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In Schönerlinde hat ein Hund einen Radfahrer gebissen, als dieser verbotenerweise neben der Straße fuhr und die Fußgänger bedrängte

Rücksichtslos
Wenn der Gehweg zur Rennstrecke wird

Ort des Geschehens: Kerstin und Thomas Struck aus Schönerlinde sind mit ihren Hunden Simba (l.) und Nala vor dem Grundstück an der Berliner Allee unterwegs. Obwohl Radfahrer auf dem Weg nicht fahren dürften, kommt es immer wieder zu Problemen.
Ort des Geschehens: Kerstin und Thomas Struck aus Schönerlinde sind mit ihren Hunden Simba (l.) und Nala vor dem Grundstück an der Berliner Allee unterwegs. Obwohl Radfahrer auf dem Weg nicht fahren dürften, kommt es immer wieder zu Problemen. © Foto: Hans Still
Hans Still / 21.11.2018, 20:56 Uhr
Schönerlinde (MOZ) Es ist der tägliche Wahnsinn, den Kerstin und Thomas Struck vor ihrem Grundstück in Schönerlinde erleben. Direkt davor liegt ein zwei Meter breiter Gehweg. Das wäre überhaupt kein Problem, würden nicht ständigRadfahrer auf diesem Gehweg verbotenerweise rasen.

Wenn der Tischler mit dem Fahrzeug von seinem Grundstück auf die Berliner Allee auffahren will, muss er höchst konzentriert zu Werke gehen. Erst vor Wochen stürzte ein Fahrradfahrer vor der Motorhaube seines Pkw, des Radlers Handy zersprang dabei in tausend Teile. „Vielleicht hat er gerade telefoniert oder war sonst wo mit seinen Gedanken, er hat mich jedenfalls zu spät bemerkt und sich dann entschuldigt“, schildert Struck den Unfall. Am sichersten wäre wohl ein Helfer, der zuerst die Situation auf dem Wegweg ausspäht und Zeichen gibt, wenn alles frei ist.

Die Probleme mit den Radfahrern gehören mittlerweile zum Alltag der Familie, die seit 17 Jahren dort wohnt. Thomas Struck beschwerte sich kürzlich im Schönerlinder Ortsbeirat, da auf sämtlichen Gehwegen des Ortsteiles Radfahrer unterwegs sind, obwohl dies oft nicht  gestattet ist.

Die Krönung dieser Misere reicht bereits in den August zurück. Damals spazierte die Familie mit den Kindern und den beiden Hunden Simba und Nala auf dem Gehweg. Von vorn kam ein Radfahrer angerast, der Thomas Struck noch passieren konnte, dann aber ein wenig die Kontrolle verlor und sich der Tochter gefährlich näherte. Diese führte den knapp fünfjährigen Dalmatiner-Rhodesian Ridgeback-Mischling Simba an der Leine. „Weil der Radfahrer dem Mädchen zu nahe kam und dann noch mit einem Fuß in Richtung Hund getreten hat, schnappte unser Simba leicht zu“, beschreibt Struck den Vorfall, der letztlich mit der Polizei geklärt wurde. Der Radfahrer bekam wegen des unerlaubten Fahrens auf dem Gehweg eine Ordnungswidrigkeit attestiert und musste zehn Euro bezahlen. „Danach hat sich der Radfahrer über unsere Versicherung 700 Euro Schmerzensgeld geholt, das kann doch nicht normal sein“, ärgert sich das Ehepaar noch heute. Zum Biss wäre es nie gekommen, hätte der Radfahrer wie vorgeschrieben die Straße benutzt. Zudem wurde besagter Radfahrer seitdem wiederholt mit seinem Rad auf dem Gehweg gesehen. „Ich wollte schon fragen, ob noch weiteres Geld nötig ist“, reagiert Kerstin Struck stocksauer mit Galgenhumor. Denn lustig findet das Paar die rechtlose Verkehrssituation schon lange nicht mehr. „Hier müsste durch die Polizei kontrolliert werden. Denn wir können die Radfahrer ja nicht aufhalten und ihre Personalien abfragen. Und ein Kennzeichen gibt es ja auch nicht“, bekräftigen die beiden.

Zumal der Fall damit keineswegs erledigt war. Zunächst bildeten sich die zur Hilfe gerufenen Polizisten einen Eindruck von den Hunden, speziell von Simba. „Unsere Tochter besitzt den Hundeführerschein, sie hat mit Simba ein zutiefst friedlichen Hund an der Leine, der auch in der Schönerlinder Hundeschule für sein ausgeglichenes Wesen bestens bekannt ist“, schwärmen die Eltern. Zudem habe der Hund nur seine Familie verteidigt und nicht einmal richtig zugeschnappt. Trotzdem bekam die Familie Post vom Ordnungsamt, denn nach dem Hundebiss musste nun geprüft werden, ob Simba etwa aggressiv und gefährlich wäre. Diese Prüfung endete mit einem guten Ergebnis, weder muss Simba ein Maulkorb tragen, noch gab es andere Auflagen. „Was passiert aber beim nächsten Mal“, fragen nun Kerstin und Thomas Struck besorgt. Das Radfahren auf dem Gehweg nimmt in Schönerlinde kein Ende, beklagen die beiden.

Auch der Wandlitzer Ordnungsamtsleiterin Ilka Paulikat ist der Fall bestens bekannt. „Es ist absolut richtig, das Radfahren auf dem Gehweg ist dort verboten. Aber wir haben keine Möglichkeiten, das auszuschildern. Selbst bei Piktogrammen sind uns Grenzen gesetzt“, ging sie kürzlich in der Sitzung des Ordnungsausschusses auf den Fall ein. Wie sie sagte, gebe es an vielen Stellen diese Probleme.

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