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Missbrauchsprozess
Verwirrung um gefundene Kinderpornos

Am zweiten Verhandlungstag gegen den 54-jährigen Granseer, der sich wegen sexuellen Missbrauchs seiner Tochter sowie Besitzes von Kinderpornos verantworten muss, ging es vor allem um technische Aspekte.
Am zweiten Verhandlungstag gegen den 54-jährigen Granseer, der sich wegen sexuellen Missbrauchs seiner Tochter sowie Besitzes von Kinderpornos verantworten muss, ging es vor allem um technische Aspekte. © Foto: Oliver Berg
Matthias Henke / 03.11.2018, 17:44 Uhr
Neuruppin/Gransee (MOZ) Am zweiten Verhandlungstag gegen den 54-jährigen Granseer, der sich wegen sexuellen Missbrauchs seiner Tochter sowie Besitzes von Kinderpornos verantworten muss, ging es vor allem um technische Aspekte. Es zeichnet sich ab, dass der Prozess länger dauert, als geplant.

Ein Computerspezialist der Polizei legte dar, was auf den sichergestellten  Rechnern des Mannes gefunden wurde und wie er danach gesucht hatte. Hinsichtlich eindeutiger Bewertungen hielt sich der Sachverständige aber zurück.

Anfang Februar 2017 waren Polizeibeamte in das Haus des Beschuldigten eingerückt und hatten diverse Computer, USB-Sticks und Speicherkarten gefunden und mitgenommen, wie beim Verlesen des „Durchsuchungs- und Sicherstellungsprotokolls“ dargelegt wurde. Auf zwei der sichergestellten Rechner fand ein Sachverständiger des Landeskriminalamtes, dem Eins-zu-eins-Kopien der Festplatten – sogenannte Images – zur Verfügung gestellt worden waren, verdächtiges Material.

Die Durchsuchung der Daten sei teilweise manuell, teilweise mit Hilfe spezieller Programme erfolgt, sagte der IT-Experte. Mit Softwareunterstützung sei es gelungen, auch gelöschte Dateien wiederherzustellen. Im Ergebnis fanden sich auf einem Rechner 78 verdächtige Dateien – alle gelöscht.  Aufgrund des geringen Speicherbedarfs und der qualitativ schlechten Auflösung werte er diese als Vorschaubilder – sogenannte Thumbnails. „Zugehörige Originale konnten nicht gefunden werden“, so der Sachverständige. Ebenso wenig Zeitstempel, mit denen hätte nachvollzogen werden können, wann die Dateien gespeichert, angesehen oder verändert wurden.

Die Daten ließen aber den Rückschluss zu, dass möglicherweise ein Verschlüsselungsprogramm zum Einsatz gekommen sei. Ein Dutzend eigentlich gelöschter kinderpornografischer Abbildungen, meist mutmaßliche Vorschaubilder, seien auf einem weiteren Rechner identifiziert worden, nachdem ein Filter des Bundeskriminalamtes zum Einsatz gekommen sei. Eine ursprüngliche Einteilung nach den groben Kriterien „Abgebildete mutmaßlich minderjährig“ und „nackte Haut zu sehen“ hatte noch einen fünfstelligen Wert ergeben – zur Verwunderung von Verteidigung und Strafkammer.

Es könne aber keine Aussage dazu getroffen werden, ob die Dateien absichtlich oder automatisch gelöscht worden seien, genauso wenig dazu, wie die Vorschaubilder ursprünglich erzeugt wurden, sagte der Sachverständige weiter. Ihr Vorhandensein bedeute nicht automatisch, dass der Angeklagte die Originale angeschaut habe.

Die Verteidigung wollte wissen, ob die Möglichkeit bestehe, dass sich beim Erwerb eines gebrauchten Rechners noch Dateien des Vorbesitzers darauf befinden. Dies bejahte der Experte.

Der ebenfalls angeklagte sexuelle beziehungsweise schwere sexuelle Missbrauch der Tochter des 54-Jährigen war am Freitag dagegen kein Thema. Zwischen 2014 und September 2016 soll der Mann sich an dem im Jahr 2010 geborenen Mädchen vergangen haben.

Nicht zur Aufklärung des Falles beitragen wollte der Angeklagte selbst. Am ersten Prozesstag war die Verhandlung noch unterbrochen worden, weil ein aussagepsychologisches Gutachten erst sehr kurzfristig der Verteidigung zugegangen war und sie sich nicht in der Lage sah, bis zum Prozessauftakt mit dem Angeklagten darüber zu beraten. Darauf, ob sich der 54-Jährige zur Sache äußert, könnte das durchaus Einfluss nehmen, hieß es damals. Am Freitag nun war die Sache klar:  „Mein Mandant möchte von seinem Recht Gebrauch machen, zu schweigen“, erklärte der Verteidiger.

Unterdessen ist das Verfahren dabei, sich immer weiter in die Länge zu ziehen. Ursprünglich sollte der 2. November bereits der letzte Termin sein. Nachdem zuletzt die oben erwähnte Verzögerung offenkundig geworden war, verständigten sich die Prozessbeteiligten auf den 14. November als weiteren Termin. Mittlerweile kam auch noch der 20. November hinzu. Und wie die Vorsitzende Richterin Sandra Marks am Freitag erläuterte, stehen die Beteiligten vor einem weiteren Problem: Jener Arzt, der das mutmaßliche Opfer seinerzeit behandelte, weilt zum vorgesehenen Termin in Südamerika. Also wurde mit dem 11. Dezember noch ein fünfter Verhandlungstag festgelegt.

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