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Trebnitzer Schlossgespräch zu Chancen des ländlichen Raumes / Beispiele für bürgerlichen Enthusiasmus

Zukunftsorte
Wertschöpfung ist möglich

Diskussion um Zukunftsorte: Thomas Dönnebrink, Grit Körmer, Timo Kaphengst und Moderator Darius Müller (v.l.).
Diskussion um Zukunftsorte: Thomas Dönnebrink, Grit Körmer, Timo Kaphengst und Moderator Darius Müller (v.l.). © Foto: Doris Steinkraus/MOZ
Doris Steinkraus / 14.01.2019, 07:30 Uhr - Aktualisiert 15.01.2019, 07:31
Trebnitz (MOZ) Um Wertschöpfungsketten im ländlichen Raum drehte sich alles beim ersten Schlossgespräch des neuen Jahres. Die Chancen liegen in Nischenproduktionen und auch in der Kreativität von Zuzüglern, wurde am Freitagabend in der Alten Schmiede deutlich.

Es sind mittlerweile 45 Erwachsene und 25 Kinder, die als Genossenschaft dem alten Gutshof in Prädikow neues Leben einhauchen wollen. 70 Prozent der Akteure – allesamt aus Berlin – sehen sowohl ihren Arbeits- als auch Lebensort künftig auf dem Lande. 13 lange leer stehende Gebäude sollen aufgemöbelt werden – als Wohnungen, Werkstätten und Kreativräume. Und dann sei doch noch die Dorfscheune, erzählt Thomas Dönnebrink vom Netzwerk Zukunftsorte. Sie präge nicht nur den Eingang zum Hof, sondern soll künftig noch viel stärker auch Treff für alle aus dem Ort werden. Erste Feste habe es bereits gegeben, erzählt Dönnebrink. Die Ideen der Neu-Prädikower gehen bis hin zu einer Kita.

„Solche Projekte sind ein echter Gewinn für den ländlichen Raum“, sieht es Grit Körmer, Geschäftsführerin der LAG Märkische Seen. Das Regionalmanagement unterstützt die Prädikower, erhofft sich selbst Lernerfahrungen, wie etwas von außen in ein Dorf Hineingetragenes entwickelt werden kann. Die Hofgemeinschaft will auch digitale Arbeitsplätze schaffen, einen Hofladen aufbauen, die Werkstätten als Dienstleistungsangebote für jedermann öffnen. „Damit bliebe Wertschöpfung vor Ort“, sieht Grit Körmer einen wichtigen Aspekt. Trebnitz sei bereits ein Beispiel solcher Wertschöpfungsketten. Das Bildungs- und Begegnungszentrum sowie weitere Einrichtungen auf dem Schloss-Areal würden für Arbeitsplätze sorgen. Der Dorfladen biete Produkte von Unternehmen aus der Region.

Timo Kaphengst von der Regionalwert AG Berlin-Brandenburg erzählt von Bürgeraktien. Die Aktionäre setzen dabei nicht auf Gewinne, sondern auf die Entwicklung einer Wertschöpfungskette vom Acker bis zum Teller. Sie unterstützen Biobauern, sich anschließende Verarbeitungsbetriebe – etwa Molkereien, Brauereien oder Bäckereien – und schließlich die Vermarktung, zum Beispiel Hofläden oder Gaststätten. „Es gibt viele Ideen und auch einen großen Bedarf vor allem aus Städten“, versichert Kaphengst. Das Problem: Oft seien es eben kleine Firmen, deren Finanzdecke sehr kurz ist. Die Regionalwert prüft und unterstützt. Nicht als Darlehensgeber, sondern durch Unternehmensbeteiligung. Grit Körmer nennt das Beispiel Reichenow mit dem Gutshof. Dort habe sich zwar nicht durch die Regionalwert AG, aber Dank starker Anfangsförderung viel entwickelt. Davon profitiere heute das gesamte Dorf. Es sind Konzepte, die nicht flächendeckend in jedem Dorf greifen können oder sollen, so das Fazit der abendliche Runde. „Es braucht auch ein gesundes Maß Naivität der Akteure, um sich solchen Abenteuern zu stellen“, bekennt Thomas Dönnebrink. Würde man am Anfang wissen, welche Hindernisse kommen können – von Denkmalschutz über Umweltauflagen bis hin zur Finanzierung –, würde vieles gar nicht starten.

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