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Eigentümer der Unglücksmaschine hält Notlandung für unwahrscheinlich / Kein Hinweis auf technische Probleme

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Spurensuche nach dem tödlichen Flugzeug-Absturz

Absturzstelle: Wie das zwischen Grunow und Prädikow auf einem Feld nahe dem Sophienfließ abgestürzte Geschäftsflugzeug einmal aussah, lässt sich kaum erahnen. Die Trümmer seien etwa 200 Meter im Umkreis auf dem Gelände verteilt gewesen, hieß es von Märkische Schweiz-Amtsbrandmeister Burghard Miesterfeld.
Absturzstelle: Wie das zwischen Grunow und Prädikow auf einem Feld nahe dem Sophienfließ abgestürzte Geschäftsflugzeug einmal aussah, lässt sich kaum erahnen. Die Trümmer seien etwa 200 Meter im Umkreis auf dem Gelände verteilt gewesen, hieß es von Märkische Schweiz-Amtsbrandmeister Burghard Miesterfeld. © Foto: dpa/Jörg Carstensen
Jens Sell, Doris Steinkraus / 14.01.2019, 09:00 Uhr - Aktualisiert 14.01.2019, 10:50
Strausberg (MOZ) Mit einem zweimotorigen Flugzeug sind Notlandungen selten, weil man mit einem Triebwerk meist noch den nächsten Flugplatz erreichen kann. Zum Flugzeugunglück vom Sonnabend haben möglicherweise die ungünstigen Wetterbedingungen beigetragen. Die Ursachen müssen die Zuständigen klären.

Angesichts der ungünstigen Wetterprognose für den Sonnabend hatten der Privatpilot und sein Prüfer den Flug am Freitag schon abgesagt. „Kurz vor Dienstschluss änderten sie aber ihre Meinung und haben die Partenavia P68B aus unserem Bestand doch für den Sonnabendvormittag gechartert“, berichtet der sichtlich betroffene Inhaber des Luftfahrtunternehmens Aerotours, Michael Hanke, dieser Zeitung. Er hatte die zweimotorige Maschine einem Hallenser Privatpiloten verchartert, der mit einem erfahrenen Prüfer an Bord seine Fluglizenz für zweimotorige Flugzeuge verlängern wollte.

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Hanke holte am Sonnabendvormittag die Webcam des Flugplatzes auf den Schirm und sah seine Partenavia vor der Halle stehen. Er rief den Prüfer auf dem Handy an, um ihn zu fragen, ob alles gut vorbereitet sei. Doch liefen offensichtlich schon die Triebwerke, sodass er den Prüfer nicht mehr erreichte. „Doch als ich sah, dass er losrollte, ging ich davon aus, dass alles in Ordnung war“, so Hanke.

Die Partenavia war technisch auf aktuellem Stand, die Triebwerke voriges Jahr erneuert. Alle Navigationsgeräte für Instrumentenflug, GPS waren o. k. Der erfahrene Prüfer habe mit Sicherheit die Maschine gecheckt, Probelauf durchgeführt und das Wetter als ausreichend eingeschätzt, sagt Michael Hanke. Zumal bei einer Prüfung besonders exakt und sorgfältig alle vorgeschriebenen Schritte abgearbeitet und nachgewiesen werden.

Wie man im Flightradar sehen kann, sind Prüfer und Prüfling planmäßig gestartet, an der Oder war die Maschine auf 5000 Fuß (1800 Meter). Zum vorgeschriebenen Prüfungsprogramm gehören Vollkreise und andere Übungen wie auch simulierte Einmotorenflüge. Da fährt der Prüfer überraschend das Gas eines Triebwerks zurück, um die Reaktionen des Prüflings in solchen Situationen richtig einschätzen zu können. Das diene auch zur Auffrischung dieser Fähigkeiten. Auch Langsamflug in sicherer Höhe gehört zu dem Programm, das sie wahrscheinlich absolviert hatten, denn sie näherten sich nach einer knappen Stunde wieder dem Flugplatz.

Bei einem Flugzeugabsturz zwischen Prädikow und Grunow gab es zwei Tote
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Michael Hanke bekräftigt, dass das Flugzeug auch mit einem Triebwerk noch in der Lage ist, seine Höhe zu halten und sogar noch zu steigen. Eine Notlandung käme höchstens bei Treibstoffmangel in Frage. Doch die Maschine war mit 400 Litern Flugbenzin aufgetankt und hatte erst rund 60 Liter verbraucht.

Technische Unregelmäßigkeiten lagen offensichtlich nicht vor, denn im Anflug auf den Strausberger Flugplatz hatten sich die Piloten nach dem Wetter auf dem Platz erkundigt und keinen derartigen Hinweis gegeben. Direkt acht Kilometer in verlängerter Linie vor der Landebahn stürzte das Flugzeug ab. Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen muss jetzt ermitteln, warum.

Geschockt reagierten die Mitarbeiter des Flugplatzes Neuhardenberg auf das tragische Unglück. Die Piloten hatten sich an diesem Tag für Trainingsanflüge auf dem Neuhardenberger Flugplatz angemeldet. Sie testeten mehrmals das Starten und Landen. Das Team vor Ort sicherte die Betreuung und Beobachtung. „Alles lief reibungslos“, versicherte Flugplatzmanager Uwe Hädicke. Es hätten sich auch keinerlei mögliche technische Probleme am Kleinflugzeug gezeigt. „Die Besatzung hatte sich bei unserer Flugleitung ordnungsgemäß abgemeldet.  Dass es wenige Minuten später zu diesem tragischen Unglück kam, macht uns alle sehr betroffen.“

Feuerwehrleute als Beleuchter und Abschlepper

Ohne Unterstützung der Freiwilligen Feuerwehren an der Absturzstelle des Flugzeugs nahe dem Oberbarnimer Ortsteil Grunow-Ernsthof hätten die erforderlichen Arbeiten kaum so schnell aufgenommen und abgesichert werden können.

Prötzeler Feuerwehrleute waren nicht nur als Erste am Unfallort, gefolgt von denen aus Grunow-Ernsthof. Gemeinsam mit den später einbezogenen Wehren aus Buckow, Garzau und Rehfelde sowie dem Feuerwehrtechnischen Zentrum (FTZ) sorgten sie dafür, dass Polizei, Kriminaltechnikern und Flugunfall-Experten immer genügend Licht für ihre weiteren Untersuchungen zur Verfügung stand.

Darüber hinaus organisierten die Feuerwehrleute über ihre Netzwerke aus dem privaten Bereich zwei Traktoren, die den An- und später den Abtransport mehrerer Fahrzeuge sicherstellten. „Selbst mit Allradantrieb hatten Fahrzeuge in dem Modder Schwierigkeiten“, sagte Grunows Ortswehrführer Ralf Hanne dieser Zeitung.

Abgeschleppt werden musste so nicht wenige Fahrzeuge, denn neben beteiligten Wehren, FTZ und SEG-Versorgungstruppe der DLRG Hennickendorf, die Nudeln Bolognese und heiße Getränke anbot, mussten andere Behörden ja ebenfalls das Gelände erreichen, ohne stecken zu bleiben. So seien auch die Fachleute von der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung aus Braunschweig, Gutachter der Staatsanwaltschaft aus Dresden und Erfurt oder die Vertreter eines extra für solche Einsatzfälle zertifizierten Bestattungsinstituts aus Bad Freienwalde sicher angelangt, berichtete Burghard Miesterfeld, Amtsbrandmeister Märkische Schweiz.

Er selbst weilte zum Zeitpunkt der Alarmierung um 11.58 Uhr gerade beim Neujahrsempfang der Stadt Buckow. Daniel Plätzsch habe aber sofort die Einsatzleitung übernommen und nötige Schritte eingeleitet, äußerte sich Miesterfeld anerkennend über das Agieren seines jungen Stellvertreters – so wie er den Einsatz aller Kameraden lobte. Dem hatte Kreisbrandmeister Sebastian Nestroy nichts hinzuzusetzen. ⇥(rj)

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