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Schweizer Künstler verlässt Berlin und zieht auf das Land / Umfangreiche Sanierungsarbeiten am Heim

An(ge)kommen
Ein Weltbürger für die Uckermark

In der alten Scheune: Der Schweizer Reto Pulfer (37) in der neuen Werkstatt. Er lebte in Paris, Rom, New York, Kairo und zuletzt in Berlin. Nun hat er ein Haus in der Uckermark gekauft. In Wilmersdorf will er mit seiner Familie eine Existenz aufbauen.
In der alten Scheune: Der Schweizer Reto Pulfer (37) in der neuen Werkstatt. Er lebte in Paris, Rom, New York, Kairo und zuletzt in Berlin. Nun hat er ein Haus in der Uckermark gekauft. In Wilmersdorf will er mit seiner Familie eine Existenz aufbauen. © Foto: Christopher Braemer
Christopher Braemer / 11.12.2018, 14:27 Uhr - Aktualisiert 11.12.2018, 14:45
Angermünde (MOZ) Nach New York, Paris, Rom und Berlin zieht es den Schweizer Reto Pulfer (37) in die Uckermark. Der Künstler kommt mit seiner Familie nach Wilmersdorf bei Angermünde. Im Dorf spricht sich die Ankunft der Pulfers schnell herum. Sie selbst können es kaum erwarten – und planen ihr erstes Weihnachten im neuen Heim.

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In der alten Scheune in der Uckermark riecht es nach Holz und Staub. Um das Licht anzuknipsen, dreht Reto Pulfer – Baumwollpullover, lockiges Haar und jugendliche Gesichtszüge – an einem gut versteckten DDR-Schalter. Die antike Werkbank wirkt aufgeräumt, an der Wand hängen Schere, Hammer und Geweih. „Bis vor kurzem war hier alles zugeräumt“, sagt Pulfer über seine neue Kreativ-Werkstatt in Wilmersdorf bei Angermünde. Der 37-Jährige Schweizer lebte bereits in London, Rom, New York, Paris und Kairo. Für seine Rauminstallationen wurde er mehrfach ausgezeichnet, gewann zuletzt den Schweizer Kunstpreis. Jetzt zieht es ihn in die Uckermark.

„Wir haben nur sporadisch gesucht“, gibt Noch-Berlinerin Barbara Pulfer beim Adventskaffee zu. Es gibt glutenfreie Lebkuchen und Mokka-Espresso, es duftet nach Weihnachtskerzen. Bis eine Freundin, die den Schritt in die Provinz bereits wagte, fragte: „Was ist eigentlich mit euren Landplänen?“, erzählt die Forscherin. Dann stießen sie auf das kleine Paradies in dem 200-Seelendorf in der Uckermark, 15 Minuten mit dem Auto von Angermünde entfernt.„Wir sind überglücklich, wollen uns hier etwas aufbauen, als Künstler will ich draußen arbeiten“, erzählt Reto Pulfer von seinen Plänen.

Von der Hauptstadt in die Uckermark: Die Landflucht ist ein Trend bei Künstlern, bestätigt Reto Pulfer. Ein befreundeter Künstler hat jüngst den Bahnhof in Wilmersdorf gekauft, ein anderer lebt in Eberswalde, die Filmemacherin Lola Randl in Gerswalde, dem „13. Bezirk von Berlin“, wie es heißt. „Viele Freunde, die früher sehr in der Berliner Kunstszene engagierten, sind jetzt hier“, sagt Pulfer.

„Mammaaaaa“, schallen Kinderstimmen aus dem Flur rüber, Conrad (8) Meret (2) und Berenike (5) können ordentlich Stimmung machen. Sechs Zimmer, zwei Küchen, zwei Bäder, Waschküche, Veranda, Terrasse, eine Scheune und Riesengarten bieten viel Raum: Für die Kinder zum Spielen, für den Künstler zum Werkeln, für die Frau zum Forschen und Gärtnern.

Das Haus hat Geschichte. Einst gehörte es Claus Miera, ehemaliger Direktor des Volkseigenen Betriebes (VEB) Wilmersdorf. Nachdem er im August 2017 verstarb, verkaufte die Familie Miera das allein für die Frau zu große Haus an die Berliner.

Angekommen in Brandenburg sind die Pulfers noch nicht. Sie fahren nur am Wochenende heraus, um das Haus einzurichten. Dass es bald zuzug gibt, hat sich bereits herumgesprochen in Wilmersdorf. „Neulich stand ein Riesenblumenstrauß auf der Veranda, mit Grußkarte und Telefonnummer“, sagt Barbara Pulfer. Dahinter stecken die Doppelhaus-Nachbarn, selbst vor Jahren aus Berlin zugezogen. Ein Dorfbewohner und ehemaliger VEB-Mitarbeiter bot über den Zaun rufend seine Hilfe an, der Nachbarssohn lud zum Grillen ein, die Frau von gegenüber organisierte ungefragt Kita-Plätze. „Ich habe ein gutes Gefühl“, freut sich Mama Pulfer. Auch wenn sie sich in Berlin viel aufgebaut habe.

In dem großen Haus gibt es viele Baustellen. Die Werkstatt ist feucht, das Dach leckt, der Garten liegt brach. Und die Wände müssen gedämmt werden - mit Hanf aus der Uckermark, planen die Pulfers. Trotzdem herrscht Aufbruchstimmung. „Die Kinder freuen sich riesig auf das Haus“, sagt Barbara Pulfer. Im Juli, kurz vor dem neuen Schuljahr wollen sie dann endlich einziehen. „Weihnachten wollen sie in der Uckermark verbringen.“ Familie und Freunde sollen kommen.

Für die Pulfers ist die Uckermark nicht nur Berlin-Flucht, sondern die schönste Gegend in Brandenburg. Die Wochenendhaus-Option oder ein Künstlerdorf kamen für sie nicht infrage. „Wir wollen hier leben, mit allem was dazugehört“, ist Reto Pulfer überzeugt. Er will sich auf das Wesentliche konzentrieren, das Haus, der Garten, die Kinder. Und natürlich auf die Kunst. Jetzt kommt aber erstmal Weihnachten.

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