Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Tourismus
Mit dem Auto ins Welterbe

Der Grumsin von oben: Es gibt im Buchenwald nur wenige Wanderwege. Das Interesse am Weltnaturerbe nimmt aber immer weiter zu.
Der Grumsin von oben: Es gibt im Buchenwald nur wenige Wanderwege. Das Interesse am Weltnaturerbe nimmt aber immer weiter zu. © Foto: Wilfried Bergholz
Oliver Schwers / 08.11.2018, 06:00 Uhr - Aktualisiert 09.11.2018, 08:55
Angermünde (MOZ) Äußerst unterschiedlich wird der Grumsiner Naturerbewald von Touristen aufgesucht. Das bestätigt eine erste Studie der Universität Würzburg zum Besucherverhalten. Manchmal sind sämtliche Zufahrten zugeparkt. Anderntags herrscht gähnende Leere.

Die stark schwankenden Besucherströme gerade rund um den Angermünder Ortsteil Altkünkendorf waren vor einigen Monaten Ausgangspunkt für das Aufbegehren von Einwohnern, die ihren Frieden in Gefahr sahen. Nicht ausreichende Parkplätze, fehlende Zugänge und überall Autos im Wald sorgten für Ärger.

Auch von unschönen Begegnungen zwischen naturversessenen Gästen und Forstarbeitern wurde berichtet. Jetzt hat die Universität Würzburg das Besucherverhalten zum immer bekannter werdenden Buchenwald Grumsin im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin untersucht. Die Wissenschaftler zählten Wanderer, befragten Tagesgäste und stellten automatische Zähler auf. Bisheriges Ergebnis des Dissertationsprojekts: Die Besucherzahlen schwanken sehr stark. Manchmal sind weniger als

20 Menschen gleichzeitig in dem unter besonderem Schutz stehenden Waldgebiet unterwegs. Zu Spitzenzeiten kommen dafür 130 Leute. Durchschnittlich befinden sich pro Tag 33 Leute auf den Waldpfaden.

Das klingt zunächst nicht viel. Doch gibt es eben große Schwankungen. Wie die zustande kommen, lässt sich bisher nicht genau ermitteln. Vor allem am Wochenende nimmt die Ausflugslust in die Natur zu. Dafür herrscht an bestimmten Brückentagen, an denen mit mehr Touristen gerechnet wird, plötzlich gähnende Leere. Ein Problem für die gezielte Besucherlenkung. Man  dürfe das sensible Gebiet nicht übererschließen, lautet die Warnung der Wissenschaftler. Im Buchenwald Grumsin, der sich in großen Teilen als Wildnis entwickeln soll, solle sich das Erbe widerspiegeln, ohne es kaputt zu machen.

Die meisten Interessenten kommen aus Berlin. 64 Prozent sind das erste Mal dort. Sie reisen in der Regel zu zweit an. Die Hauptgruppe der Tagesausflügler ist im Alter zwischen 45 und 55 Jahren. Wie die Befragungen ergeben, werden sie vor allem über Internet und Medien auf das Welterbe aufmerksam. Gründe ihres Besuchs: Schöne Landschaft, Wildnis, Ausspannen, Ruhebedarf. Obwohl das Reiseziel sich in ausgesuchter Natur befindet, rollen die Gäste fast immer mit dem Auto an. Ein Widerspruch? Die Wissenschaftler untersuchen noch die Hintergründe im Rahmen des Projektes.

Wie wichtig eine gute Ausschilderung ist, zeigen die Antworten der Befragten. Fast alle wünschen sich Wegmarkierungen, ausgewiesene Waldpfade und Hinweistafeln. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass schon Wege mit mehr als vier Leuten als zu voll empfunden werden. Doch es herrscht nicht viel Platz im Welterbewald. Und Besucher dürfen nur ausgewiesene Wege betreten.

Gemeinsam mit dem Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin und den Tourismus-Experten der Region soll die Studie fortgesetzt werden. Denn eine Antwort sind die Wissenschaftler bisher schuldig geblieben: Ob die Erwartungen der Gäste an den Welterbeausflug auch erfüllt wurden.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG