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Kultur
Handgespieltes und ein Musikautomat

Ruth Buder / 14.01.2019, 06:00 Uhr
Beeskow (MOZ) Ein volles Haus,  am Schluss viel Applaus und zwei Zugaben für die drei Akteure: Das Konzert „Jazz meets Musikmuseum“  auf der Burg Beeskow war ein sehr gelungenes Experiment.

Noch am Abend zuvor, als der Förderverein des Musikmuseums eine Versammlung abhielt, waren die Bedenken groß, dass das Konzert schlecht besucht werden würde. Aber Bürgermeister Frank Steffen, Vorsitzender des Vereins, wurde zu seiner großen Freude eines besseren belehrt. Für die rund 70 Besucher mussten noch Stühle geholt werden, dann konnte es losgehen. Das Kuriosum dieses Abends: Nur zwei Musiker waren anwesend, aber drei waren zu hören. Klarinettist Jürgen Kupke spielte zwischen zwei Klavieren. An dem einen bedient Hannes Zerbe exzellent die Tasten, an dem anderen bewegen sie sich von wie von Geisterhand.

In dem selbstspielenden Piano muss Wolfgang Haas, Mitarbeiter des Musikmuseums, immer wieder die Rolleneinspielungen von mehr oder weniger bekannten Pianisten wechseln. Unter anderem sind der Militärmarsch von Franz Schubert zu hören, den die Pianistin Ethel Leginska  1914 ins das mechanische System einspielte. Oder „Summertime“ von George Gershwin, eine Aufnahme etwa aus der gleichen Zeit des Pianisten Adam Carol. Auf diese unsichtbaren Kollegen müssen sich die beiden anwesenden Musiker einstellen und gegebenenfalls improvisieren. „Das ist nicht ganz einfach“, kommentiert Hannes Zerbe. „Die Unsichtbaren sind unbarmherzig, warten auch nicht. Aber wir geben unser Bestes.“ Dass sie das taten, daran gab es keinen Zweifel.

Hannes Zerbe und Jürgen Kupke sind seit mehr als 30 Jahren ein eingespieltes Jazzmusiker-Duo. Dass sie auch anders können, bewiesen sie an diesem Abend, denn den Zuhörern wurde ein angenehmes Potpourri der verschiedensten Musikrichtungen geboten – von  zu Herzen gehenden Schnulzen wie  „Schöner Gigolo“, über Walzer, Tango (es durfte getanzt werden) bis hin zu Charleston.

Den gab Wolfgang  Haas an einem  selbst spielenden Pianola zu Gehör, in dem er - mangels Elektromotor - mit den Füßen den nötigen Unterdruck für die Wiedergabe der Einspielung erzeugte. Auch als die unsichtbaren Pianisten Pause hatten, legten sich Zerbe und Kupke mächtig ins Zeug, spielten unter anderem Kompositionen von Hanns Eisler und eigene Stücke. Wenn Jürgen Kupke mit seiner Klarinette seine Soli hinlegte, nahm er vorsichtshalber die Brille ab, die hätte er wegen des gewagten Körpereinsatzes sicher verloren. Einmal ging er sogar zu Boden.

Die Zuschauer dankten allen drei Akteuren nach gut einer Stunde mit anhaltendem Applaus, zwei Mal mussten sie Zugaben abliefern. „Wir haben zwar schon zu Stummfilmen gespielt“, sagt Hannes Zerbe. „Aber so etwas wie heute noch nicht. Und lange proben konnten wir auch nicht.“ Auch Wolfgang Haas, der schon im Musikmuseum arbeitete, als es noch in Monschau bei Aachen angesiedelt war, kann sich an eine derartige Konstellation nicht erinnern. Die Idee dazu hatte im Übrigen der Leiter des Kreis-Kulturamtes Arnold Bischinger. Sein Kommentar am Schluss: „Großartig!“

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