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Der Krimimarathon Berlin-Brandenburg stellt wieder aktuelle Werke vor / Elisabeth Herrmann liest in Frankfurt (Oder) aus ihrem Roman „Stimme der Toten“

Literatur
Ein Fest für Fans literarischer Abgründe

Kommt an die Oder zum Krimimarathon: Autorin Elisabeth Herrmann
Kommt an die Oder zum Krimimarathon: Autorin Elisabeth Herrmann © Foto: dpa/Britta Pedersen
Camillo Kupke / 09.11.2018, 10:45 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Derzeit ist die Mordrate an Oder, Havel und Spree in ungeahnte Höhen gestiegen. Zum Glück geht es nur um literarische Morde, und die (Schreibtisch-)Täter sind meist sehr umgängliche Menschen. Fans publizistischer Abgründe wissen: Es ist Zeit für den Krimimarathon Berlin-Brandenburg. Noch bis 18. November stellen Autoren ihre aktuellen nervenaufreibenden Geschichten vor.

Auch bei der neunten Auflage des Lesefestes sind wieder nationale wie internationale Autoren der Krimiszene an Bord. In rund 60 Veranstaltungen in Bibliotheken, Buchhandlungen, Restaurants und Museen erzählen sie mal auf schauderhafte, mal auf schwarzhumorige Weise von Verbrechen aller Art. Ihre Bücher spielen an außergewöhnlichen Schauplätzen und haben eigenwillige Ermittler. Da trifft Lokalkolorit auf Exotik. Es gibt gruselige und kulinarische, regionale und historische Krimis zu entdecken, aber auch politisch-aktuelle Themen wie etwa der Rechtsextremismus und die Flüchtlingsproblematik werden von den Krimiautoren spannend aufbereitet.

Durchaus dem Genre des Agententhrillers zuzurechnen ist Elisabeth Herrmanns Roman „Stimme der Toten“ (2017), aus dem die in Berlin lebende Autorin am 16. November in Frankfurt (Oder) lesen wird. Er ist nach „Zeugin der Toten“ – 2012 mit dem Deutschen Krimi Preis geehrt – der zweite Band um die Hauptfigur Judith Kepler.

In „Stimme der Toten“ gerät die Putzfrau und Tatortreinigerin in ein internationales Komplott und wird zugleich mit ihrer eigenen Biografie konfrontiert: In einem Berliner Bankhaus ist ein Mann in die Tiefe gestürzt. Unfall? Selbstmord? Judith Kepler entdeckt Hinweise, die Zweifel nähren. Als sie die Polizei informiert, tritt sie eine Lawine los und gerät ins Visier einer Gruppe von Verschwörern, die die Bank hacken wollen. Deren Anführer ist der mächtige wie geheimnisvolle Bastide Larcan, der Judith zur Zusammenarbeit zwingt. Denn er kennt Details aus ihrer Kindheit, die für sie selbst bis heute im Dunklen liegen. Zunehmend keimt in ihr der furchtbare Verdacht, dass Larcan in die Ermordung ihres Vaters, der für die Stasi arbeitete, in den 1980er-Jahren aber aus der DDR fliehen wollte, verstrickt war …

Agenten, Stasi, DDR-Heimerziehung und Identitätswechsel, BKA, Freelancer, die in Waffengeschäften und Geheimdiensten tätig sind, Kalter Krieg im Internet und schließlich auch noch Neonazis – es ist ein komplexes Knäuel, das Elisabeth Herrmann ihren Lesern auf fast 550 Seiten serviert. Doch ihr gelingt es, packend, stimmig und flüssig zu erzählen. Mit atmosphärischer Dichte und gekonnten Dialogen verknüpft sie überzeugend politisch-brisante Themen mit sozialkritischen Zwischentönen.

Wo andere ihren Urlaub genießen, dort siedelt der Fernsehjournalist und Schriftsteller Tim Herden seine Verbrechen an – auf Hiddensee. „Schwarzer Peter“ heißt sein fünfter Regionalkrimi um die beiden eigenwilligen Inselpolizisten Ole Damp und Stefan Rieder, aus dem er am 14. November, 18 Uhr, lesen wird. Der Veranstaltungsort, das Bröhan-Museum für Jugendstil, Art déco und Funktionalismus in Berlin-Charlottenburg, ist passend gewählt. Geht es doch in „Schwarzer Peter“ um den Mord an einem Unternehmer, der eine wertvolle Kunstsammlung hinterlässt, und um einen ebenfalls gewaltsam ins Jenseits beförderten Maler, in dessen Haus die skurrilen Polizisten eine Kunstfälscherwerkstatt entdecken.

Spätestens seit Volker Kutschers Romanreihe um Kommissar Gereon Rath, die im Berlin der späten Weimarer Republik und des Nationalsozialismus spielt, sowie der Verfilmung seines ersten Bandes, „Der nasse Fisch“, als TV-Serie „Berlin Babylon“ stehen historische Berlin-Krimis hoch im Kurs. Auch Gunnar Kunz widmet sich diesem Sujet. Sein Buch „Schwarze Reichswehr“ (2018), das er am 15. November, 19.30 Uhr, in der Buchhandlung am Fellbacher Platz in Berlin-Reinickendorf vorstellt, führt ins Berlin des Jahres 1927. Dort trifft sein Kommissar Gregor Lilienthal im Zuge einer Mordermittlung auf zwielichtige Offiziere und skrupellose Militärärzte, auf Ringvereine und Freikorps, auf Nazigrößen wie Joseph Goebbels und Horst Wessel.

Ein Spezial des Krimimarathons blickt in jene Region Europas, wo nach Meinung vieler Krimifans seit Jahren die beste Spannungslektüre geschrieben wird – in Skandinavien. Dem Festival ist es gelungen, vier der renommiertesten Krimiautoren aus dem hohen Norden nach Berlin zu locken: Gard Sveen (Norwegen), Steffen Jacobsen (Dänemark), Kristina Ohlsson (Schweden) sowie Max Seeck (Finnland). Gemeinsam bestreiten sie am 11. November, 20 Uhr, die Nordische Nacht im Felleshus der Nordischen Botschaften in Berlin-Tiergarten, bei der sie jeweils ihre neuesten Werke vorstellen.

Lesung mit Elisabeth Herrmann, 16.11., 19 Uhr, Stadt- und Regionalbibliothek, Haus 1, Bischofstr. 17, Frankfurt (Oder), Tel. 0335 549853; Krimimarathon Berlin-Brandenburg unter www.krimimarathon.de

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