Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Wirtschaftliche Schieflage
Sorge um letzten Frankfurter Solarmodul-Hersteller wächst

Astroenergy in Frankfurt (Oder)
Astroenergy in Frankfurt (Oder) © Foto: Gerrit Freitag/MOZ
Thomas Gutke / 11.11.2018, 08:35 Uhr - Aktualisiert 11.01.2019, 11:32
Frankfurt (Oder) (MOZ) Die Anzeichen für eine größere Schieflage beim letzten Solarmodulhersteller in Frankfurt verdichten sich. Für Freitagnachmittag hat die Geschäftsführung der Astronergy Solarmodule GmbH die Beschäftigten nach MOZ-Informationen zu einer Versammlung einbestellt. Das Unternehmen wollte sich auf Nachfrage nicht dazu äußern, was der Belegschaft dann mitgeteilt werden soll. Eine Unternehmenssprecherin bestätigte lediglich, dass Gespräche mit Arbeitnehmervertretern geplant seien, und versuchte zu beruhigen: „Der Fortbestand des Unternehmens ist nicht gefährdet. Weitergehende Spekulationen möchten wir nicht kommentieren“, erklärte die Sprecherin.

Unter Mitarbeitern ist allerdings bereits von einer Teilschließung und Ausgliederung der Produktion die Rede. Viele fürchten demnach eine größere Entlassungswelle. Zurzeit sind nach Unternehmensangaben 230 Mitarbeiter in dem Werk beschäftigt, die meisten davon in der Produktion. Peter Ernsdorf, Bevollmächtigter der IG Metall Ostbrandenburg, erklärte, dass die Zukunft von Astronergy letztlich vom Wohlwollen des Mutterkonzerns, der Chint-Gruppe aus China, abhänge. „Die Arbeitgeberseite wartet selbst auf Nachrichten aus China. Es sind viele Szenarien denkbar.“

Seit Anfang September die EU die Importzölle für Solarmodule aus China auslaufen ließ, steht auch das Frankfurter Unternehmen massiv unter Druck. Durch den Wegfall der Mindestimportpreise kam es zu einem Preisrutsch auf dem Markt, die Zahl der Aufträge brach ein. Aus diesem Grund hatten sich die Geschäftsführung und der Betriebsrat im September auf vorübergehende Kurzarbeit geeinigt. Das Unternehmen sprach damals von einer „temporären Nachfrageschwäche“.

Tatsächlich hat sich die Auftragslage „seit dem Wegfall der Anti-Dumping-Maßnahmen bis jetzt nicht verbessert“, bestätigte Astronergy. Ob die Aufträge noch für gerade mal zwei Wochen Arbeit reichen, wie der rbb am Dienstag berichtete, ließ die Sprecherin offen. Sie bestätigte indes, dass die Kurzarbeit „in Absprache mit dem Betriebsrat“ vorzeitig beendet worden sei. Nach Gewerkschaftsangaben sei das gekürzte und bereits aufgestockte Entgelt für die Beschäftigten nicht mehr tragbar gewesen, weil es teils unter dem Existenzminimum gelegen habe.

Auch im Frankfurter Rathaus ist die Nervosität aufgrund der angespannten Lage bei Astronergy groß. „Seit geraumer Zeit beobachten wir mit wachsender Sorge die veränderten Marktbedingungen in der Solarbranche und deren Auswirkungen auf den Frankfurter Standort, weil davon viele Arbeitsplätze bei uns abhängen“, erklärt der Wirtschaftsbeigeordnete Claus Junghanns (CDU). Der Respekt vor der schwierigen Lage des Unternehmens „und den berechtigten Sorgen der Mitarbeiter“ verbiete jedoch eine weitergehende Kommentierung der gegenwärtigen Lage zu diesem Zeitpunkt. Man befinde sich in Gesprächen mit der Geschäftsführung von Astronergy, so Junghanns.

Bis vor sechs Jahren arbeiteten zeitweise 2000 Menschen in Frankfurt in der Solarbranche. Nach dem Aus von Odersun und First Solar im Jahr 2012 blieb nur Conergy übrig. Nach der Insolvenz 2013 wurde das Werk vom chinesischen Hersteller Astronergy übernommen. Das Unternehmen fertigt kristalline Solarmodule. Die fünf Produktionslinien haben eine Gesamtkapazität von 350 Megawatt.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG