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Auf dem Lebuser Bergrücken lockt eine spannende Reise in die Vergangenheit

Adventsserie
Mit Phantasie die Burg vor Augen

Jörg Kotterba / 19.12.2018, 07:00 Uhr
Freienwalde Reporter verschiedener Lokalredaktionen sind in der Adventszeit markanten Gebäuden und Ansichten auf der Spur. Wir veröffentlichen jeden Tag ein Bilder-Rätsel und verlosen einen Preis. Heute die Auflösung unseres Rätsels aus der Dienstagausgabe – die Nachbildung der Bischofsburg auf dem Lebuser Burgberg.

Der Wind pfeift einem an diesem kalten Dezembertag in Lebus kräftig um die Nase. Am Museum „Haus Lebuser Land“ in Odernähe, in der historischen Altstadt, wo Stadtchronist Manfred Hunger seinen Gast empfängt, ist es noch erträglich. Doch je höher wir den schmalen Weg hinauf zum Lebuser Burgberg stapfen, desto stürmischer wird’s.

Ganz oben, auf dem kleiner Bergrücken, zu dem heute der Turm-, der Schloss- und der Pletschenberg gehören, steht der Betrachter nicht nur in Höhe des Kirchendaches. Sondern vor allem vor der plastischen Nachbildung der Grundrisse der historischen Bischofsburg.

Manfred Hunger berichtet, dass in längst vergangenen Zeiten der Turmberg als Ort der ehemaligen Bischofsresidenz mit ihren Türmen weithin im Lebuser Land sichtbar war. „Die bischöfliche Burganlage wurde etwa ab 1250 als Steinburg errichtet und zu Beginn des 15. Jahrhunderts als Schloss mit Palais, Wirtschaftsgebäuden und Flankierungstürmen ausgebaut“, weiß der Ortschronist.

Und schon nimmt er den Besucher auf eine spannende Reise in die Vergangenheit mit... Bis zur Gründung von Frankfurt (Oder) anno 1253 galt Lebus als unbestrittener Mittelpunkt in dem Landstrich, der bis heute den Namen der kleinen Oderstadt trägt.

Die slawische Burg war seit 1123 Sitz eines dem Erzbischof von Gnesen unterstellten polnischen Bistums. Von hier aus wurde der Übergang über die Oder kontrolliert. Um 1250 gelangte das Land an die askanischen Markgrafen und späteren Kurfürsten von Brandenburg. Bis 1373 war die Burg Bischofssitz.

Dem Berliner Historiker Professor Wilhelm Unverzagt (1892-1971) ist die Wiederentdeckung der Bedeutung des  Burgberges zu verdanken. Unverzagt führte in der Region auch zahlreiche Ausgrabungen an Burgwällen durch, so Ende der 1920er-Jahre in Lossow bei Frankfurt, 1930 an den Reitweiner Wallbergen, später in Kliestow bei Frankfurt und schließlich von 1939 bis 1944 in Lebus.

Dank seiner Ausgrabungs-Ergebnisse konnte die einstige Pracht des Bischofssitzes nachempfunden werden. Doch erst nach der Wende wurde die plastische Nachbildung des Grundrisses der historischen Burg möglich. Im Mai 2014 wurde die beeindruckende Anlage eingeweiht.

„Die Gestaltung des Turmberges als historisches Denkmal war ein wichtiges Ziel der Lebuser Altstadtsanierung“, sagt Manfred Hunger. Seit 1988 steht der gesamte Burgberg unter Schutz. Elf Jahre später begannen dort die Sanierungsarbeiten.

Zum Erstaunen der Fachwelt wurde 2003, nicht weit von den jetzigen Burgumrissen entfernt, der mit mehr als 22 Kilogramm größte Bronzehort  Brandenburgs entdeckt. Und 2012, im Zuge der Entwässerung des Berges, das Fundament des bis dahin unbekannten Bergfrieds. So wird in der deutschsprachigen Burgen-Literatur der unbewohnte Wehrturm einer mittelalterlichen Burg bezeichnet. Das Bauwerk mit einst gut elf Metern Durchmesser könnte nach Experten-Schätzungen zwischen 20 und 30 Meter hoch gewesen sein.

22 Meter ist die Brücke lang, die über einen Graben zum einstigen Vorburgbereich führt. Die Burgmauern selbst wurden als 70 Zentimeter hohe Reliefs aus hochwertigem Cortenstahl nachgebildet, mit Erde gefüllt und begrünt. Cortenstahl – eine spezielle Stahlart, die besonders schöne Patina entwickelt und bei den Lebusern zunächst umstritten war. Wo Stahlreliefs nicht möglich waren, zeigen mit Drahtgitter eingefasste Mauern bzw. sich dunkel abhebende Pflasterstreifen, wo das Palais und andere Mauern standen.

Ein ehemaliger Turm vor der Westseite der Burg wurde ebenfalls mit Cortenstahl ummantelt und abgedeckt. Der Bergfried, inmitten der Platzanlage gelegen, ist mit Vliesen eingepackt und  einem Cortenstahlring eingefasst. Wer Fragen, aber den Stadtchronisten Manfred Hunger nicht in der Nähe hat, der wird durch große Informationstafeln aufgeklärt. Die Texte darauf stammen – na, von wem wohl?

Unter den vielen Lesern, die diesmal richtig getippt haben, wurde Birgit Marggraf aus Falkenhagen als Gewinnerin ausgelost. Der Gewinn liegt in der Lokalredaktion Frankfurt bereit. Ihren Tipp, welches Gebäude wir in dieser Ausgabe suchen, geben Sie bitte heute zwischen 11 und 12 Uhr unter Tel. 03344 414950  oder per E-Mail an freienwalde-red@moz.de ab.

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