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Im Biesenthaler Bahnhof dokumentiert eine Ausstellung dessen 150-jährige Geschichte / Lebhafte Debatte zur Eröffnung

Bahnverkehr
Plädoyer für die kleinen Haltestellen

Besuchte 21 Haltepunkte: Michael Jungclaus von Bündnis 90/Die Grünen
Besuchte 21 Haltepunkte: Michael Jungclaus von Bündnis 90/Die Grünen © Foto: Gerd Markert
Klaus Kleinmann / 06.11.2018, 08:00 Uhr
Biesenthal (MOZ) „Mehr als Bahnhof verstehen“ - so heißt eine Ausstellung, mit der der Biesenthaler Bahnhof sein 150-jähriges Jubiläum begeht. Das könnte kaum besser gefeiert werden als mit einer Dokumentation, die sich den kleinen Bahnhöfen in Brandenburg widmet.

Michael Jungclaus, Landtagsabgeordneter der Grünen, hat 21 solcher Haltepunkte auf dem platten Lande besucht und dort mit Einwohnern und Bürgermeistern gesprochen. Die Ausstellung ist daher viel mehr als eine Bilderschau. Sie erweitert nämlich den Blick auf generelle Probleme des öffentlichen Personennahverkehres (ÖPNV) und auf die soziale Brisanz, die dahinter steckt.

Viele kleine Bahnhöfe mit weniger als 50 Ein- und  Ausstiegen pro Tag sind nämlich latent von der Schließung bedroht. Die Aktion von Jungclaus hat offenbar geholfen, diese Gefahr zunächst zu bannen, denn das große Medienecho entlockte den Verantwortlichen eine vorläufige Bestandsgarantie für die Bahnhöfe. Das Thema ist und bleibt jedoch äußerst sensibel.

Eine zuverlässige Verkehrsanbindung an die Umgebung und vor allem an Berlin macht nämlich auch Gemeinden im weiteren Umland als Wohnorte attraktiv. Einem Pendler ist es relativ egal, wenn er ein paar Minuten länger fahren muss. Hauptsache, die Verbindung klappt. Durch entsprechenden Zuzug bekämen Ortschaften außerhalb des Speckgürtels neuen Auftrieb. Gleichzeitig würde Druck aus dem Wohnungsmarkt genommen, auf dem die Preise in den Ballungsräumen völlig aus dem Ruder laufen und einkommensschwächere Bevölkerungskreise mehr und mehr in Bedrängnis bringen.

Anstatt dem Wahn zu verfallen, für immer mehr Geld immer mehr bauen zu müssen und damit weitere Flächen zu versiegeln, erscheint es als ein Gebot der Stunde, erschwingliche und teils sogar leer stehende Immobilien im ländlichen Raum erreichbar und nutzbar zu machen.

Ein eng getakteter und gut funktionierender Nahverkehr gehört also zu den vordringlichen sozialen Aufgaben. Dafür muss Geld vorhanden sein: Anstatt, wie in den letzten Jahren, Strecken stillzulegen und obendrein noch Haltepunkte zu schließen, gilt es, das Angebot zu erweitern. Ein anderer Schwachpunkt ist die Tatsache, dass kreisübergreifende Querverbindungen fehlen. Wer von Bernau nach Oranienburg will, muss über Berlin fahren. Dergleichen kann man überall im Berliner Umland beobachten. Das liegt daran, dass die zuständigen Stellen in den Landkreisen nicht eng genug miteinander kooperieren. Durch eine vernünftige Planung könnte dieser Missstand relativ leicht beseitigt werden.

Neben engmaschigen, lokalen Verbindungen seien aber auch schnelle, überregionale Züge nötig -  darin waren sich Jungclaus und Thomas Dill vom Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) in der Diskussion einig. Also wird Biesenthal wohl in nächster Zukunft weiterhin auf den heiß begehrten Halt des RE 3 verzichten müssen, obwohl das durch engere Taktung und schnellere Verbindung nach Berlin und Eberswalde sehr positive Auswirkungen hätte. Leider wachsen nun einmal nicht alle Bäume in den Himmel.

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