Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Nabu beklagt Vandalismus
Biberdämme im Schutzgebiet zerstört

Vor Ort: Biberberater Martin Richter-Sinnig zeigte seinen Kindern einen mutwillig zerstörten Biberdamm.
Vor Ort: Biberberater Martin Richter-Sinnig zeigte seinen Kindern einen mutwillig zerstörten Biberdamm. © Foto: Nabu Gransee
Matthias Henke / 07.01.2019, 17:30 Uhr
Oberhavel (MOZ) Zunehmenden Vandalismus gegen Biberdämme beklagt der Nabu-Regionalverband Gransee im Norden Oberhavels. Eine Gefahr sei das insbesondere für den Nachwuchs des Großnagers, so der Verband.

„Wir müssen leider feststellen, dass sich einige unserer Mitmenschen immer feindseliger gegenüber der heimischen Tierwelt verhalten“, so Nabu-Vorstandsmitglied und Biberberater Martin Richter-Sinnig. „In den vergangenen Wochen wurden an gleich mehreren Gewässern zwischen Fürstenberg  und Gransee innerhalb von Schutzgebieten Biberdämme mutwillig zerstört.

Aus jüngerer Zeit seien ihm persönlich drei solcher Vorfälle innerhalb von Schutzgebieten bekannt, ergänzt der zweite Vorsitzende Tilmann Disselhoff. Dazu kommen weitere in der „freien (Agrar)Landschaft“. „Die Dunkelziffer ist aber sicher höher, denn wir bekommen ja auch nicht alles mit. Der jüngste Fall stammt aus dem Naturschutzgebiet Stechlin“, so Disselhoff weiter. Problematisch sei solcher Vandalismus, da dadurch der Wasserspiegel im Biberrevier sinke und die Eingänge zu den Biberburgen freigelegt werden. Dann seien die Jungtiere Räubern schutzlos ausgeliefert. Unverständlicher seien die Aktionen umso mehr, weil sie überwiegend an Stellen festgestellt worden seien, an denen die Anwesenheit der Biber in den Gewässern nicht einmal angrenzende Landnutzungen beeinträchtige, so Richter-Sinnig weiter. „Solche Akte vorsätzlicher Tierquälerei weisen auf eine erhebliche kriminelle Energie hin, das sind keine Kavaliersdelikte“, macht Richter-Sinnig seinem Ärger Luft. Die Vorfälle werden auf jeden Fall zur Anzeige gebracht. In einem Fall seien Tatverdächtige bereits identifiziert worden.

Dass es mitunter Konfliktpotenzial gebe, bestreite der Nabu nicht. Aber:  „Es gibt viele Möglichkeiten für Lösungen, mit denen alle leben können, Landnutzer und Biber. Und wenn es absolut nicht anders geht, kann ein Damm auch mal beseitigt werden, da stellt sich der Nabu nicht quer. Dafür sieht das Gesetz ausreichend Handlungsmöglichkeiten vor – Vandalismus innerhalb von Schutzgebieten gehört aber sicher nicht dazu,“ so Richter-Sinnig.

Die Polizeidirektion Nord bestätigte auf Nachfrage, dass eine Anzeige wegen Beschädigung eines Biberdammes in der Nähe von Menz vorliegt, auch das vom Anzeigenden Tatverdächtige benannt worden seien. „Die Gegenseite konnte noch nicht gehört werden. Die Ermittlungen der Kollegen laufen aber“, so Sprecherin Ariane Feierbach.

Die genauen Lage der betroffenen Biberdämme möchte der Nabu Gransee nicht nennen – um keine Nachahmer zu motivieren, dort auch mal vorbei zu schauen, wie es hieß.

Bauwerke

■ Biber sind für ihre Dammbauten bekannt, mit denen sie Bäche aufstauen und sogar künstliche Teiche anlegen.

■ Der Damm trägt vor allem dazu bei, einen Wasserstand über dem Eingang zum Wohnbau des Bibers und einen sichernden Wasserbereich um die Burg herum zu ermöglichen.

■ Biber können ihren Damm öffnen, um Hochwasser rascher ablaufen zu lassen und ihren Damm so zu schützen.

■ Durch das Aufstauen von Gewässern kommt es zu Überschwemmungen an Gewässerrandbereichen, was zu Konflikten mit Landnutzern, etwa Bauern und Waldbesitzern führen kann. ⇥(mhe)

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG