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Hamburgerin Mona Harry gewinnt ersten Frankfurter „Poetry Slam“ des Jahres im fast ausverkauften Kleist Forum

Poetry Slam
Poeten-Kampf vor vollem Haus

Finalrunde: Moderator Ken Yamomoto (links) lässt das Publikum entscheiden, ob Mona Harry aus Hamburg oder der Berliner Piet Weber den Poetry Slam gewinnen soll.
Finalrunde: Moderator Ken Yamomoto (links) lässt das Publikum entscheiden, ob Mona Harry aus Hamburg oder der Berliner Piet Weber den Poetry Slam gewinnen soll. © Foto: Stefanie Ender
Stefanie Ender / 14.01.2019, 07:00 Uhr - Aktualisiert 15.01.2019, 07:54
Frankfurt (Oder) ( ) Mit einem Text über Brüste begeisterte Poetry Slammerin Mona Harry. Sie gewann den Dichterwettstreit, der am Sonnabend im fast ausverkauften Frankfurter Kleist Forum ausgetragen wurde. Insgesamt fünf Poeten trugen witzige, satirische und nachdenkliche Stücke vor.

„Ich freue mich außerordentlich über so viel Besuch“, läutete der aus Berlin angereiste Moderator Ken Yamomoto den Abend ein. Tatsächlich gab es nur noch wenige freie Stühle im großen Saal des Veranstaltungshauses. Die letzten Kurzentschlossenen standen kurz vor 20 Uhr noch vor der Abendkasse Schlange, um einen der letzten freien Plätze zu ergattern.

An diesem Sonnabend ging es im Kleist Forum um Literatur. Genauer gesagt, um einen Wettbewerb, bei dem Lyrik und Prosa vorgetragen werden. Rap und anderer Sprechgesang ist ebenso erlaubt. Etwa zehn Minuten hatten die teilnehmenden Wortakrobaten in der ersten Runde, um mit zwei selbst geschriebenen Texten und ohne Requisiten eine gute Bewertung zu bekommen. „Das Ganze ist aber nur ein Spiel. Eigentlich kann Kunst nicht bewertet werden“, erklärte Moderator Yamomoto, während er fünf freiwillige Juroren aus dem Publikum aussuchte. Die durften jeden Slammer mit null bis zehn Punkten benoten.

Auf der Bühne standen Poeten aus ganz Deutschland. Jakob Schwerdtfeger aus Frankfurt am Main erbeutet sich einige Lacher aus dem Publikum mit einem Stück über Anzug tragende Männer in Büros. Er zog den Schönheitswahn um Frauen durch den Kakao. Die Hamburgerin Mona Harry folgte ihm mit einem Text über Vorurteile. Rhythmisch vorgetragen, spielte sie mit verschiedenen Sprechgeschwindigkeiten und zeigte, im Takt des Vortrags bleibend, mit ihrer Hand den symbolischen Griff in eine Schublade. Das Publikum applaudierte und pfiff. Die Stücke von Rebecca Heims aus Bochum handelten von falscher Höflichkeit, unnatürlichen Menschen und sprachen über Zuhören und Aufmerksam-sein. Ihr Appell: sei so, wie du bist. Auch sie erntete pfeifende Begeisterung aus dem Saal, dessen Plätze mit Menschen aus allen Altersklassen besetzt waren.

„Ich war neugierig, was ein Poetry Slam ist. Vor vielen Jahren habe ich ein Video darüber im Internet gesehen“, meinte die 63-jährige Kerstin Jentsch in der Halbzeitpause. Gemeinsam mit ihrer Nichte Madlen Flug (40) war sie begeistert von ihrem ersten Besuch bei einem Poetry Slam. Auch die drei 15-jährigen Schüler Hanna Döring, Leopold Schmidt und Maxie Kulbas waren zum ersten Mal dabei. „Unsere Deutschlehrerin hat uns hiervon erzählt“, erklärten sie und freuten sich, dass genau jene Lehrerin als freiwilliges Jurymitglied an diesem Abend mitwirkte.

Nach der Pause gab es Humor aus dem Buch des Lesebühnenautors Piet Weber. Eine Zuhörerin krümmte sich vor Lachen. Ihre Nachbarin hielt sich während des Stücks „Liebesbrief“ den Bauch. Der Berliner verstand Humor und Gesellschaftskritik mit keinem Wort zu viel auf den Punkt zu bringen. Als letzter stellte sich Hannes Maaß aus Hamburg vor. Seine teils schwermütigen Stücke, gepickt mit nordisch trockenem Humor, steigerten sich in markanten Sprechgesang und mündeten letztlich in Selbstironie.

In das Finale dieses Abends wurden schließlich Piet Weber und Mona Harry gewählt. Das Konzept des Hamburger Labels „Kampf der Künste“, das diese Reihe von Poetry Slams veranstaltet, sieht vor, dass die Texte der Endrunde lediglich durch Applaus bewertet werden. Keine Jurynummern. Keine Abstimmungen. Und so setzte sich Mona Harry durch, mit ihrem Text über Brüste, ungesunde Schönheitsideale und dem weiblichen Zwang, Männern immer gefallen zu wollen. Piet Webers Stück „Spieleabend“, das über Monopoly spielen spricht, aber eigentlich gesellschaftskritisch unter anderem von Gentrifizierung erzählt, belegte den zweiten Platz.

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