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Verlag auf Wachstumskurs
„Ich helfe Büchern auf die Welt“

Breites Angebot: Elisa Carow mit einer Auswahl ihrer Bücher in ihrem Wohnzimmer im Müncheberger Philippinenhof
Breites Angebot: Elisa Carow mit einer Auswahl ihrer Bücher in ihrem Wohnzimmer im Müncheberger Philippinenhof © Foto: Martin Stralau
Martin Stralau / 05.11.2018, 14:49 Uhr
Müncheberg (MOZ) 2012 hat Elisa Carow einen kleinen Verlag gegründet. Inzwischen ist er, was die Anzahl der Titel betrifft, der größte Buchverlag in Märkisch-Oderland. Jedes Jahr kommen zehn bis 15 Bücher dazu.

„Ich mache das, was mir am meisten Spaß macht“, sagt Elisa Carow. „Ich helfe Büchern auf die Welt.“ Die gebürtige Bulgarin, die 1991 nach Berlin kam und mit ihrem Mann 2005 ein Haus im Müncheberger Philippinenhof bezog, bezeichnet die gedruckten Werke als ihre Kinder. Und obwohl man keine Lieblingskinder haben sollte, wie die Mutter eines achtjährigen Sohnes klarstellt, habe sie derzeit eines. Es trägt den Titel „Musikmärchen – Phantastische Geschichten aus dem Reich der Klänge“ und richtet sich an Kinder ab sechs Jahre. „In dieses Buch bin ich wirklich schockverliebt“, sagt Elisa Carow. Und weil es so schön sei, habe sie dem bunt gestalteten Werk von Autor Klaus Michelsen und Illustratorin Dorit Seiffert als erstem überhaupt in ihrem Verlag ein Buchbändchen spendiert. Damit es sich möglichst viele Familien leisten können, kostet es 16 Euro, „obwohl wir wegen des Produktionsaufwandes 20 Euro nehmen müssten“, sagt sie.

Diesem sozialen Ansatz ist die 36-jährige Autistin seit der Gründung ihres Verlages vor sechs Jahren ebenso treu geblieben, wie dem Ziel, möglichst vielen Autoren eine Plattform zu bieten, „die sonst keinen Verlag hätten, deren Bücher es aber verdient haben, gelesen zu werden“, wie sie sagt. Das wolle sie beibehalten.

Dank der finanziellen Unterstützung ihres Mannes – „er bringt die Brötchen nach Hause“ – könne sie das auch. „Die schwarze Null haben wir bis heute nicht geschafft“, sagt sie, und lacht dabei. „Wir sind aber auch nicht gewinnorientiert.“ Lektorat, Korrektorat, Verhandlung mit und Betreuung von Autoren, Auswahl von Druckereien, Verpackung, Versand – all das, was zum Alltagsgeschäft eines Buchverlages gehört, liege weiter in ihren und den Händen ihres Mannes, der vor und nach der Arbeit mit anpackt.

Freie Wochenenden kennen beide so gut wie nicht. „Was ist das, kann man das essen?“, fragt Elisa Carow scherzhaft. Das Geschäft lief selbst im vergangenen Jahr weiter, als Elisa Carow nach einem Unfall fast zehn Monate lang kein Auto hatte. Da habe sie die bestellten Bücher eben mit Fahrrad und Sackkarre zur Post im Zentrum von Müncheberg gebracht, „was vor allem bei Sturm, Schnee und Glatteis nicht immer einfach gewesen ist“.

Der Verlag ist inzwischen zu ihrer Lebensaufgabe geworden. Er wächst stetig. Nach der Übernahme des sächsischen Axiomy Verlages im vergangenen Jahr ging 2017 auch der Merquana-Verlag der Kieler Mediengestalterin Melanie Wiesenthal im Carow-Verlag auf. „Ich hatte sie bereits 2014 auf der mitteldeutschen Buchmesse in Thüringen flüchtig kennen gelernt. Sie hatte mitbekommen, dass wir Axiomy übernommen hatten und wollte verkaufen“, erzählt Elisa Carow. Mit dem Zukauf zählen nun 89 Bücher zum Carow-Verlag, drei Kartenspiele, eine CD, eine App, sechs Trockenfilz-Kreativsets und neun Schulungsboxen für Prozessvisualisierungen. Letztere enthalten Symbole, die beschrieben werden können, abwischbar und mit Magneten versehen sind. Mit ihnen können auf Whiteboards, Kunststoff-Tafeln, Geschäftsprozesse von Organisationen oder Unternehmen dargestellt werden. „Diese Boxen hat sich mein Mann ausgedacht, die verkaufen sich sehr gut“, sagt Elisa Carow. Zu den Kunden zähle das ZDF, aber auch das Bundesinnenministerium.

Das Kerngeschäft bleiben aber die Bücher. In diesem Jahr sollen noch sechs weitere auf den Markt kommen. „Ziel ist, dass wir sie auf der 5. Buchmesse in Berlin am 24. und 25. November präsentieren können“, sagt Elisa Carow. Darunter befindet sich das Buch „Malus“ von Martin Eckert zum Thema Genforschung. „Da hat mich schon das Manuskript von den Socken gehauen“, sagt sie. Der Autor habe vor 30 Jahren angefangen, den Roman zu schreiben. Damals war das Thema noch Zukunftsmusik. „Der Protagonist des Romans entdeckt, dass die Intelligenz des Menschen nichts ist, was durch Evolution hervorgebracht wurde.“ Mit diesem Buch verbindet Elisa Carow einen Traum. Sie würde die Geschichte gerne verfilmen lassen. Das Potenzial dazu hätten mehrere ihrer Bücher, sagt sie.

Neben ihrer Mission, schöne Geschichten in die Welt zu bringen und ihre Leser zu unterhalten, will Elisa Carow ihren Verlag wie bisher gerne weiter dafür nutzen, sich für soziale und ökologische Themen einzusetzen. Beispiel Umweltschutz: Seit ihr Buch „Euko und die fliegenden Füchse“ 2016 auf den Markt kam, in dem der Koala Euko und seine Freunde ihren Eukalyptusbaum retten, unterstützt der Carow-Verlag die gemeinnützige Organisation „Friends of the Koala“ in Australien. Diese nimmt kranke, verletzte und verwaiste Koalas in Obhut, päppelt sie wieder auf und kümmert sich um den Erhalt ihrer Lebensräume. Ein Teil des Erlöses aus dem Buch fließt an die Organisation.

Am Donnerstag, 22. November, 16 Uhr, veranstaltet der Carow-Verlag im Müncheberger Café „Thälmanns“ eine Lesung aus dem Buch „Musikmärchen“. Autor Klaus Michelsen spielt Akkordeon. Der Eintritt ist frei. Weitere Infos: www.carow-verlag.de

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