Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Neues Wasserrad
Millimeterarbeit an der Boltenmühle

Markus Kluge / 06.12.2018, 18:09 Uhr
Boltenmühle (MOZ) So etwas passiert nur alle paar Jahrzehnte: Die 300 Jahre alte Boltenmühle am Tornowsee hat am Mittwochvormittag ein neues Mühlenrad bekommen – vier Meter im Durchmesser und etwa 1,5 Tonnen schwer.

Die Temperaturen klettern am Mittwochmorgen kaum über den Nullpunkt, und in den Senken der Ruppiner Schweiz ist es noch bitterkalt. Dieter Stolle vom Autokranverleih Fehrbellin AKMS hat da seinen elf Meter langen und tonnenschweren Kran schon über die schmale Straße zur Boltenmühle manövriert. „Die Länge des Krans ist gar nicht das Problem mit der Allradlenkung, aber die Breite“, sagt der Kranfahrer. Immerhin misst sein gelbes Vehikel 2,65 Meter – fast so breit wie die Fahrbahn, die manch ein Autofahrer auch nur mit einem mulmigen Gefühl passiert.

Aber ohne Stolles Hilfe geht es an diesem Vormittag nicht: Das alte Mühlenrad muss durch ein neues ersetzt werden. Im Unterschied zum Gebäude ist es noch gar nicht so alt. „Vielleicht 20 Jahre“, schätzt Stephan Besler, der das dortige Hotel und das Grundstück von Eigentümer Dr. Ulrich Kaatzsch in Schuss hält. Das Rad wurde im Laufe der Jahre zwar mehrfach repariert, das Holz ist aber von der Feuchtigkeit stark angegriffen. Eine dicke grüne Moosschicht überwuchert es bereits. Dabei hat der einstige Mühlenantrieb am Binenbach zwischen Kalk- und Tornowsee heute gar keine Bedeutung mehr. Das Wasserrad dreht sich nur noch zur Show für die Besucher und vervollständigt das historische Ensemble.

Mehrere Wochen lang hat Zimmermann Christian Evert mit Kollegen an dem neuen Wasserrad gebaut, das ein paar Jahre länger halten soll. Der Außenkranz ist aus wasserbeständigem Lärchenholz, der Kern aus stabiler Eiche, die Wasserschaufeln aus Metall. „So etwas baut man nicht alle Tage. Wer baut so etwas überhaupt noch?“, fragt sich Evert. Nicht nur er und seine Kollegen mussten dafür viel Geschick beweisen. Auch Kranführer Stolle leistet Millimeterarbeit. Schließlich ist es an der Mühle eng und es stehen viele Bäume dort. Erst nachdem Stolle seinen Kran gewendet hat, findet er genügend Platz zum Manövrieren. Nach rund 40 Minuten Vorbereitung hebt Stolle langsam das alte Rad aus der Halterung, das plötzlich riesig wirkt, als es am Kran hängt und auf dem Weg abgelegt wird.

Um 10.09 Uhr schwebt das neue Rad ganz langsam der Mühle entgegen. Einige Hotelgäste haben ihre Handys gezückt, um das fliegende Mühlenrad im Bild festzuhalten. Um 10.15 Uhr sitzt es dort, wo es hin muss und lässt sich sogar schon drehen. „Es passt“, freut sich Christian Evert, der Stephan Besler vor Freude in die Arme nimmt. Bevor am Nachmittag der Wasserlauf wieder freigegeben werden und sich das Rad von allein drehen kann, steht vor den Männern noch jede Menge Feinarbeit. „Wir müssen es noch richtig justieren“, so Besler. Nach dem ersten Kraftakt gibt es aber erst einmal in der Morgensonne Kaffee und Bratwürstchen zur Stärkung – das alte Wasserrad dient dabei gut als Tresen.

Wasserrad

■ Die ersten Wasser- oder Mühlenräder wurden bereits im vierten oder dritten Jahrhundert vor Christus erfunden, um die Energie aus Wasserkraft mechanisch zu nutzen.

■ Der Antrieb gewann später bei Ölmühlen, Walkmühlen, Sägemühlen, Hammerwerken, Papiermühlen und Schleifmühlen an Bedeutung,

■ Die Boltenmühle wurde im Jahr 1718 als Sägemühle gegründet. ⇥(kus)

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG