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Die Biesenthaler Lehrerin Sylvia Steinbach (70) unterrichtet seit 2014 als Vertretung / Nun will sie mit der Rentenzeit Ernst machen

Schulleben
Zum fünften Mal beginnt der Ruhestand

Lesezeit: Sylvia Steinbach unterrichtet seit 1981 in Biesenthal. Ihre Begeisterung für das Lesen, hat sie durch besondere Schulprojekte auch auf ihre Schüler übertragen.
Lesezeit: Sylvia Steinbach unterrichtet seit 1981 in Biesenthal. Ihre Begeisterung für das Lesen, hat sie durch besondere Schulprojekte auch auf ihre Schüler übertragen. © Foto: Sergej Scheibe
Olav Schröder / 31.01.2019, 08:30 Uhr - Aktualisiert 31.01.2019, 10:42
Biesenthal (MOZ) Wenn Sylvia Steinbach heute in den Ruhestand geht, ist dies nicht das erste Mal. Die 70-jährige Biesenthaler Lehrerin hat nach ihrem Eintritt ins Rentenalter im Jahr 2014 bis heute von Jahr zu Jahr als Vertretungsreserve gearbeitet und half, den Lehrermangel zu überbrücken.

Steinbachs erster Ruhestand endete, bevor er begonnen hatte. Eigentlich stand dieser Wechsel am Anfang des Jahres 2014 bevor. „Doch ich wollte nicht, dass die Klasse mitten im Jahr einen Lehrerwechsel mitmachen muss. Besonders für kleine Kinder ist das eine schwierige Situation“, sagt Sylvia Steinbach. Weitere Unterrichtsjahre kamen hinzu. In ihrem ersten Rentenjahr sprang sie für eine erkrankte Kollegin ein und übernahm in einem langwierigen Krankheitsfall die Leitung einer ersten Klasse. Es folgten noch einige Anfragen in den nächsten Jahren. Nunmehr, in ihrem 50. Berufsjahr als Lehrerin, will sie tatsächlich mit dem Ruhestand Ernst machen. Eine derart lange Berufszeit mit Freude zu erleben, ist nur möglich, wenn man ganz und gar in dem Beruf aufgeht. Schon als Kind stand für sie fest, einmal Lehrerin zu werden.

„Ich selbst hatte immer gute Lehrer“, erklärt sie das Phänomen. „Schon meine erste Lehrerin habe ich verehrt. Sie habe den Schülern mit der Feststellung „Das könnt ihr“ immer Mut gemacht. „Aber vielleicht bin ich auch Lehrerin geworden, weil ich die Älteste von vier Geschwistern war.“

Die gebürtige Schwerinerin ist in Pankow zur Schule gegangen, absolvierte die Lehrerausbildung in Deutsch, Mathematik und Musik, unterrichtete in Berlin und kam 1981 nach Biesenthal. Sie unterrichtete an der Grundschule „am Pfefferberg“ die erste Flex-Klasse und die Bibliothek  war „mein Baby“, sagt sie. Zwei Jahre lang hat sie die Bücherspenden sortiert, repariert, katalogisiert und die Bibliothek eingerichtet. Nicht von ungefähr liest sie privat sehr gern. „Schon als der erste Band von Harry Potter erschien, war ich begeistert.“ Der Grund: Die Bücher seien ausgesprochen fantasievoll, aber als eine typische Schulgeschichte nicht weit von der Welt der Schüler entfernt. Vor diesem Hintergrund machte Sylvia Steinbach das, was sie oft unternahm: Sie kreierte ein Projekt. Ihre Schüler spielten einen Harry-Potter Schultag nach, mit Kräuterkunde beim Biesenthaler Gärtner, mit der Herstellung von „Zaubertränken“ im Chemieunterricht und mit einer gruseligen Mitternachts-Vorlesestunde. „Wenn sich die Schüler auf solche Projekte vorbereiten, dann müssen sie lesen und schreiben und das machen sie gern“, sagt sie. In einem anderen Jahr rankte sich ein Projekt um das Mittelalter. Das Essen und die Kleidung spielten ebenso eine lehrreiche Rolle wie der Landschaftsbau mit einer Burg, um Fachwerkkonstruktionen kennen zu lernen.

Diese Projekte – mit vielen Aufenthalten im Freien – werden ihre Schüler nicht vergessen. Mit den Händen arbeiten, werken, einen Schulgarten anlegen und pflegen – all das sind für Sylvia Steinbach wichtige Lernmethoden: „So entstehen aus Fakten Wissen und Bildung.“ Sie plädiert für die Nutzung digitaler Medien. „Man darf sich dabei aber nicht verzetteln.“ Das Schreiben auf einer Tastatur und Englisch lernen favorisiert sie vom Schulbeginn an. „Um so besser lernen die Kinder“, ist ihre Erfahrung.

„Ich habe immer super Schülereltern gehabt“, sagt Sylvia Steinbach. Ohne diese Unterstützung wären viele Aktionen nicht möglich gewesen, zum Beispiel, wenn die Bäckerei oder andere Betriebe und Unternehmen im Ort besucht werden sollten. Ideen und Unterstützung kamen ebenso von Vereinen und Verbänden wie dem Naturschutzbund. Vieles sei durch die verschiedenen Fächer, die sie unterrichtet, ermöglicht worden. Auch Wirtschaft-Arbeit-Technik und Biologie kamen hinzu, so dass ein fächerübergreifender Unterricht leicht möglich wurde.

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