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Psychisch Kranker
Aus Mangel an Beweisen nur eine Geldstrafe

Eine von vielen unaufgeklärten Taten: Der Beschuldigte soll in der Nachbarschaft unter anderem dieses Auto beschädigt haben.
Eine von vielen unaufgeklärten Taten: Der Beschuldigte soll in der Nachbarschaft unter anderem dieses Auto beschädigt haben. © Foto: Mathias Hausding/MOZ
Mathias Hausding / 10.01.2019, 21:35 Uhr - Aktualisiert 11.01.2019, 09:57
Frankfurt (Oder) (MOZ) Er hat in der Nachbarschaft Angst und Schrecken verbreitet und mehrere Menschen verletzt. Auch ist er einschlägig vorbestraft und gilt als gefährlich. Trotzdem kam ein psychisch kranker Mann aus Tauche (Oder-Spree) nun vor Gericht mit einer Geldstrafe davon.

Es war der Neujahrstag 2018. Seit Wochen hatte sich die Lage rund um das Reihenhaus in Tauche immer mehr zugespitzt. Nachbarn beschuldigten einen unter paranoider Schizophrenie leidenden Mann, dass er unter anderem mit selbstgebastelten Bomben einen Briefkasten und ein Auto gesprengt, mit einem Schraubenzieher eine Katze getötet und immer wieder Bedrohungen ausgesprochen habe.

Die Polizei sei stets gekommen, habe es aber zum Verdruss der Nachbarn nicht einmal für nötig gehalten, den Bombenanschlägen nachzugehen. Am Silvestertag gab es die ersten körperlichen Auseinandersetzungen. Für zwei dieser Taten, einen Tritt gegen die Brust eines Nachbarn und das Schubsen einer Nachbarin, verurteilte das Landgericht Frankfurt (Oder) den 34-jährigen Angreifer am Donnerstag zu einer Geldstrafe in Höhe von 1125 Euro.

Am Neujahrsabend schließlich eskalierte die Situation. Der zu Besuch weilende Verwandte einer Nachbarin wurde von dem 34-Jährigen mit einem Schlagstock niedergestreckt, und zwar hinter dem Haus, wo der Angeklagte gerade in einem Schuppen Kraftsport machte.

Was hatte der Besucher dort verloren? Laut Anklagebehörde wollte er für seine Verwandte aus deren Schuppen einen Stromprüfer holen und wurde dabei von dem 34-Jährigen angegriffen. Doch die Kammer hält die Aussagen der Nachbarn für widersprüchlich. Denkbar sei auch, dass das spätere Opfer den Mann wegen den bisherigen Attacken zur Rede stellen wollte und der dann in Notwehr seinem Gegenüber die Schädel- und Gesichtsfrakturen zufügte.

Welche Version stimmt, konnte im Verfahren nicht geklärt werden, auch weil Tatwerkzeuge nicht ordentlich ausgewertet worden waren. So ist zum Beispiel unklar, welchem der beiden Männer eine aufgefundene Schreckschusspistole gehörte. Die Polizei vor Ort hatte es versäumt, darüber Erkenntnisse zu sammeln und die Waffe auf Spuren zu untersuchen. So wurde der Beschuldigte am Donnerstag vom Hauptvorwurf freigesprochen. Zur angestrebten Unterbringung des von einem Gutachter als nach wie vor gefährlich eingestuften Mannes in einer geschlossenen Einrichtung kommt es nicht. Jene zwei Taten, für die er verurteilt wurde, hatte er laut Gutachter nicht im Zustand der Krankheit verübt. Also ist er dafür wie ein gesunder Täter zu bestrafen.

Die letzte kleine Panne in diesem an Merkwürdigkeiten reichen Fall leistete sich die Kammer in ihrer Urteilsbegründung. Die Vorsitzende Barbara Sattler nannte ein falsches Datum. Der Angeklagte wurde nicht am 14. November 2018 sondern am 5. Dezember mangels Tatverdachts aus dem Haftkrankenhaus entlassen. Das ist wichtig, denn der Mann hat Anspruch auf Entschädigung für die Zeit des Freiheitsentzugs seit Mitte März. Der Fehler, von der Verteidigung moniert und von der Kammer eingeräumt, war nicht auf die Schnelle zu heilen. Er müsse Beschwerde einlegen, erklärte die Vorsitzende dem Anwalt.

Die Staatsanwaltschaft erklärte, dass man auch die Haupttat für erwiesen und den Angeklagten für gefährlich halte. Deshalb prüfe man Rechtsmittel gegen die Entscheidung des Landgerichts.

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