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Krebsberatungsstelle Wandlitz bietet umfangreiches Angebot / Finanzierung der Einrichtung dieses Jahr gesichert

Beratung
Von der Diagnose bis zum Hospiz

Krebsberatung: Über die neuen Räume freuen sich nicht nur Verwaltungsassistentin Alexandra de Beer und Psychoonkologien Elvira Muffler (v.l.), sondern auch die Patienten und ihre Angehörigen.
Krebsberatung: Über die neuen Räume freuen sich nicht nur Verwaltungsassistentin Alexandra de Beer und Psychoonkologien Elvira Muffler (v.l.), sondern auch die Patienten und ihre Angehörigen. © Foto: Sergej Scheibe
Kai-Uwe Krakau / 05.01.2019, 06:45 Uhr - Aktualisiert 08.01.2019, 10:43
Wandlitz (MOZ) „Die Arbeit war ehrenamtlich einfach nicht mehr zu leisten“, blickt Elvira Muffler noch einmal ins Jahr 2017 zurück. Damals stand die psychonkologische Beratungsstelle wegen fehlender Finanzierung kurz vor der Schließung. Die Rettung erfolgte schließlich durch den Landkreis Barnim. Er stellte der privaten Krebsberatungsstelle für die Jahre 2018 und 2019 jeweils 50 000 Euro zur Verfügung. „Mit den Mitteln konnten wir Mitarbeiter einstellen und unsere Tätigkeit professionalisieren“, so die Vereinsgründerin. Zuvor sei man auf  Spenden sowie die Zuweisung von Geldauflagen angewiesen gewesen.

Auch um die Räumlichkeiten muss sich das Team inzwischen keine Sorgen mehr machen. Nachdem die Beratungsstelle 2014 in drei Räume ins Obergeschoss des Bahnhofgebäudes  eingezogen war (zu einer symbolischen Miete) wurden diese gekündigt. „Wir waren Zwischennutzer und das ansässige Theater hatte Bedarf angemeldet“, so Muffler. Doch glücklicherweise wurde im Erdgeschoss ein Ladengeschäft frei. Der Eigentümer, die Ostdeutsche Eisenbahn GmbH, hatte ein Herz für die Arbeit der Krebsberatungsstelle und bot ihr einen langjährigen Mietvertrag an. „Und das zu leistbaren Konditionen“, freut sich die Diplom-Sozialpädagogin. Weitere Pluspunkte: Die rund 100 Quadratmeter großen Räume sind barrierefrei zugänglich, außerdem gibt es eigene Toiletten.

„Wir begleiten Patienten und ihre Angehörigen von der Diagnose bis zu einer möglichen palliativen Versorgung in einem Hospiz“, umreißt Manuel Teterra das breite Spektrum des Angebots. Die Mitarbeiter berieten zu Prävention und Früherkennung, informierten zu Fragen rund um die Sozialversicherung und hielten Adressen für ärztliche Zweitmeinungen bereit. Darüber hinaus, so der Psychoonkologe weiter, helfe man bei der psychischen Bewältigung der Krankheit beispielsweise durch Einzel-, Paar- oder auch Familiengespräche.

„Viele Betroffene neigen auch dazu, sich sozial zurückzuziehen“, weiß Elvira Muffler aus Erfahrung. Dem begegnet die Beratungsstelle vor allem mit der Ausweitung des Gruppenangebots. So treffen sich einige Patienten regelmäßig, um künstlerisch tätig zu sein, eine Ärztin bietet Hypnose an und in diesem Jahr ist noch eine Kochgruppe geplant.

Der Bedarf nach einer Krebsberatungsstelle ist weiterhin groß. Bis Ende Oktober gab es rund 500 Kontakte, rund 60 Prozent davon mit Patienten. Die meisten Anfragen gebe es zwar aus den Kreisen Barnim und Uckermark, „wir erhalten aber auch Anrufe aus Rostock und Greifswald“. Der Grund: Es gibt in Deutschland einfach zu wenige entsprechende Angebote: „Die Patienten brauchen aber eine Psychotherapie und das möglichst zeitnah“, ist Muffler überzeugt.

Für dieses Jahr kann die Krebsberatungsstelle in Wandlitz noch mit den  50 000 Euro vom Landkreis Barnim rechnen. Darüber hinaus hoffen Muffler und ihre Kollegen auf die Bundespolitik. Eine Experten-Arbeitsgruppe, eingesetzt vom Bundesministerium für Gesundheit, hat inzwischen eine einheitliche Finanzierung der Krebsberatungsstellen empfohlen. Ferner soll es ein Qualitätssicherungskonzept, das einen Leistungskatalog und eine Zertifizierung umfasst, geben. „Die Regelversorgung könnte mit viel Glück ab dem Jahr 2020 greifen“, ist die Vereinsgründerin optimistisch.

Vor wenigen Tagen hatte die Krebsberatungsstelle mit einem „Tag der offenen Tür“ ihre neuen Räume vorgestellt. „Wir konnten rund 70 Gäste begrüßen“, so Elvira Muffler. Viele von ihnen hätten sich erleichtert gezeigt, dass es diese Einrichtung gibt. Die Kreativgruppe präsentierte ihre Arbeiten und der Schauspieler Andreas Hoppe las als Überraschungsgast aus dem Buch „Der Geist des Falken“ von Gerhard Buzzi.

Informationen: http://www.krebsberatung-berlin-brandenburg.de

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