Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Errichtung von insgesamt vier Anlagen an der A 11 angestrebt

Energiewende
Biesenthal und Wandlitz im Clinch um Windkraft

Symbolfoto: Windräder bei Crussow, Luftaufnahme von Wilfried Bergholz.
Symbolfoto: Windräder bei Crussow, Luftaufnahme von Wilfried Bergholz. © Foto: Wilfried Bergholz
Olaf Schröder / 19.01.2019, 07:00 Uhr
Biesenthal (MOZ) Der Biesenthaler Bauausschuss empfiehlt mehrheitlich die öffentliche Auslegung des Vorentwurfs für den Bebauungsplan „Windeignungsgebiet Prenden“. Die Aufstellung von vier Strommühlen in kommunaler Hand bleibt aber umstritten und wird von Nachbarorten abgelehnt.

Die Ausgangslage: Landesweit wurden im Rahmen der Regionalplanung sogenannte Windeignungsgebiete festgelegt. Das bestätigte „Windeignungsgebiet Nr. 44 Prenden“ erstreckt sich in Höhe des Golfplatzes Prenden auf beide Seiten der A 11. Ein großer Teil der Fläche gehört der Stadt Biesenthal. Sie hat mit den Barnimer Kreiswerken, die auf dem Areal insgesamt vier Anlagen aufstellen will, einen Pachtvertrag abgeschlossen. Gegenwärtig läuft das Verfahren zur Aufstellung eines Bebauungsplanes.

Der angestrebte Plan sehe maximal vier Baufelder für jeweils eine Windmühle vor, umriss Kreiswerke-Geschäftsführer Christian Mehnert. Als Ausgleich für den Eingriff in die Natur seien drei Maßnahmen vorgesehen, so Mehnert. Dies seien der Rückbau und die Bewaldung des Telekomstraße einschließlich des Vorwerks, der komplette Abriss des alten Klärwerks auf dem ehemals russischen Gelände und der Waldumbau am Rabenluch, einem Kesselmoor, dass gegenwärtig renaturiert wird. Dort soll der Kiefernbestand durch Rotbuchen aufgewertet werden.

Dagmar Hüske (Linke) fragte nach der Lärmbelastung für Biesenthaler und Prendener Anwohner. So würden beispielsweise Anwohner in Rüdnitz über die bereits stehenden Anlagen in Richtung Tempelfelde klagen. Die Hauptwindrichtung führe von Prenden weg, so Mehnert. Sämtliche gesetzliche Vorgaben zu den Abständen zur Wohnbebauung würden eingehalten.

In der Einwohnerfragestunde bemerkte daraufhin Oliver Borchert (Freie Bürgergemeinschaft Wandlitz und zugleich Wandlitzer Ortsvorsteher und Bauausschussvorsitzender), dass der „Leidensdruck“ in Biesenthal größer sein müsse als in Prenden, da der Akazienweg näher am Eignungsgebiet liege als das Prendener Wohngebiet „Am alten Weinberg“. Wandlitz bekämpfe die Biesenthaler Pläne „vehement“. Er appellierte an den Ausschuss, auf die Windkraftnutzung zu verzichten und die entstehenden finanziellen Einbußen durch die Kooperation mit Wandlitz im Tourismus zu kompensieren. Prendens Ortsvorsteher Hans-Joachim Auge (SPD) fragte, weshalb sich Biesenthal nicht darauf beschränke, die Anlagen ausschließlich auf seiner Seite aufzustellen.

Die Verteilung auf beide Seiten, so Mehnert, schöpfe die Kapazität des Eignungsgebietes aus und verhindere, dass weitere private Anlagen entstehen könnten. Im Vergleich zu Atomkraft und Kohle, so der Biesenthaler Bauausschussvorsitzende Andreas Jahn (CDU/Pro Danewitz), sei die Windkraft das kleinere Übel zur Deckung der erforderlichen Energieversorgung, zumal es sich um einen Wirtschaftswald handele. Es sei mehrheitlicher Wille, die Windkraft zum Vorteil der Stadt zu nutzen. Fraglich sei zudem, ob sich jeder Tourist gegen Windkraftanlagen sperre. Dietrich Sagert (SPD) unterstrich, über das Windeignungsgebiet „nicht glücklich zu sein“. Zumindest könne in diesem Fall die Kommune davon profitieren.

Der Bauausschuss empfiehlt der Stadtverordnetenversammlung mit drei Ja- bei zwei Gegenstimmen die Auslegung der Entwurfsplanung. Unabhängig davon informierte Andreas Jahn darüber, dass auf Anfrage der Wandlitzer Bürgermeisterin Jana Radant ein Gespräch mit dem Biesenthal-Barnimer Amtsdirektor und weiteren Amtsinhabern aus beiden Kommunen vorbereitet wird.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG