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Fluglärmgesetz bleibt vorerst wie es ist / Umweltschützer fordern Grenzwerte

Flughafenanwohner
Kritik am fehlenden Reformwillen der Regierung

Gefahr im Anflug: Wer lange Zeit dem Lärm von Flugzeugen ausgesetzt ist, kann krank werden.
Gefahr im Anflug: Wer lange Zeit dem Lärm von Flugzeugen ausgesetzt ist, kann krank werden. © Foto: dpa/Patrick Pleul
Dorothee Torebko / 17.01.2019, 09:00 Uhr
Berlin (MOZ) Schlechte Nachrichten für Flughafenanwohner: Die Bundesregierung will die Grenzwerte für Fluglärm erst ab 2021 verschärfen.

Rund um Flughäfen könnten Flugzeuge in drei Jahren dann um ein bis drei Dezibel leiser werden. Kitas, Grundschulen und Krankenhäuser hingegen können sich freuen: Sie sollen künftig leichter an Geld für Schallschutzmaßnahmen kommen. Während die Regierung den Bericht verteidigt, schlagen Umweltschützer Alarm.

Grund dafür, dass Flugzeuge erst ab 2021 leiser werden müssen, ist eine Evaluierung des Umweltbundesamtes, sagte ein Sprecher des Umweltministeriums am Mittwoch. Bevor Grenzwerte verschärft würden, müsse erst festgestellt werden, wie leise Flugzeuge überhaupt werden können. Weder die ein bis drei Dezibel noch das Datum sind demnach in Stein gemeißelt, sondern nur eine Empfehlung. Das Parlament könne nun darüber entscheiden, ob es eine Reform des Fluglärmgesetzes schon früher gibt.

Die Lobbyverbände des Luftverkehrs begrüßten die im Bericht genannten Maßnahmen. Ihrer Ansicht nach hat sich seit der Reform des Fluglärmgesetzes 2007 schon einiges getan. So sind in den vergangenen zwölf Jahren die Lärmwerte um 15 Dezibel gesunken. Außerdem wurden die Schutzzonen erweitert und durch die Einführung der Nachtruhe seien Bürger besser vor Krach geschützt.

Doch vielen ist das noch nicht genug. „Dass die Flugverkehrsverbände den Bericht begrüßen, sagt doch schon alles“, sagt die Bundestagsabgeordnete Tabea Rößner (Grüne). Sie hat den Parlamentskreis Fluglärm gegründet und fordert, dass Fluggesellschaften dazu verpflichtet werden, sich am aktiven Schallschutz zu beteiligen. Das heißt, die Grenzwerte für Flugzeugmotoren und Nachtflugverbote sollten im Gesetz verankert werden. „Viele Menschen leiden unter dem Fluglärm, ihre Lebensqualität ist erheblich eingeschränkt“, sagt sie.

Dass Lärm nicht nur die Belästigung bedeutet, sondern auch krank machen kann, belegen Studien. Menschen, die auf Dauer Lärm ausgesetzt sind, leiden der Wirkungsstudie NORAH im Auftrag des Umweltbundesamtes zufolge häufiger an Herzinfarkten und Schlaganfällen. Bei Kindern kann das sogar die Entwicklung verzögern. Nicht alle haben die Möglichkeit, wegzuziehen. Deshalb sei das, was die Regierung geliefert habe, nicht genug, sagt Rößner.

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