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In der Naturparkstadt gibt es gleich mehrere „grüne Baustellen“. Waldumbau und Baumschutzsatzung werden diskutiert.

Stadtökologie
Biesenthal will mehr Grün

Urwüchsiges Grün: Der Wald soll geschützt werden.
Urwüchsiges Grün: Der Wald soll geschützt werden. © Foto: Ralf Hirschberger/dpa
Olav Schröder / 26.12.2018, 19:25 Uhr
Biesenthal (MOZ) Hitze und Trockenheit haben 2018 der Natur in Brandenburg und Berlin zugesetzt. Das Beispiel der Naturparkstadt Biesenthal zeigt, wie umfangreich der Komplex ist. Drei Themen beschäftigten die Stadt vor dem Jahresende: der Waldumbau, die Baumschutzsatzung und das innerstädtische Grün.

Das Forstrevier Hirschfelde weist einen ähnlichen Bestand wie der Biesenthaler Stadtwald auf und eignet sich daher für einen direkten Vergleich. Über das Ergebnis informierte der Biesenthaler Stadtförster Thomas Schulz. Ansichten, die die beiden Waldgebiete noch im belaubten Zustand zeigen, belegen, dass es in Biesenthal wegen einer zu hohen Wildichte viele Wildschäden an den Bäumen gibt . Bei Hirschfelde würden sich dagegen freie von eingezäunten Gebieten im Bewuchs kaum unterscheiden. Dies sei ein Zeichen, dass sich Wild- und Baumbestand im Gleichgewicht befinden. Im Biesenthaler Stadtforst seien in nicht eingezäunten Zonen die Folgen des Verbisses deutlich zu erkennen. Um wieder ein Gleichgewicht herzustellen, komme die Anpassung der festgelegten Abschussquoten für die Jagd in Frage, aber nicht nur. Ziel sei es, den Wald klimastabiler zu machen. So sollten im Zuge des Waldumbaus weiterhin verstärkt Eichen und Buchen in den Kieferbeständen angesiedelt werden, so Thomas Schulz.

Pflanzaktionen der Forst, aber auch des Naturschutzbundes, zum Beispiel gemeinsam mit der Grundschule „Am Pfefferberg“, zeigen, das dies möglich ist. Allerdings ist noch viel zu tun. 13 bis 15 Hektar Wald, so Thomas Schulz sollten jährlich verjüngt werden. Pro Hektar wird dabei mit Kosten in Höhe von 6000 Euro gerechnet. Diese fallen vor allem für die Umzäunung und für Reparaturen an. Immerhin müssten die jungen Pflanzen zehn bis zwölf Jahre geschützt werden, erst dann haben sie eine ausreichende Größe. Auch die Bodenverbesserung geht in die Kostenkalkulation ein.

Aber nicht nur mit dem Waldumbau werden sich die Biesenthaler Stadtverordneten im neuen Jahr beschäftigen. Auch das innerstädtische Grün in der Naturparkstadt ist oft ein Thema. Andreas Jahn (CDU/Pro Danewitz) und Dietrich Sagert (SPD) teilen den Eindruck, dass es in immer weniger Grün in der Stadt gibt. „Es wurde schon zu viel gefällt, der Hinweis auf unsere umliegenden Wälder zieht dabei nicht“, hielt Sagert fest, als es im Bauausschuss noch kurz vor Weihnachten um die beantragte Fällung ausgewachsener Bäume vor einem Wohnblock in der Schützenstraße ging. Einige Mieter hatten sich über die Verschattung ihrer Wohnungen beklagt und von ihrem Vermieter, der Stadt, Abhilfe gefordert. Der Ausschuss folgte schließlich dem Vorschlag von Andreas Jahn, die kommende Vegetationsperiode abzuwarten, um die Bäume im belaubten Zustand zu beobachten und so die Situation besser einschätzen zu können. Möglich sei auch, dass es Mieter gebe, die die Schatten spendenden Bäume nicht missen wollen.  Außerdem, so hieß es, sollte die Stadt gerade bei ihren eigenen Grundstücken auf einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Baumbestand achten. Dies werde auch von privaten Grundstückseigentümern erwartet.

„Wenn man Luftbilder von 1990 betrachtet, war Biesenthal damals deutlich grüner“, hielt Andreas Jahn in der Debatte um die neue Biesenthaler Baumschutzsatzung fest, die zum Jahresende bei lediglich vier Gegenstimmen beschlossen wurde. Unumstritten ist sie dennoch nicht. Ronald Krüger sieht als Anwohner in ihr eine restrektive Verschärfung der bisherigen Regelung. Alle Bäume außer Pappeln seien geschützt, Pflanzenschutzmittel dürften nicht mehr eingesetzt werden. Dabei habe der Landkreis eine ausgezeichnete Satzung. Nach der „Motivation“ der Satzungsänderung fragte Andreas Wilknitz (CDU/Pro Danewitz). Je stärker Fällungen reglementiert würden, desto weinger würdenachgepflanzt, sagt er.

Der Grund sei die Anpassung an die Rechtssprechung, so Andreas Jahn. Es sei das gute Recht jeder Kommune, eigene Regelungen zu treffen. Und die Erfahrung in Biesenthal zeige, dass heute nicht nur enger gebaut, sondern auch viele große Grundstücke frei von Bäumen seien.

Bürgermeister Carsten Bruch (CDU) wies zudem darauf hin, dass nach wie vor kranke und gefährdete Bäume gefällt werden können. Er sprach sich jedoch dafür aus, dass mehr für das Begleitgrün an der Straße getan werden müsse.

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