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Brunnenplatz
Antisemitische Hetze beim Gedenken

Eröffnung: „Shoah – wie war es menschlich möglich?“ ist bis zum 30. November im Foyer der Konzerthalle zu sehen. Die Tafeln stammen aus der Museumsabteilung von Yad Vashem.
Eröffnung: „Shoah – wie war es menschlich möglich?“ ist bis zum 30. November im Foyer der Konzerthalle zu sehen. Die Tafeln stammen aus der Museumsabteilung von Yad Vashem. © Foto: Jan-Henrik Hnida
Jan-Henrik Hnida / 09.11.2018, 19:54 Uhr - Aktualisiert 10.11.2018, 10:14
Frankfurt (Oder) (MOZ) Zu einem Zwischenfall kam es am Donnerstagabend bei einer Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht: Am Brunnenplatz rief ein angetrunkener Mann antisemitische Beleidigungen. Später wurde die Ausstellung „Shoa – wie war es menschlich möglich?“ im Konzerthaus eröffnet.

Anlässlich des 80. Jahrestags der Reichspogromnacht versammelten sich am Donnerstagabend zirka 150 Frankfurter zum Gedenken. Als die Gruppe auf Höhe des Brunnenplatzes am Synagogengedenkstein innehielt, kam es zum Zwischenfall: Ein Mann lief vorbei und rief Beleidigungen wie „Scheiß auf die blöden Juden!“ Da Polizisten sowieso zur Absicherung der Veranstaltung vor Ort waren, konnten sie den 41-Jährigen wenig später stellen. Ein Alkoholtest ergab: Der Mann war mit 1,18 Promille  alkoholisiert. „Die Kollegen erteilten ihm einen Platzverweis“, informiert Ingo Heese, Pressesprecher der Polizeidirektion Ost. Gegen den Störenfried laufe nun ein Ermittlungsverfahren wegen Volksverhetzung.

Wenig später wurde in der Konzerthalle Carl-Philipp-Emanuel-Bach die Ausstellung „Shoah – wie war es menschlich möglich?“ eröffnet. Der Gastredner Arik Rav-On, Direktor der Holocaustgedenkstätte Yad Vashem, für den deutschsprachigen Raum, musste wegen eines Trauerfalls absagen. Anwesend war Christian Lange, Staatssekretär beim Bundesministerium der Justiz.

„Frankfurt ist deutschlandweit die erste Station“, sagte der Kurator Peter Sauerbaum über die Wanderausstellung. Der ehemalige Intendant des Brandenburgischen Staatsorchesters stellte vor den gut 30 Besuchern klar, dass zwar erst am Freitag der Gedenktag zum 9. November 1938 sei.

Damit jedoch nicht der religiöse Höhepunkt der Woche – Schabbat – der jüdischen Frankfurter beeinträchtigt werde, fand die Eröffnung bereits am Donnerstagabend statt.  Außerdem beginne laut der Tora bereits der neue Tag am Vorabend. „Die Ausstellung wirbt für sich alleine“, so Sauerbaum. Zum wichtigen Anlass des Erinnerns erziele die Ausstellung eine wichtige Wirkung. „Oh mein Gott“, entfuhr es einer älteren Dame beim Anblick eines Nazi-Plakats. Darauf wird ein Jude als fetter Parasit dargestellt, der die Weltherrschaft an sich reißen will – mit Dollar- und Hammer/Sichelzeichen als Pupillen. „Es ist geschehen, und folglich kann es wieder geschehen: Darin liegt der Kern dessen, was wir zu sagen haben“ – das Zitat von Primo Levi steht warnend am Anfang. Neben den Äußerungen des Auschwitz-Überlebenden stehen am Plakatkopf Zitate jüdischer Betroffener. Darunter sind historische Fotos – Hitlers Aufstieg, Pogromnacht, Polenfeldzug  und das Grauen der Konzentrationslager. „Mein Leben begann am Ende. Zuerst lernte ich den Tod kennen. Und dann – Geburt“, sagte eine Überlebende des Holocausts, mit ihrem Baby auf dem Arm.

Genau diesen Kampf gegen die braunen Schrecken nahm auch Oberbürgermeister René Wilke in seiner anschließenden Rede auf. „Wir können angesichts solcher Gräueltaten den Glauben verlieren. Oder zusammen gegen Rassismus kämpfen.“ Auch Staatssekretär Lange erinnerte an die „dunkelsten Tage der Geschichte unseres Landes“ – der Vernichtung des jüdischen Lebens.

Doch 80 Jahre nach der Pogromnacht müssen heute jüdische Einrichtungen wieder von der Polizei geschützt werden. Jüdische Schüler werden auf offener Straße beleidigt. Lange appellierte, „unsere demokratischen Werte zu verteidigen“.

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