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Geschäftsaufgabe
Spiele und ein bitterer Schluss

Manja Wilde / 05.11.2018, 20:10 Uhr - Aktualisiert 06.11.2018, 09:17
Fürstenwalde (MOZ) Lego-Baukästen stapeln sich bis unter die Decke, Laufräder reihen sich an der Wand entlang, bunte Bälle füllen große Netze aus – im Spielwarengeschäft Habermann sieht auf den ersten Blick alles aus wie immer. Doch der Schein trügt. Das Lager ist bereits leer. Das Traditionsgeschäft, das seit 96 Jahren einen festen Platz in der Eisenbahnstraße hat, schließt. „Eigentlich wollten wir die 100 noch schaffen, aber am Anfang des Jahres reifte der Entschluss, aufzuhören“, sagt Karin Habermann. Die Entscheidung sei auch aus gesundheitlichen Gründen gefallen, fügt die 64-Jährige an. Ehemann Bodo Habermann, der das Geschäft von seinem Vater übernahm, hat bereits seinen 65. Geburtstag gefeiert.

Die beiden Kinder des Paares arbeiten in anderen Branchen. „So richtig gesucht haben wir nach einem Nachfolger dann auch nicht mehr“, räumt Karin Habermann ein. „Der Spielwarenladen hat doch keine Zukunft“, sagt ihr Mann. Das Internet, die Konzentration der Geschäfte in großen Malls und letztlich die etwas ungünstige Lage in Fürstenwalde drückten den Umsatz zuletzt immer mehr. „Es liegt auch an den Händlern in der Stadt, wir waren uns nie einig“, sagt Karin Habermann. Sie denkt dabei zum Beispiel an die Öffnung an Adventssamstagen.

Eins kam zum anderen. „Normalerweise“ sagt Karin Habermann, „bestelle ich im Mai schon für Weihnachten.“ In diesem Jahr tat sie es das erste Mal nicht. Ab Donnerstag beginnt der Ausverkauf, es gibt 30 Prozent Nachlass auf das gesamte Sortiment. „Was übrig bleibt, spenden wir an eine soziale Einrichtung“, sagt Bodo Habermann. Das Frauenhaus oder eine Kindereinrichtung hat er im Sinn. Wann sich die Ladentür wirklich das letzte Mal öffnet, steht noch nicht fest.

Das erste Mal geöffnet hat sie sich Anfang 1922. Im Jahr zuvor kaufte Gustav Habermann das Grundstück, baute das Haus. Mit Zeitungs-Annoncen warb er für seine Waren. Die bestanden zunächst aus Korb, denn Gustav Habermann war Korbmacher. Da damals auch Kinderwagen aus dem Material waren, gesellten sich bald Spielsachen dazu. Während des Krieges mussten sie Geschoss-Körben weichen.

Horst Habermann trat in die Fußstapfen seines Vaters. Bodo Habermann folgte. Doch mit der Wende starb der Beruf. 1991 meldete der Korbmachermeister das Gewerbe ab. Nun steht ihm dieser Schritt für das zweite Geschäft bevor. „Wir danken den Kunden, die uns in all den Jahren treu waren, und unseren Mitarbeitern“, sagt Karin Habermann. Für die Ladenfläche wird, genau wie für das Nachbargeschäft, ein Nachmieter gesucht.(mw)

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