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Städtische Gebäudewirtschaft will in den nächsten fünf Jahren 1900 Wohnungen umrüsten

Grundversorgung
Fernwärme statt Durchlauferhitzer

Stefan Lötsch / 10.01.2019, 07:00 Uhr
Eisenhüttenstadt (MOZ) Die städtische Gebäudewirtschaft will nun doch rund 1900 ihrer Wohnungen auf Fernwärme umstellen. Bisher hatte das kommunale Unternehmen die hohen Investitionen gescheut. Die Maßnahme soll in den kommenden fünf Jahren realisiert werden.

Im vergangenen Jahr klang es noch anders: Die städtische Gebäudewirtschaft hatte von ihrem Vorhaben Abstand genommen, die Gebäude, wo die Heizungen der Wohnungen noch über einen Gaskessel betrieben wird und das Warmwasser mit einem Elektro-Durchlauferhitzer erzeugt wird, auf Fernwärme umzurüsten. Doch nun soll die Umrüstung doch erfolgen. „Das ist ein ganz großes Thema für die nächsten Jahre“, sagt Oliver Funke, Geschäftsführer der Gebäudewirtschaft (Gewi). 1900 Wohnungen in den Wohnkomplexen I und II sollen in den nächsten fünf Jahren umgestellt werden.

Die Gaskesselanlagen, die nach der Wende eingebaut wurden, haben ihre Lebensdauer erreicht. Aufgrund der Satzung der Stadt Eisenhüttenstadt über die öffentliche Fernwärmversorgung im Fernwärmevorranggebiet scheidet ein Austausch oder eine Erneuerung der Gaskessel aus. Auch sind die Fernwärmekosten inzwischen nicht teurer als Gas und Strom. Das war noch zur Sanierung der Blöcke anders. Damals waren die Stromkosten günstig, weshalb die Entscheidung fiel, die Ofenheizungen durch Gasheizungen zu ersetzen. Oliver Funke erklärt, dass durch Marktpreisänderungen und Konditionsanpassung die Fernwärmepreise nun so sind, dass eine Umrüstung auch für Mieter wirtschaftlich sinnvoll ist.

Nicht nur die höheren Stromkosten machen sich bei der Warmwasseraufbereitung bemerkbar. Oliver Funke verweist auch darauf, dass bei dem jetzigen Modell Empfänger von Harz-IV-Leistungen Nachteile haben. Denn die Stromkosten für den Durchlauferhitzer werden nicht vom Amt übernommen. Darüber hinaus spricht auch viel dafür, dass die Stadtwerke GmbH ihr Fernwärmenetz in Eisenhüttenstadt weiter ausbaut und dadurch effektiver macht, auch wenn auf der anderen Seite dadurch der Gasabsatz zurückgeht. Oliver Funke betont deshalb, dass gemeinsam mit den Stadtwerken ein Konzept erstellt werden soll, wie die Umrüstung realisiert wird.

Auch wenn es gute Argumente dafür gibt, die Heizung und vor allem die Warmwassererzeugung auf Fernwärme umzurüsten, so hat sich nichts an dem Aufwand geändert, den das bedeutet und der die beiden städtischen Unternehmen bisher davor hat zurückschrecken lassen, den Schritt zu gehen. Denn es ist nicht einfach damit getan, dass in den Kellerräumen die Gaskessel durch eine Fernwärmestation ausgetauscht werden. Vielmehr sind erhebliche Bauarbeiten erforderlich, die auch in den Wohnungen stattfinden müssen. Denn bisher gab es aus dem Keller nur ein Leitung für die Heizung. Künftig wird aber eine weitere Leitung für das Warmwasser  benötigt, weshalb in den Wohnungen Baumaßnahmen erforderlich sein werden.

Bis die 1900 Wohnungen umgerüstet sind, werden wohl fünf Jahre ins Land gehen, nicht zuletzt auch, um die finanziellen Mittel dafür bereit zu stellen, prognostiziert Oliver Funke. Begonnen werden soll in diesem Jahr im I. Wohnkomplex und zwar mit dem Block in der Eichendorffstraße 6 bis 11. Danach soll der Eckblock in der Eichendorffstraße 1 bis 5/Karl-Marx-Straße 26 bis 28 umgerüstet werden. Oliver Funke verspricht, dass die Mieter über die erforderlichen Maßnahmen rechtzeitig informiert werden.

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eckhard hensel 10.01.2019 - 15:16:53

Fernwärmepreis günstig - für wen, wann und wo?

Wenn der Mieter seinen Preis für die Fernwärme bezahlt, dann ist in diesem Preis alles enthalten, selbst die sehr hohen Kosten der Ablesung. Dieser Fernwärmepreis ist immer noch nicht günstiger als der Gaspreis. Ein Umstieg von Gas auf Fernwärme rechnet sich meist nicht, da die Betriebskosten (Preis pro KW/h) höher sind. +++ In Eisenhüttenstadt wird seit vielen Jahren ein Monopol für Fernwärme errichtet. Dieses Monopol wäre für die Stadt und vor allem für ihre Bürger ein Segen, wenn es denn das Ziel - niedrige Fernwärmepreise - anstreben würde. Leider wurden in der Vergangenheit aus den Gewinnen der Stadtwerke hohe Summen für die Stadt entnommen, um deren klamme Kasse aufzufüllen - nichts mit günstigen Fernwärmepreisen und schon gar nicht für Strom, bei dem am 01.01.2019 kräftig zugelangt wurde. +++ Der Mieter und Bürger sollte sich nicht täuschen lassen über eine günstige Fernwärme. Einen Überblick hier +++ https://www.reimundpenzler.de/preiswerte-fernwärme/preisentwicklung-der-fernwärme/ +++ So erhöht man hier und da, bis es passt und man sein Monopol erreicht hat. Tipp: Der Vermieter muss bei einer Umstellung der Heizungsart seit 2013 dem Mieter nachweisen, dass es für den Mieter kostenneutral wird! +++ Fernwärme: willkürlicher Monopolmissbrauch? --- https://www.daserste.de/information/wirtschaft-boerse/plusminus/fernwaerme-leitung-heizung-kosten-100.html

Werner Matzat 10.01.2019 - 14:10:22

Ein weiterer Brennpunkt: Fernwärme - wird ein Monopol missbraucht? - Geht es da noch mit rechten Dingen zu?

Wende in der Diskussion um die Umstellung auf Fernwärme, für 1900 Wohnungen, bei der städtischen Gebäudewirtschaft. Gemäß Information der Märkischen Oderzeitung nimmt die Eisenhüttenstädter Gebäudewirtschaft Abstand von vergangenen Plänen, bei der Umrüstung auf Fernwärme. Diese Information fiel in Eisenhüttenstadt auf fruchtbaren Boden und veranlasste das Gremium, von seiner bisherigen Linie abzuweichen. Offenbar erscheint der erneute Sinneswandel lukrativer für die Unternehmen auszufallen, was aber offensichtlich zum Nachteil der Mieter ausfällt. Dazu: Ohnmächtige Bürger und extreme Preissprünge: Fernwärme schürt Unmut in Deutschland. Denn weil deutschlandweite Netze fehlen, erhalten die Versorger vor Ort eine Monopolposition – und drücken die Kosten nach oben. | mehr unter 29.11.2017 Quelle: http://www.daserste.de/information/wirtschaft-boerse/plusminus/index.html --- zur weiteren Information mehr unter Quelle: http://www.daserste.de/information/wirtschaft-boerse/plusminus/fernwaerme-leitung-heizung-kosten-100.html --- Dabei gibt es §29 im Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen GWB. Der verbietet Energie - Unternehmen eine marktbeherrschende Stellung missbräuchlich auszunutzen. Doch das gilt seltsamerweise nur für Strom und Gas. Kein Wunder: unter den Mitgliedern des Verbandes finden sich viele deutsche Stadtwerke. Deren Chefs sind in der Regel die Stadtoberhäupter, und denen wollen die Parteikollegen in Berlin wohl nicht das Geschäft vermiesen. Der Verband feiert das mit den Worten, "ist es dem AGFW gelungen, die Politik davon zu überzeugen" sowie als "erneuter Etappensieg für die Branche." Nicht nur beim Sanierungspfusch, durch unsere Wohnungsunternehmen, sind die Mieter nicht zufrieden. Der Brennpunkt Fernwärme schürt nicht nur Unmut in Deutschland, beim Kunden, sondern auch in Eisenhüttenstadt. Was veranlasste den Sinneswandel der maßgeblichen Persönlichkeiten und Gremien, in Eisenhüttenstadt, im Bezug zur Umstellung auf Fernwärme? Als Eisenhüttenstädter Mieter habe ich mich über diesen Sinneswandel gewundert warum Oliver Funke, Geschäftsführer der Gebäudewirtschaft, (Gewi) vom Gegner zum Befürworter der Fernwärme wurde. Natürlich mache ich mir auch weiter Gedanken darüber, was den "armen Kerl" zu seinem Sinneswandel veranlasst haben könnte. Nun hätte man ja gerne gewusst, was den Vermieter, die Stadtwerke und unsere Rathausspitze zum großen Sinneswandel veranlasst hat. Was heißt das für uns in Eisenhüttenstadt? Was heißt das für den Mieter? Wo bleibt die Bürgernähe insbesondere in Bezug auf die Rolle der Sozialpartner bei der Gestaltung einer modernen Mieten - Preis - politik? Und so ist auf den ersten Blick klar, dass dies Profitstreben ist und mit unserer Wirklichkeit nicht viel zu tun hat. Handeln sie in dieser Stadt immer noch nach der altbekannten Devise: Unsere Gier ist gut, unsere Gier ist richtig, unsere Gier ist gesund - des Mieters Geld schläft nicht? Mit der Konsequenz, dass Eisenhüttenstadt nicht weit entfernt ist von den katastrophalen Zuständen auf dem Wohnungsmarkt deutscher Großstädte für preiswerten und angemessenen Wohnraum für alle. Es ist wirklich erstaunlich - am Ende bleibt wie immer, für die betroffenen Mieter, nur Staunen und Spekulation.

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