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Offene Schreibwerkstatt der Uckermärkischen Literaturgesellschaft / Jeder zehnte Mensch textet für sich allein

Literatur
Durchs Schlüsselloch geschaut

Oliver Schwers / 14.01.2019, 06:30 Uhr
Angermünde (MOZ) Jeder kann vortragen, texten oder zuhören: Bei der Schreibwerkstatt der Uckermärkischen Literaturgesellschaft in Angermünde treffen sich freie Autoren aus dem gesamten Landkreis zum Gedankenaustausch. Sie lernen voneinander und miteinander.

Der Geist des bis heute berühmten Schriftstellers Ehm Welk scheint die Uckermark nicht verlassen zu haben: Groben Schätzungen zufolge sitzen mindestens zehn Prozent der Menschen daheim und verfassen oft ungehört eigene Texte, Gedichte oder sogar Bücher. Nur die wenigsten von ihnen trauen sich damit in die Öffentlichkeit oder lassen es drucken. „Es muss auch gar nicht alles veröffentlicht werden“, sagt Marianne Beise von der Uckermärkischen Literaturgesellschaft. „Es ist ganz gut, wenn man für sich allein schreibt. Wenn man allerdings etwas zu sagen hat, dann sollte man sich schon einmischen.“

Vielleicht macht das Eckhard Kolle aus Biesenbrow. Der frühere Chef des Landkulturvereins und einer der Wächter über Ehm Welks literarisches Erbe in dessen Geburtsort wurde bei einer dem Roman nachempfundenen Heidenwanderung gefragt, ob er nicht selbst schreiben wolle. Kolle dachte lange darüber nach. „Es gibt so viele interessante Menschen in Biesenbrow“, erzählt er bei der Schreibwerkstatt im Angermünder Haus der Generationen. „Das ist der Stoff, aus dem man etwas machen kann.“ Sein Rentnerleben könne ihm dazu verhelfen, etwas zustande zu bringen.

Beate Blahy aus Steinhöfel hat schon etwas in der Tasche. Gedruckt. Ein Kranichbuch. Die Naturschützerin befasst sich seit Jahren mit dem Leben der gefiederten Begleiter. In ihren Texten wird die präzise Beobachterin sichtbar, die mit Spannung aus dem Tierreich berichtet. Sie ist neu in der Runde. „Wir haben alle Autoren angeschrieben, die irgendwann einmal seit 2012 einen Text einreichten“, so Marianne Beise. Wer möchte, kann vortragen, sich Hilfe holen.

Carmen Winter vom Verband deutscher Schriftsteller Brandenburg leitet die Runde der Autoren. Sie lässt den Stift zur Hand nehmen und genau fünf Minuten ohne Unterbrechung alle spontanen Gedanken auf ein Blatt Papier bringen. Automatisches Schreiben genannt. Titel: „Schlüsselloch“. Das ist das Jahresthema der Literaturgesellschaft. Es bezieht sich auf das gerade im Bau befindliche Ehm Welk- und Heimatmuseum in Angermünde.

Die Ergebnisse aus fünf Minuten Spontanität sind so erstaunlich wie verschieden: Einer erzählt von Kindheitserinnerungen zu Weihnachten, ein anderer von vergessenen Schlüsseln. Ein Dritter von dem Lichtstrahl, der durchs Schlüsselloch fällt. Die Übung solle man täglich daheim machen, rät Carmen Winter.

Schon seit vielen Jahren befasst sich Astrid Eschner aus Grünheide mit dem Schreiben. Wer sie kennt, der weiß, dass sie mit jeder Zeile hart ins Gericht geht. Die Einsamkeit ihres winzigen Dorfes hilft ihr. Eigentlich kommt sie aus der Großstadt. Was sich in der Seele angespeichert hatte, musste irgendwann raus, sagt die Autorin.

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