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In Altberesinchen herrscht viel Leerstand, doch Gewerbetreibende und Initiativen geben den Stadtteil nicht auf

Stadtteil
Ideen für einen lebendigeren Kiez

Lisa Mahlke / 14.01.2019, 07:30 Uhr
Frankfurt (MOZ) Das Altstadtfest ist erst einmal Geschichte, der Leerstand in dem Stadtteil ist groß. Ein Projekt der Stiftung SPI will nun ergründen, wo im Kiez der Schuh drückt.Bei den Gewerbetreibenden schwankt die Stimmung zwischen Resignation und Aufbruch.

Ein Frankfurter setzt sich zu zwei anderen an den Tisch. Frank Nagel zapft ohne Worte ein Bier für ihn. Man kennt sich eben im Königs Fritze. Der nächste betritt die Kneipe, klopft auf die Theke – so macht man das hier, wenn ein unbekanntes Gesicht unter den Gästen ist. Geschäftsführer Nagel bezeichnet den Treffpunkt der Stammkunden als „Familienkneipe“. Laufkundschaft gebe es wenig. Blickt er aus dem Fenster auf den Dresdener Platz, fällt auf: „Es gibt zu viel Leerstand.“ Dabei steigen dort täglich etliche Menschen in vier Straßenbahnlinien und den Bus um. Um dieses Publikum zu motivieren, hat er den Vorschlag, dort einen Wochenmarkt zu etablieren.

Manuela Schülke-Krolik, Vorstandsvorsitzende vom Interessenverband Beresinchen, fände das aufgrund der Straßenbahnen viel zu gefährlich. Sie könnte sich eher einen Markt auf dem Leipziger Platz vorstellen. Ihre Idee wäre, Schrebergärtnern eine Verkaufsfläche für ihr Gemüse zu bieten. Ihr Mann Michael Jacob unterstreicht, dass viele Gewerbetreibende in der jüngeren Vergangenheit kaum mehr Interesse am Altstadtfest gezeigt hätten. Vor einem Jahr kündigte Veranstalter Nico Druss das Ende des traditionellen Festes an. Die Kosten, vor allem durch die Musikgesellschaft Gema, waren zu hoch. Im Oktober hat der Betreiber der Bewirtung 1900 zudem sein Lokal geschlossen.

Nachfolger für Geschäfte fehlten in ganz Frankfurt; viele würden nicht für genügend Werbung sorgen, so Schülke-Krolik. Den Grund für den Leerstand im Kiez sieht sie unter anderem im Wegzug; die Kaufkraft fehle. Frank Nagel ist sich sicher, dass man mit den Eigentümern statt nur mit der Hausverwaltung über dieses Thema sprechen müsste.

Genau dort setzt Anja Millow an. Sie koordiniert das in Trägerschaft der Stiftung SPI befindliche Projekt „Kiezkönner“. In den kommenden Wochen beginnt sie, Interviews mit Anwohnern und Gewerbetreibenden zu führen, um herauszufinden, „wo der Schuh drückt“. Außerdem baut sie eine Datenbank auf, mit Kontaktdaten der Hauseigentümer, deren Ladenflächen leerstehen. In drei Jahren Projektzeit sollen Arbeitsgemeinschaften entstehen, die danach eigenständig im Kiez arbeiten.

Über Hauseigentümer ärgert sich Sonja Schönherr nicht. Die Familie hatte das Gebäude, in dem der Nähmaschinen-Laden seit Anfang der 90er Jahre ist, gekauft. Das Geschäft gibt es seit Ende der 40er Jahre in Beresinchen – und die Kreativnische boomt wieder. Noch länger im Kiez ist „Spielwaren und Kinderwagen Kluge“. Das Geschäft von Jochen Bethke, gegründet 1877, brachten seine Eltern und Großeltern Ende des Zweiten Weltkriegs nach Beresinchen. Die Bäckerei Jannusch ist seit 1961 in dem Stadtteil. Viele Kunden greifen heutzutage lieber zum Tiefkühlbrötchen. „Wir haben aber das Glück, Stammkundschaft zu haben“, sagt Matthias Jannusch. Zu DDR-Zeiten habe sich die Bäckerei einen guten Ruf erarbeitet.

Ganz neu im Kiez ist das am Wochenende eröffnete „Bulle und Bär“ im ehemaligen „Broilereck“. Der Probebetrieb im Dezember lief sehr gut, sagt Patrycja Myszk, die das Lokal als Gesellschafterin gemeinsam mit „Specktakel“-Geschäftsführer Ingo Bössert betreibt. Als positiv im Kiez bewerten Manuela Schülke-Krolik und Michael Jacob nicht nur diese Neueröffnung, sondern auch das Lichterfest und die frisch renovierten Häuser in Altberesinchen. „Es geht vorwärts“, so Jacob.

Kiezkönner-Sprechzeit Mi. und Do., 13.30 - 18.30 Uhr, Große Müllroser Str. 32 (Büro der Werbung Haag), Tel. 0176 63167290

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