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Mit Puppe Paula in der Schule

Irina Voigt / 17.10.2018, 06:45 Uhr - Aktualisiert 17.10.2018, 06:55
Müncheberg (MOZ) Missverstandene Gefühle können krank machen. Nicht nur Erwachsene, auch Kinder leiden darunter. Der Umgang mit Freude, Wut, Angst oder Unsicherheit kann erlernt werden. In Müncheberg nehmen Grundschüler aus dem Hort und aus Tagesgruppen an einem Präventionsprojekt des Vereins Papilio und der Krankenkasse Knappschaft teil.

„Mist, Mist, Mist“, schimpft Zornibold. Er ist schon wieder wütend, weil er nicht in Paulas Klassenzimmer durfte und weil alle anderen viel länger dort waren. Den Umgang mit Gefühlen, sie zu erkennen und einzuordnen, kann man lernen. Auch, wenn dabei anfangs so einiges schief gehen kann. Aus der Koboldkiste steigen dafür Zornibold, Heulibold, Freudibold und Bibberbold. Kobolde, mit denen jedes Kind schon in der einen oder anderen Weise Bekanntschaft gemacht hat.

Am Dienstag waren die Marionetten der weithin bekannten Augsburger Puppenkiste zu Gast in der Stadtpfarrkirche. Die über 100 Mädchen und Jungen im Grundschulalter hatten ihre Freude am lebhaften Spiel auf der Bühne, obwohl es um Alltägliches ging.

Mit Paula, die gerade in die Schule gekommen ist, erlebten sie Situationen, in denen sie sich auch schon befanden. Wie man sich schämt, weil man etwas vergessen hat. Wie es einem  leid tut, wenn andere zu Schaden gekommen sind, wie man auf eine Leistung stolz sein kann. „Gefühle können Kinder verunsichern und verwirren“, sagt dazu Ellen Martin, Papilio-Trainerin bei der überregionalen Suchtpräventionsfachstelle des Vereins Tannenhof Berlin-Brandenburg.

„Jeder konnte doch schon Eltern beobachten, die mit ihrem Kind unterwegs sind, aber anstatt, sich mit dem Sprössling zu unterhalten, aufs Handy starren und so gar nicht bei ihrem Kind sind“, sagt Charlotte Peter, wissenschaftliche Leiterin im Verein Papilio. Den Vereinsmitgliedern, die deutschlandweit in Kitas und Schulen unterwegs sind, geht es – wissenschaftlich begleitet – um die Förderung sozialemotionaler Kompetenzen und darum, Verhaltensauffälligkeiten vorzubeugen.

In Müncheberg wurden sie mit ihrem neuesten Präventionsprojekt „Paula kommt in die Schule“ mit offenen Armen empfangen.  Bürgermeisterin Uta Barkusky dankte den Akteuren, aber vor allem ihrer Stellvertreterin Maria Buch. Die hatte nämlich vom Verein gehört und ihn in die Stadt eingeladen.

„Wir können davon nur profitieren“, stellte im Gespräch Hortleiterin Annerose Mann fest. „Wir müssen den Umgang mit Gefühlen wieder professionell angehen“, sagte Ellen Martin, die die Bereitschaft in der Stadt, etwas zu unternehmen, sehr lobte. „Der Weg führt über die Erzieher in den Gruppen und die Kinder zu den Eltern“, sagte sie.

In Müncheberg haben daher schon einige Pädagogen und Tagesmütter an den angebotenen speziellen Trainerkursen, die immerhin über 65 Stunden laufen, teilgenommen. „Das muss man wollen“, sagte Ellen Martin, die an Schulen in Deutschland auch schon andere Erfahrungen gemacht hat, wie sie berichtete.

Das Müncheberger Engagement wird auch von der Sozialarbeiterin der Oberschule, Karen Bida, begrüßt. „Man kann auf Dinge aufbauen, wenn sie angelegt sind“, stellte man in der Runde nach dem Theaterstück fest. Da heiße es immer wieder: Kinder, die am Projekt teilgenommen haben, seien ganz anders sozialisiert und könnten auch mit den Gefühlen besser umgehen, weil sie sie kennen gelernt haben.

Das bestätigt Horterzieherin Sabine Jahn. „Wir haben zusätzlich zum angebotenen Film- und Bild-Material eigene Gefühlspuppen gebastelt, die den Kindern auf diese Weise sehr nahe kommen“, sagte sie.

Finanziert wird die Präventionsaktion über Krankenkassen. Vornehmlich ist es die Knappschaft, die sich des Themas angenommen hat. „Unsere Aufgabe ist der Erhalt der Gesundheit, denn auch Kinder können schon missverstandener Gefühle wegen leiden“, begründet Carmen Herold-Lacroix das Engagement der Knappschaft.

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