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Gremium fordert zügigen Ausbau der Kita-Kapazitäten / Neuer Hort im Brandenburgischen Viertel in Vorbereitung

SOS-Ruf
Integrationsnetzwerk mit Hilferuf

Jüngstes Kind in der Kita-Landschaft: die Einrichtung „Kleeblatt“ an der Spreewaldstraße, im Februar eröffnet. 26 Schützlinge werden dort aktuell betreut, darunter Ahmed (r.).
Jüngstes Kind in der Kita-Landschaft: die Einrichtung „Kleeblatt“ an der Spreewaldstraße, im Februar eröffnet. 26 Schützlinge werden dort aktuell betreut, darunter Ahmed (r.). © Foto: Thomas Burckhardt
Viola Petersson / 03.12.2018, 18:55 Uhr
Eberswalde (MOZ) Mit einem Hilferuf hat sich das Integrationsnetzwerk Barnim an das Parlament gewandt. Es fordert einen „bedarfsgerechten Ausbau“ von Kita-Plätzen, und zwar dringend. Sozialdezernent Jan König ist ob des SOS-Schreibens sehr verwundert.

Zunächst einmal lobt das Inte-grationsnetzwerk Barnim in seinem Schreiben an die Abgeordneten die Stadt Eberswalde. Die Kommune habe nicht nur die höchste Flüchtlings-Aufnahmequote im Landkreis. Auch die Integrationsbemühungen, bezogen auf die Willkommenskultur und die dezentrale Unterbringung in Wohnungen, seien „beispielhaft“. Allerdings: Um eine „langfristige Integration vor Ort zu ermöglichen“, dazu bedürfe es Bildung, der wichtigste Baustein, und einer gut ausgebauten Infrastruktur, inclusive Kindertagesbetreuung als Vorbereitung auf die Schule.

Aufgrund der Unterversorgung der Kinder mit Rechtsanspruch auf einen Platz beschäftige man sich bereits seit mehr als zwei Jahren sehr intensiv mit diesem Thema. Gleichwohl seien noch immer 185 Eltern-Anträge offen. Der größte Bedarf an Kita-Plätzen bestehe im Brandenburgischen Viertel, wo allein 117 Mütter und Väter auf ein Angebot für ihre Schützlinge warten.  Laut Rathaus werden lediglich 38 Flüchtlingskinder (Januar 2018) in einer städtischen Kita betreut, heißt es in dem Brief. Gerade der Nachwuchs mit Fluchterfahrung und Migrationshintergrund aber bräuchte eine Chance auf frühkindliche Bildung, unabhängig von der Arbeitstätigkeit der Eltern. „Die gängige Kitaplatzvergabepraxis wirkt sozial diskriminierend“, kritisiert das Netzwerk.

Die Verfasser erkennen zwar das Ringen der Stadt an, dem Mangel entgegenzuwirken. Aber sie sehen auch eine weiter wachsende Nachfrage. Zum einen aufgrund neuer Wohngebiete, die in der Stadt entstehen, zum anderen aufgrund von Familiennachzügen.   Weshalb das Netzwerk kurzfristige Lösungen fordert – ebenso wie langfristig zusätzliche Einrichtungen, eben um den Platzbedarf zu decken. Eberswaldes Sozialdezernent Jan König reagiert mit großer Verwunderung auf das Schreiben. Nicht nur, da Eberswalde selbst Mitglied im Netzwerk ist. Auch die Art und Weise befremdet ihn.

Die Stadt unternehme große Anstrengungen, um der Nachfrage gerecht zu werden. „Die Auslastung unserer Kitas liegt bei durchschnittlich 95 Prozent.“ Zu den betreuten Kindern gehören 105 Flüchtlingskinder. Neben der Stadt gebe es zahlreiche weitere Träger. Dass Eltern, die einen Job haben oder einen Integrationskurs besuchen, prioritär versorgt werden, genau das ist laut König „Ausdruck unserer sozialen Verantwortung“. Niemand soll seinen Job verlieren, weil er keinen Kita-Platz für den Nachwuchs hat. Gleiches gelte bei Flüchtlingen für Sprachkurse.

Um kurzfristig für Entlastung im Brandenburgischen Viertel zu sorgen, habe man an der Grundschule Schwärzesee eine Hausaufgaben-Betreuung installiert. Stadt, Bildungseinrichtung Buckow und Berufsbildungsverein sichern diese gemeinsam ab. Zudem versuche man, in der Kita „Gestiefelter Kater“ temporär die Hortkapazitäten zu erhöhen. In dieser Altersgruppe gebe es aktuell den größten Bedarf. Deshalb soll an der Havellandstraße 15 ein neuer Hort entstehen.

Mit dem Eigentümer, der Wohnungsbaugenossenschaft Eberswalde-Finow, sei man sich bereits einig. Geplant sei eine Kapazität von perspektivisch 150 Plätzen. Dieser Hort soll dann auch die Kinder aus dem Hort „Kinderinsel“ (an der Schwärzesee-Schule) sowie aus dem „Gestiefelten Kater“ aufnehmen. Die damit freiwerdenden Kapazitäten stehen einerseits der Schule, die dringend Klassenräume braucht, andererseits der Kita zur Verfügung, wo wiederum zusätzliche Krippenplätze geschaffen werden sollen. Sobald mit der WBG die letzten Details geklärt sind, werde die Planung für den erforderlichen Umbau der Havellandstraße beauftragt, so König.  Ferner unterstütze die Stadt selbstverständlich das Bemühen der Bildungseinrichtung Buckow, die Kapazität in der Kita „Kleeblatt“ zu erweitern.

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