Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Auf dem Biesenthaler Friedhof wird im kommenden Jahr ein Lapidarium eingerichtet

Erinnerungskultur
Ein Ort für historische Grabsteine

Beim Rundgang: Ortschronistin Gertrud Poppe und Bürgermeister Carsten Bruch auf dem Biesenthaler Friedhof: Auch bislang vom Friedhofsgärtner verwahrte Grabsteine sollen hier an einer zentralen Stelle wieder aufgestellt werden.
Beim Rundgang: Ortschronistin Gertrud Poppe und Bürgermeister Carsten Bruch auf dem Biesenthaler Friedhof: Auch bislang vom Friedhofsgärtner verwahrte Grabsteine sollen hier an einer zentralen Stelle wieder aufgestellt werden. © Foto: Sergej Scheibe
Olav Schröder / 15.11.2018, 07:45 Uhr
Biesenthal (MOZ) Auf dem Friedhof in Biesenthal werden unbefestigte und gefährdete Grabsteine, die vom Friedhofsgärtner verwahrt werden, eine besondere Würdigung erfahren. Im kommenden Jahr sollen sie wieder an einem zentralen Ort aufgestellt werden.

Auf der Grundlage eines Beschlusses der Biesennthaler Stadtverordnetenversammlung ist die Errichtung eines sogenannten Lapidariums vorgesehen. Der Begriff steht für eine Sammlung unter anderem von Skulpturen, Objekten aus Stein oder eben auch von Grabsteinen.

Mit dem Beschluss sind insgesamt 25 Grabsteine auf einer Liste als historisch wertvoll und erhaltenswert anerkannt worden. Von diesen wiederum sind 14 unbefestigt und nicht mehr standsicher. Diese 14 Grabsteine werden nunmehr an einer zentralen Sammelstelle auf dem Friedhof wieder zusammengefasst. Vorgesehen ist dafür die Abteilung VII. Dort sollen sie in einer Linie aufrecht aufgestellt werden. Die Grabsteine, die noch standsicher sind, werden dagegen noch an ihrem Standort bleiben. Sollten sie die jährliche Standsicherheitsprüfung jedoch nicht mehr bestehen, dann werden auch sie auf die Sammelstelle umgesetzt. Von einer eventuell späteren Umsetzung ausgenommen sind die großen Grabmale von Otto und Anna Ehrike sowie Lina Bauermeister. Aber auch für sie gilt die Aufnahme auf der Liste historischer Grabsteine.

In die Vorbereitungen für die Einrichtung des Lapidariums ist der Heimatverein einbezogen worden. Nach einer ersten Begehung des Friedhofs im Frühjahr diesen Jahres durch den Bauausschuss wurde der Heimatverein in die Beratung einbezogen. So stammen Texte und historisches Bildmaterial zu den historischen Grabsteinen von Ortschronistin Gertrud Poppe und dem Heimatverein. Von ihm stammen auch zwei ergänzende Vorschläge zu dem Lapidarium.

Der Beschluss wurde von den Biesenthaler Stadtverordneten einhellig getroffen. Für Biesenthals Bürgermeister Carsten Bruch stellt das Lapidarium zugleich einen Beitrag zur Identitätsbildung der Anwohner mit ihrer Stadt und der Geschichte dar. Sinnvoll sei es in diesem Zusammenhang, wenn vor Ort kurze Erklärungen das Vorhaben erläutern, so Bruch.

Die Zuarbeit von Gertrud Poppe und dem Heimatverein umfasst unter anderem Erläuterungen zum Leben  von Superintendent Erich Jaeger und seiner Frau Elly Jaeger. Er wurde 1932 in sein Amt in der Evangelischen Kirche in Biesenthal eingeführt und starb 1967. Wie Gertrud  Poppe berichtet, hatte er während der NS-Zeit vielen Hilfesuchenden geholfen. Nachts sei er mit ihnen bis nach Lobetal gelaufen, in der Hoffnung, dass sie dort vor einer Verhaftung der Gestapo in Sicherheit wa-ren.

Der Grabstein von Walter, Eva und Maria Laas steht zwar noch an seiner ursprünglichen Stelle, die Standsicherheit ist aber nicht mehr gegeben. Walter Laas (1870-1951) war Schiffskonstrukteur. Er war Professor für praktischen Schiffsbau an der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg, an der er 1923 bis 1925 Rektor war. Als die DDR-Regierung in Potsdam die Errichtung einer Binnenwerft plante, nahm sie hierfür ebenfalls die Hilfe von Walter Laas in Anspruch.

An die Schauspielerin Gertrude Viehweg-Langfelder erinnert ein großer Feldstein auf dem Biesenthaler Friedhof. Sie hatte sich 1937 in der Stadt niedergelassen und betrieb am Großen Wukensee eine Pension. Für die Aufstellung der 14 unbefestigten Grabsteine werden Kosten in Höhe von 6500 Euro veranschlagt.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG