Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

zu Trumps Taktik
Harte Reaktionen auf Saudi-Arabien erforderlich

Martin Gehlen
Martin Gehlen © Foto: Gerd Markert
Martin Gehlen / 16.10.2018, 19:20 Uhr
Washington (MOZ) Die jüngsten Khashoggi-Sätze von Donald Trump dürften am saudischen Königshof mit einer Mischung aus Panik und Erleichterung registriert worden sein. Klar bleibt: Der US-Präsident will unbedingt das 110 Milliarden Dollar-Rüstungsgeschäft mit den Saudis weiter ungestört abwickeln. Doch auch Trump wird bald erkennen müssen, dass sich seine Taktik in diesem bestialischen Fall nicht  durchhalten lässt. Schließlich beantworteten Amerika und Europa den staatlichen Giftmordversuch Russlands an seinem Ex-Spion Sergei Skripal auch deshalb mit so harten Sanktionen, weil sie Staatschef Wladimir Putin für den Auftraggeber halten. Gleiches gilt für den vermutlichen Mord von Istanbul – ein schweres Verbrechen und ein fundamentaler strategischer Fehler der saudischen Staatsspitze.

Noch liegen nicht alle Beweise auf dem Tisch. Sollten sich die gruseligen Indizien jedoch bewahrheiten, wird dies das Verhältnis Saudi-Arabiens mit der westlichen Welt nachhaltig beschädigen. Unvorstellbar, dass Mohammed bin Salman jemals wieder als gefeierter Reformer durch Europa und die USA tourt. Vielleicht steht sogar seine eigene Thronfolge zur Disposition, weil der 33-Jährige mit Racheblut an den Händen auf dem internationalen Parkett nicht mehr vorzeigbar ist.

Und so könnte sich bereits nächste Woche zeigen, wohin die Reise geht für das Ansehen Saudi-Arabiens und seines skrupellosen Königssohnes. Er hat zu einem „Davos in der Wüste“ geladen. Die Traumschau des arabischen Königreiches steuert auf ein beispielloses Fiasko zu. Es hagelt Absagen, weil Konzernchefs, Finanzmanager und Mediengewaltige mit diesem Saudi-Arabien nicht in Verbindung gebracht werden möchten.

In Deutschland dagegen können sich jetzt die wenigen Skeptiker bestätigt fühlen, die von Anfang an vor dem furiosen und impulsiven Kronprinzen warnten, angefangen vom früheren BND-Chef Gerhard Schindler bis hin zu Ex-Außenminister Sigmar Gabriel. Nach elf Monaten Eiszeit ist Riads Botschafter zurück an der Spree. Schon bald wird das Kanzleramt wissen, ob der saudische Generalkonsul in Istanbul Komplize bei einem königlichen Staatsmord war. Mal sehen, ob in Berlin dann der Mut reicht, saudischen Diplomaten und Waffenkäufern die Tür zu weisen.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG