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Fachkräfte
Ein Land sucht seine Meister

Einer der besten Jungmeister: Sven Schmetzke bekam seinen Meisterbrief von Wolf-Harald Krüger (r.), Präsidenten der Handwerkskammer Frankfurt (Oder) – Region Ostbrandenburg.
Einer der besten Jungmeister: Sven Schmetzke bekam seinen Meisterbrief von Wolf-Harald Krüger (r.), Präsidenten der Handwerkskammer Frankfurt (Oder) – Region Ostbrandenburg. © Foto: Winfried Mausolf
MOZ / 09.11.2018, 16:30 Uhr - Aktualisiert 09.11.2018, 18:02
Frankfurt (Oder) (MOZ) Brandenburgs Handwerk kommt in die Jahre – und sucht die Meister der Zukunft. Etwa ein Viertel der  Betriebsinhaber sind über 55 Jahre alt. Viele Firmenchefs fangen nach Angaben der Handwerkskammern zu spät an, Nachfolger zu suchen. Auf die Schnelle seien dann keine zu finden.

Die Zahlen der Betriebe in Ostbrandenburg und im Süden des Landes sind rückläufig, im Potsdamer Kammerbezirk stabil. Im Bereich der Handwerkskammer Frankfurt (Oder) – Region Ostbrandenburg gab es 2012 fast 12 500 Kammermitglieder, Ende 2017 waren es noch 11 700. Die Handwerkskammer Cottbus zählte 2012 rund 10 300 Kammermitglieder, fünf Jahre später sind es noch 9800. Auch deshalb fördert Brandenburg neue Meister und Betriebschefs.  So gibt es  Zuschüsse zur erfolgreichen Teilnahme  an der Meisterschule, Fördergelder bei Gründung einer eigenen Firma, bei dem Gang in die Selbstständigkeit und der Schaffung von sozialversicherungspflichtigen Jobs beziehungsweise Lehrstellen sowie den „Meisterbonus“.

Der Meisterbrief ist in41 Handwerken Voraussetzung für eine Betriebsgründung beziehungsweise Betriebsübernahme unter eigener Regie. Nach der Aufhebung der Meisterpflicht in 53 Handwerksberufen im Jahr 2004 ist es nach Angaben der Handwerkskammern zwar zu  vielen Neugründungen gekommen, doch seien dadurch kaum zusätzliche Arbeitsplätze oder Lehrstellen geschaffen worden. Gerade für den Berufsnachwuchs hätten sich Meisterbetriebe oft als Garanten einer qualifizierten, soliden Ausbildung erwiesen.

Aufstiegs-BAföG und Zuschüsse: Seit dem 1. August 2016 haben sich die Förderbedingungen für das Aufstiegs-BAföG deutlich verbessert. So werden die Lehrgangs- und Prüfungskosten zu 40 Prozent gefördert. Für den Restbetrag steht ein zinsgünstiges KfW-Darlehen zur Verfügung.

Nach Bestehen der Meisterprüfung werden 40 Prozent des Restdarlehens als „Erfolgsbonus“ erlassen, somit steigt die rückzahlungsfreie Förderung auf 64 Prozent. Der maximale Maßnahmenbeitrag für diese Kosten ist von 10 226 auf 15 000 Euro gestiegen.

Zusätzlich erhalten Geförderte in Vollzeitlehrgängen zum Meister, Fachwirt, Techniker oder Erzieher einen Zuschussbetrag bei der Unterhaltsförderung, der sich von 238 auf 333 Euro erhöhte. Der restliche Förderbetrag bis zum monatlichen Budget von 768 Euro steht als KfW-Darlehen zur Verfügung.

Ein erfolgreicher Meisterabschluss wird seit 2016 stärker belohnt: So gibt es einen Erlass, wenn der neue Meister im Anschluss an die geförderte Fortbildung innerhalb von drei Jahren ein Unternehmen gründet: bis zu 66 Prozent des Darlehens kann so eingespart werden. Einen dritten Zuschuss gibt es für die Materialkosten für die Erstellung des Meisterstücks. Auch dort übernimmt der Staat bis zu 40 Prozent; die Summe ist allerdings bei 2000 Euro gedeckelt.

Meisterbonus: Meisterabsolventen in Brandenburg erhalten einen Meisterbonus in Höhe von 1500 Euro als Anerkennungsprämie, die durch das Ministerium für Wirtschaft und Energie des Landes finanziert wird. Verkündet im April, wurden seit September die ersten Beträge überwiesen.  Den Meisterbonus erhalten alle Absolventen, die ab 1. April 2018 erfolgreich ihre Prüfung bestanden haben und diese vor einem fachlich zuständigen Meisterprüfungsausschuss im Land Brandenburg abgelegt haben sowie zu diesem Zeitpunkt ihren Hauptwohnsitz oder Beschäftigungsort im Land Brandenburg hatten.

Derzeit rechnen die Kammern brandenburgweit mit zirka 450 Jungmeistern, die vor einem der brandenburgischen Meisterprüfungsausschüsse eine Meisterprüfung bestanden haben. Den Bonus beantragen können auch weitere frisch gebackene Meister, die von April bis zum Dezember 2018 ihre Meisterprüfung in anderen Kammern bestehen beziehungsweise bestanden haben, wenn es in Brandenburg keinen fachlich zuständigen Prüfungsausschuss gibt. Voraussetzung: Der Hauptwohnsitz oder die Tätigkeitsstätte bzw. der Beschäftigungsort von diesen Jungmeistern muss sich zum Zeitpunkt der letzten Prüfung in Brandenburg befunden haben. Die Jungmeister können sich an ihre jeweilige Handwerkskammer wenden, um das Geld zu erhalten. Diese nimmt die Anträge entgegen, prüft die Abschlüsse, reicht das Geld aus. Die Anträge für 2018 können bis spätestens Mitte Dezember gestellt werden. Die Handwerkskammern führen Beratungen zur Existenzgründung bzw. Unternehmensnachfolge für die Jungmeister durch. Eine Beratung des Antragsstellers durch die Kammer ist kostenfrei und zwingend erforderlich für die Auszahlung des Meisterbonus.

Meistergründungsprämie für Existenzgründer im Handwerk:

Im November 2015 trat die Meistergründungsprämie in Kraft. Sie wird aus Haushaltsmitteln des Landes vergeben und richtet sich an Handwerksmeister, die erstmalig ein eigenes Unternehmen im Handwerk gründen oder aber einen Betrieb übernehmen. Dabei darf der Abschluss maximal drei Jahre zurückliegen.

In zwei Stufen können Antragssteller bis zu 12 000 Euro erhalten, wenn neben der Gründung auch Arbeits- bzw. Ausbildungsplätze geschaffen werden. Der Antrag zum Erhalt der Meistergründungsprämie ist bei der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) zu stellen. Die drei brandenburgischen Handwerkskammern unterstützen die Antragsteller bei der Vorbereitung und Zusammenstellung aller notwendigen Unterlagen. Interessierte wenden sich vor Antragstellung an ihre zuständige Handwerkskammer.

Ansprechpartner

Handwerkskammer Cottbus

www.hwk-cottbus.de

Handwerkskammer Frankfurt (Oder) – Region Ostbrandenburg; www.weiterbildung-ostbrandenburg.de

Handwerkskammer Potsdam

www.hwk-potsdam.de

Meisterschulen und Bildungszentren

Handwerkskammer Cottbus

Akademie des Handwerks

Altmarkt 1703046 Cottbus

Telefon 0355 7835-0

Handwerkskammer Frankfurt (Oder) – Region Ostbrandenburg

Bildungszentrum der HWK

Spiekerstraße 11

15230 Frankfurt (Oder)

0335 5554-200

Handwerkskammer Potsdam

Gewerbezentrum Götz

Am Mühlenberg 1514550 Groß Kreutz (Havel)

Tel. 033207 34-312

Infos zum

Meisterbonus

hwk-cottbus.de/meisterbonus; hwk-ff.de/meisterbonus;  hwk-potsdam.de/meisterbonus

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