreich, ihre Mutter, ist die erste Zeitzeugin, die der Film vorstellt. Im VEB Polypack Dresden hatte sie sich einst von einer einfachen Arbeiterin in eine Führungsposition hochgearbeitet. „Ich habe mich gebraucht gefühlt“, sagt sie heute – und drückt damit aus, was viele Ostfrauen trotz der nicht zu leugnenden Doppelbelastung durch Beruf und Familie im Rückblick empfinden.

Dass Krummreichs Betrieb und ihre Rolle dort, die sie spielen durfte, ohne in die SED einzutreten, nicht unbedingt die Regel waren, erzählt der Film aber auch. Am Ende waren es doch eher die Jobs im Niedriglohnsektor, die von Frauen besetzt wurden – in Führungspositionen in Wirtschaft und Politik waren sie selten anzutreffen. Auch im Politbüro der SED war in den gesamten 40 Jahren DDR keine einzige Frau vertreten. Klier hat die passenden Bilder dazu gefunden: Während Erich Honecker auf einer Frauentagsfeier ein Loblied auf die werktätigen Damen und ihre Unterstützung durch den Staat singt, zeigt der Film die ausschließlich mit alten, grau gewandeten und gelangweilten Männern besetzte Ehrentribüne bei einer der traditionellen Paraden in der Hauptstadt.

Hohe Raten bei Scheidung, Selbstmord und Abtreibung: Auch das thematisiert der Film. Dazu die Probleme der Alleinerziehenden. Hier, sagt Freya Klier im Anschluss, habe sie bei der Recherche eine Überraschung erlebt: Im ländlichen Raum stellte sich all das offenbar weniger drastisch dar als in der Großstadt. Ein Thema, das noch der Aufarbeitung harrt.

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