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Polizei deckt in Küstrin Cannabis-Plantage auf / Pflanzen und Drogen im Schwarzmarktwert von einer halben Million Euro beschlagnahmt

Aufgedeckt
Polnischer Grenzschützer an Rauschgifthandel beteiligt

Dietrich Schröder / 12.01.2019, 09:00 Uhr
Kostrzyn/Küstrin (MOZ) Das Video, welches die polnische Polizei von ihrer Aktion ins Internet gestellt hat, ist martialisch: Mehr als ein Dutzend mit Maschinengewehren ausgerüstete Angehörige einer Spezialeinheit dringen nachts in zwei Wohnungen im Grenzort Kostrzyn und zwei weitere im nahe gelegenen Dabroszyn (Tamsel) ein. Um die Verdächtigen zu überrumpeln, schlagen sie Scheiben einer Terrassentür ein und geben sogar Warnschüsse in die Luft ab.

„Die Aktion wurde monatelang von den Kriminalisten vorbereitet“, erläutert der Sprecher der Polizei in Gorzów, Marcin Maludy. Vier Männer im Alter von 35 bis 46 Jahren, die im dringenden Verdacht stehen, bereits seit Jahren Rauschgift produziert zu haben, wurden vor wenigen Tagen verhaftet.

Das Pikante daran: Einer der Männer soll Beamter beim polnischen Grenzschutz sein, ein zweiter das Familienmitglied eines früheren Polizisten.

Bei der Aktion wurde auch eine Halle durchsucht, in der mehr als 300 Hanfpflanzen (Cannabis) wie in einem Gewächshaus gedeihen. „Sie ist professionell mit Beleuchtung, Bewässerung und Belüftung ausgerüstet, die Anlage dürfte rund eine Viertel Million Zloty kosten“, schätzt die Polizei. Außerdem wurden 30 Kilo getrocknete Hanfblätter und mehr als 400 Töpfe entdeckt, aus denen die Pflanzen schon abgeerntet und wahrscheinlich zu Marihuana verarbeitet wurden. In der Wohnung eines der Verhafteten wurde ein halbe Kilo Rauschgift sichergestellt. Alles zusammen soll einen Schwarzmarktwert von umgerechnet einer halben Million Euro haben.

Ob das Rauschgift auch nach Deutschland verkauft wurde, ist derzeit noch unklar. Fakt ist jedoch, dass zahlreiche deutsche Dealer und Konsumenten sich im Nachbarland Stoff besorgen. Im jüngsten Lagebericht des Bundeskriminalamtes zur Rauschgiftkriminalität heißt es, dass unter den rund 11 000 nichtdeutschen Tatverdächtigen, die im Jahr 2017 festgestellt wurden, polnische Staatsangehörige die zweitgrößte Gruppe hinter Türken bildeten. Ein zunehmendes Problem ist auch der Versandhandel von Cannabis über das Internet.

In Polen ist medizinisches Cannabis seit Ende 2017 in speziell dafür zertifizierten Apotheken legal erhältlich. Allerdings ist die Gruppe derer, die es bekommen, vom Gesetzgeber klar eingeschränkt worden: Cannabisprodukte werden auf Rezept eines Arztes ausschließlich an chronisch kranke Menschen abgegeben, die etwa an Multipler Sklerose oder an den Nebenwirkungen einer Chemotherapie leiden.

Wegen der Beteiligung eines Grenzschützers an der Küstriner Bande übernahmen die polnische Generalstaatsanwaltschaft in Warschau sowie die Polizeiabteilung zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität im ostpolnischen Rzeszow die Ermittlungen Ein Richter verhängte gegen alle vier Tatverdächtigen eine dreimonatige Untersuchungshaft. Gegen zwei von ihnen lautet der Vorwurf auf organisierte Kriminalität.

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