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30 Bodenforum-Teilnehmer der Lietzener Kulturmühle besuchten Komposttoiletten-Versuchsfläche bei Libbenichen

Recycling
Dünger aus der Toilette

Cornelia Link-Adam / 12.11.2018, 21:35 Uhr
Lietzen/Libbenichen (MOZ) Wie funktioniert eine Komposttoilette und was kann man damit machen? Fragen, die am Wochenende bei der Fachtagung „Boden“ in der Lietzener Kulturmühle beleuchtet wurden. Die 30 Teilnehmer besuchten auch das Verwertungs-Versuchsfeld auf dem Birkenhof.

Fünf Liter Trinkwasser werden bei jedem Toilettengang in die Kanalisation gespült und müssen in Klärwerken aufwändig gereinigt werden. Als ökologische Alternative sind Komposttoiletten im Kommen. Das hat die Kulturmühle Lietzen erkannt und lud am Wochenende zum Fachforum „Boden“. 30 Interessierte, die meisten aus Berlin, aber auch Besucher aus dem Oderbruch sowie Falkenhagen und Döbberin, lauschten am Sonnabend Vorträgen mit praktischen Ansatz.

Um die Verwertung ging es am Sonnabend bei der Exkursion zum Birkenhof bei Libbenichen. Auf der Grünschnittanlagestelle gibt es seit Mai ein wissenschaftliches Versuchsfeld, um Feststoffe aus Trocken-Klos zu untersuchen. „Dabei geht es um Wertschöpfung. Im Gegensatz zum Plumsklo, wo alles zusammen gesammelt und entsorgt wird, wird in Trockentoiletten der Urin per Drainage aufgefangen und die Feststoffe mit Einstreu durch Zersetzung zu Dünger umgewandelt“, erklärte Florian Augustin von der Eberswalder Ö-Klo GbR. Er stellten den erstaunten Besuchern, „hier stinkt’s ja gar nicht“, die beiden seit Mai entstandenen riesigen Mieten vor. 40 Tonnen voller Trocken-Kot mit Einstreu, Grünschnitt und Stroh. Die Zersetzung übernehmen Mikrororganismen, dabei entsteht Wärme. „45 Grad“, verkündete Augustin beim Blick in die Miete gesteckte Thermometer.

Überprüft werde die Sammlung bald auf Medikamentenrückstände. Analysiert werde alles in Universitäten in Gießen und Leipzig, so Augustin. Das Material fürs Versuchsfeld komme von Trockentoiletten aus Rüdersdorf, aber auch Potsdam und Berlin und von vielen Festivals, fügte Sven Riesbeck, Chef der Rüdersdorfer Firma Eco-Toiletten, an. Die zersetzten Exkremente sollen als Dünger Gärten angeboten werden. Gespräche gebe es dazu mit Eberswalde, auch dem Theater am Rand in Zollbrücke. Die nutzen schon eine Komposttoilette. In der Kulturstätte will man im März bei einer Tagung auch Politiker für die Fortsetzung des Versuchsfeld-Projektes überzeugen. Weitere gebe es nur in Baden-Württemberg und Eckerförde. „Es wäre schön, wenn wir hier im Oderbruch ähnlich der Energiewende auch die ökologische Wende im Sanitärbereich hinbekämen“, sagte Ariane Krause aus Berlin.

Interessiert waren die Teilnehmer auch am Bau eigener Komposttoiletten. Das plant auch die Lietzener Kulturmühle und bekommt das Material vom Landwirtschaftsministerium gefördert. Von Freitag bis Sonntag gibt es den kostenfreien Workshop.

Anmeldungen  unter Tel. 0172 7931148 oder Tel. 0178 3270094

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