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Zwölf Tiere
Lok überrollt Rinder von TV-Köchin Sarah Wiener

Oliver Schwers / 28.11.2018, 20:34 Uhr - Aktualisiert 28.11.2018, 22:30
Kerkow (MOZ) Gleich zwölf Rinder einer ausgebrochenen Herde von TV-Köchin Sarah Wiener sind bei Kerkow von einer Lokomotive erfasst und getötet worden. Der Unfall ereignete sich schon Ende September, ist aber erst jetzt bekannt geworden.

Sollte die Sache nicht an die Öffentlichkeit dringen, weil es sich um Promi-Rinder des Öko-Gutes handelte? Solche Gerüchte verbreiten sich inzwischen im Dorf. Doch der Grund für das Verschweigen ist einfach: Der Presseverantwortliche der Bundespolizei war zu der Zeit im Urlaub. Und so blieb bis jetzt unbeachtet, was sich kurz nach Mitternacht am 29. September ereignet hatte. Im Scheinwerferlicht entdeckte ein Lokführer die dunklen großen Tiere auf den Gleisen, konnte aber nichts mehr ausrichten. Denn an dieser Stelle der Bahnstrecke, gleich hinter einer Kurve, ist Tempo 100 erlaubt. Die Lokomotive, die vom Betriebsbahnhof Stendell kam, raste in die frei auf dem Schotterbett laufende Herde hinein. Die Rinder konnten sich nicht mehr retten. Der Unfall hinterließ ein Bild der Verwüstung. Überall lagen tote Tiere herum, abgetrennte Gliedmaßen, Blut, aufgerissene Körper. Die Lok kam nach Angaben der Bundespolizei rund 100 Meter hinter dem Bahnübergang Kerkow zum Stehen. Der Lokführer blieb unverletzt. Auch an der Maschine gab es nach ersten Begutachtungen nur geringe Schäden.

Die sofort herbeigerufene Bundespolizei der Inspektion Angermünde sicherte die Unfallstelle. Die Bahnlinie musste gesperrt werden. Die Beamten zählten zunächst sechs tote Rinder und erlösten noch vor Ort drei schwer verletzte Tiere von ihrem Leiden. Später stieg die Zahl der getöteten Rinder auf zwölf, wie Gut Kerkow bestätigt.

Aufgrund der schlechten Sichtverhältnisse holte die Bundespolizei in der Nacht einen Hubschrauber, um das Ausmaß des Unfalls zu erkunden. Mit Wärmebildtechnik wurde das gesamte Gelände abgesucht. 21 Feuerwehrleute der Wehren aus Kerkow, Welsow und Görlsdorf eilten an die Bahnstrecke, um zu helfen. Sie leuchteten das Gleisbett aus. Gemeinsam mit Angestellten des Gutes Kerkow trieben sie die unverletzten Tiere in die Stallungen zurück.

Gerufen wurde auch der Notfallmanager der Bahn. Die Strecke musste bis 6.17 Uhr gesperrt bleiben. Dadurch kam es zu Verspätungen bei sechs Zügen mit insgesamt 1050 Minuten. Die Lok konnte allein ihre Fahrt fortsetzen. Die Helfer setzten Landtechnik ein, um die Kadaver von den Gleisen zu heben und abzutransportieren. Das Kreisveterinäramt überwachte die ordnungsgemäße Entsorgung.

Warum die Tiere ausbrachen, ist nicht genau geklärt. Die Herde habe den Weidezaun zu Boden gerissen, wodurch der Elektrozaun außer Betrieb geriet, so die Schilderung von Gut Kerkow. „Einen Grund für das Ausbrechen der Tiere konnten wir nicht feststellen.“ Der Zaun und die Pfähle seien in gutem Zustand gewesen. Zu dieser Einschätzung kam auch die Bundespolizei. Das Tor sei geschlossen gewesen. Die Herde soll über den Bahnübergang auf die Gleise gelangt sein, wie die Spurenlage zeigte. Der Schaden muss nun über die Versicherung abgewickelt werden.

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