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Landtagsabgeordnete Margitta Mächtig überrascht Mitarbeiter und Kunden auf ihrer traditionellen Tour zum Jahreswechsel

Feiertagsarbeiter
Silvester in der Tankstelle

Sabine Rakitin / 02.01.2019, 06:30 Uhr
Bernau (MOZ) Bernau.Arbeiten, wenn andere feiern - für eine Reihe von Berufsgruppen gehört das zur Normalität. Doch währendPolizisten, Feuerwehrleute oder Krankenschwestern an Tagen wie Silvester im Fokus der Aufmerksamkeit stehen, gibt es andere, die ihren Dienstnahezuunbemerkt versehen, beispielsweise an Tankstellen.

Auch ihr letztes Jahr als Landtagsabgeordnete läutet Margitta Mächtig (Linke) mit einer Tradition ein, die sie begründete, als sie 2004 erstmals ins Parlament einzog. Sie besucht zum Jahreswechsel Menschen an ihrem Arbeitsplatz und bedankt sich bei ihnen dafür, dass sie zur Stelle sind, wenn andere feiern.

An diesem Silvesterabend ist die Biesenthalerin wieder auf Tour im Barnim. Diesmal steuert sie Tankstellen an. Dass dort Frauen und Männer auch an Sonn- und Feiertagen Schichten schieben, werde kaum zur Kenntnis genommen, bedauert Margitta Mächtig. „Und dabei werden sie gebraucht“, weiß die 62-Jährige nur zu gut, legt sie für ihre Arbeit als Landtagsabgeordnete doch mehrere zehntausend Kilometer im Jahr mit dem Auto zurück. „Ich glaube, ich kenne jede Tankstelle“, sagt sie augenzwinkernd.

Ihre Rundreise beginnt die Politikerin in Joachimsthal. In der Q1-Tankstelle haben gleich drei Mitarbeiter Dienst. Die Jahresinventur steht an. Bis 20 Uhr werden sie damit noch beschäftigt sein. Weiter geht es über Finowfurt nach Eberswalde und dann in den Niederbarnim.

Die Öffnungszeiten der Tankstellen sind höchst unterschiedlich. Die am Kaufland in Eberswalde hat bereits seit 14 Uhr geschlossen, bei Shell an der Britzer Straße ist bis 20 Uhr geöffnet. Rund um die Uhr besetzt sind in erster Linie die Großen der Branche wie Aral.

In der Star-Tankstelle in Bernau hat Denise Koppe Dienst. Die 33-Jährige ist völlig überrascht, als ihr Margitta Mächtig zum Dank für ihre Arbeit eine Piccolo-Flasche Sekt überreicht. „Das ist aber nett“, freut sie sich. Noch bis 21 Uhr dauert ihr Dienst an diesem letzten Abend des Jahres. Dann wird die Mutter zweier Kinder gemeinsam mit ihrem jüngeren Sohn und ihrer Mutter das neue Jahr begrüßen.

In der benachbarten Total-Tankstelle freut sich Gabriele Ewald über den Besuch der Landtagsabgeordneten. Wie ihre Berufskolleginnen erzählt auch sie, dass die Kunden an diesem Abend weniger die Zapfsäulen als vielmehr den Shop ansteuern würden. „Die meisten versorgen sich mit Getränken und Zigaretten“, weiß sie. „Und kleine Geschenke werden auch viel gekauft.“ Gabriele Ewalds Schicht endet um 22 Uhr. Eineinhalb Stunden später mache ihr Mann, Taxifahrer in Bernau, Pause. „Dann stoßen wir aufs neue Jahr an, und um 0.30 Uhr fährt er wieder los“, erzählt sie.

An der Aral-Tankstelle in Werneuchen herrscht reger Andrang. Zigaretten, Alkohol, Energie-drinks sind nachgefragt, erzählt Barbara Rammschüssel, „und Zigarren“, setzt die 56-Jährige hinzu. Wie zur Bestätigung möchte Michael Wiese eine  edel verpackte in einem Röhrchen kaufen. In der Familie sei es Tradition, zum Jahreswechsel Zigarre zu rauchen, erzählt der 31-jährige Berliner.

Barbara Rammschüssel arbeitet Silvester „auf jeden Fall lieber als Neujahr“. „Die Kunden sind freundlicher als sonst und Trinkgeld gibt es auch mehr“, freut sie sich. Die gleichen Erfahrungen hat Madeleine Harnisch an der Tankstelle in Blumberg gemacht. „Die Kunden sind cooler und beim Trinkgeld spendabler“, stellt die 36-Jährige fest. Um 21.30 Uhr wird sie von der Nachtschicht abgelöst. Rund 50 Kilometer muss sie noch fahren, bis sie zuhause in Spreenhagen ankommt. Dort warten ihr Mann und Freunde auf sie - zur Homeparty. Was sich Madeleine Harnisch für 2019 wünscht? „Ich arbeite wirklich gern hier“, beteuert sie. „Aber manche Kunden behandeln uns, als wenn uns ein Stück fehlt. Ich wünsche mir, dass sie uns und unserer Arbeit Respekt entgegen bringen.“

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