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Kommunikation bei Stress
Ärzte und Pfleger trainieren den Notfall im OP

Freuen sich über die neue Trainingsmöglichkeit für das Team der Anästhesie: Oberarzt Sebastian Griebner, Chefärztin Dr. Julika Schön und Oberarzt Marco Hübner im OP mit der Simulationspuppe, mit der vielfältige Szenarien nachgeahmt werden können. Gesucht wird noch ein knackiger Name für den künstlichen Patienten.
Freuen sich über die neue Trainingsmöglichkeit für das Team der Anästhesie: Oberarzt Sebastian Griebner, Chefärztin Dr. Julika Schön und Oberarzt Marco Hübner im OP mit der Simulationspuppe, mit der vielfältige Szenarien nachgeahmt werden können. Gesucht wird noch ein knackiger Name für den künstlichen Patienten. © Foto: Anja Rütenik
Anja Rütenik / 14.01.2019, 14:30 Uhr
Neuruppin Wenn bei einer Operation Komplikationen auftreten, müssen Ärzte oft in Sekundenschnelle Entscheidungen treffen. Dafür ist eine gute Kommunikation im Team wichtig. Mit einem Simulationstraining können Ärzte und Pfleger der Ruppiner Kliniken dies nun üben.

Ein 87-jähriger Mann, der an einem Magengeschwür leidet, kommt mit Verdacht auf Blutungen ins Krankenhaus. Dort nimmt ein Internist sofort eine Magenspiegelung vor, um eine sichere Diagnose stellen zu können. Doch während der Untersuchung geht es dem Patienten plötzlich schlechter: Die Sauerstoffsättigung im Blut sinkt gefährlich ab.

Diesem Szenario sahen sich am Sonnabend rund 20 Narkoseärzte sowie Anästhesie- und Intensivpflegekräfte der Ruppiner Kliniken ausgesetzt. Nur dass auf der OP-Liege kein echter Patient, sondern eine Simulationspuppe lag. Sie soll helfen, bestimmte Vorgänge und den Umgang mit Stresssituationen zu trainieren. Das Ziel: Die Sicherheit für die Patienten erhöhen.

Initiiert hat das Training der Anästhesist Marco Hübner gemeinsam mit seinen Kollegen. Bisher fanden die Simulationstrainings in Berlin oder Potsdam statt. In einer fremden Umgebung sei die Situation aber eine ganz andere, berichtet Chefärztin Dr. Julika Schön. Sie freut sich sehr, dass ihr Team nun die Möglichkeit hat, in den eigenen OP-Sälen zu trainieren.

Rund 12 000 Euro hat die Simulationspuppe gekostet. Sie ahmt Vitalfunktionen wie Puls oder Blutdruck nach und kann über Zugänge mit Infusionen versorgt werden. Gesteuert wird die Puppe aus dem Regieraum über ein sogenanntes SimPad. Dort sitzt an diesem Sonnabend Oberarzt Marco Hübner. Per Knopfdruck kann er die Herzfrequenz des künstlichen Patienten verlangsamen oder, wie im Fall der simulierten Magenspiegelung, die Sauerstoffsättigung senken.

Im OP schlägt der Überwachungsmonitor Alarm. Anästhesist Sebastian Griebner, der gemeinsam mit  Marco Hübner eine Instruktorenausbildung absolviert hat, und die Rolle des Internisten übernommen hat, ruft Hilfe. Die Anästhesisten und Intensivpflegekräfte müssen nun auf die Komplikation reagieren und sich durchsetzen – und das, obwohl Marco Griebner ihnen die Arbeit erschwert, indem er darauf drängt, die Endoskopie fortzusetzen. Letztlich aber setzen sich die Trainingsteilnehmer durch und entscheiden, den Patienten, der offenbar während der Untersuchung Erbrochenes eingeatmet hat, auf die Intensivstation zu verlegen.

Währenddessen macht sich Marco Hübner im Regieraum, wo er über Video und Lautsprecher das Geschehen im OP verfolgen kann, Notizen. Wann holt das Team Hilfe? Wie effektiv delegieren die Ärzte und Pfleger Aufgaben? Wie reagieren sie auf die Information, dass ein bestimmtes Gerät gerade nicht verfügbar ist? Die „Schikanen“, die die Trainingsleiter einbauen können, sind vielfältig. Für jedes Szenario gibt es ein spezielles Skript. Meist werden jedoch Dinge geübt, die nicht zu exotisch sind und im OP-Alltag durchaus vorkommen können.

Dabei geht es keinesfalls um Leistungskontrolle, betonen Julika Schön und Marco Hübner. Zwar wird in der Nachbesprechung, dem sogenannten Debriefing, auch Kritik an manchen Handlungen der einzelnen Akteure geübt. Eine Prüfungssituation soll das Training aber nicht sein. Im Vordergrund steht die Erkenntnis, die die Teilnehmer selbst daraus ziehen, was sie auf den Videos sehen. „So etwas lernt man nicht im Lehrbuch, sondern nur im realen Leben“, sagt Julika Schön. Im Arbeitsalltag ist oft nicht die Zeit, Situationen detailliert nachzubesprechen und auszuwerten. Bei der Übung ist dies aber ein wesentlicher Punkt. Ein weiterer Vorteil des Simulationstrainings: Die Puppe verzeiht Fehler. Auch wenn die Anästhesie heutzutage sehr risikoarm sei, ist das Training sinnvoll, so die Chefärztin: „Wir versetzen Menschen in einen potenziell lebensgefährlichen Zustand, bei dem sie beispielsweise nicht mehr selbständig atmen können und beatmet werden müssen. Da muss alles richtig gemacht werden.“ „Wir müssen Plan B immer schon im Kopf haben“, sagt auch Oberarzt Sebastian Griebner über seinen Job.

Das Angebot wird sehr gut angenommen, berichtet Julika Schön. Künftig sollen die Trainings regelmäßig stattfinden und perspektivisch auch auf andere Fachbereiche ausgeweitet werden, etwa die Gynäkologie und Geburtshilfe.

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