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Demonstration
Neuruppiner Schüler gehen für Klimaschutz auf die Straße

Viele Plakate: Die Jugendlichen fürchten, dass sie die Versäumnisse der aktuellen Klimapolitik ausbaden müssen.
Viele Plakate: Die Jugendlichen fürchten, dass sie die Versäumnisse der aktuellen Klimapolitik ausbaden müssen. © Foto: Markus Kluge
Markus Kluge / 01.02.2019, 18:23 Uhr - Aktualisiert 01.02.2019, 19:11
Neuruppin (MOZ) Neuruppins Schüler sind am Freitagmittag nach der Zeugnisausgabe für den Klimaschutz auf die Straße gegangen. Sie beteiligten sich damit erstmals an der weltweiten Schüler- und Studenteninitiative „Fridays for Future“.

Das Jahr 2018 war so heiß und trocken, dass es im Ruppiner Land oft brannte und sonst wasserführende Gräben trocken fielen. Im Jahr zuvor hatte es noch so stark geregnet, dass Bauern mit ihren schweren Maschinen auf den durchnässten Feldern stecken geblieben sind. Das sind nur zwei regionale Beispiele dafür, dass die Wetterphänomene immer extremer werden. Die Hitzewelle im vergangenen Jahr war der Auslöser für die heute 16-jährige schwedische Schülerin Greta Thunberg die Schule zu schwänzen und vor dem  Reichstag für Klimaschutz zu demonstrieren. Was als eine Einzelaktion begann, ist mittlerweile zu einer weltweiten Bewegung von jungen Leuten gewachsen.

Die Neuruppiner Aktion am Freitag hat der aus Walsleben stammende Corven Drößler mitorganisiert. Nicht nur um Thunbergs Beispiel zu folgen, sondern auch um auf den erst für das Jahr 2038 vorgeschlagenen Kohleausstieg aufmerksam zu machen. Das heißt, das weitere 19 Jahre in Deutschland Kohle zur Energiegewinnung genutzt werden soll, bei deren Verbrennung das klimaschädliche Kohlendioxid freigesetzt wird. Das Thema kam bei vielen Schülern offenbar so gut an, dass sie sich nicht nur über die sozialen Netzwerke, sondern auch über WhatsApp-Gruppen organisierten und als Klasse oder im Freundeskreis zur Kundgebung kamen. „Ich interessiere mich schon immer für Umweltschutz“, sagte Katharina aus der achten Klasse der Montessori-Oberschule, die gemeinsam mit ihren Freundinnen ein Plakat gestaltet hat. 

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Neuruppiner Schüler demonstrieren für den Klimaschutz

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Drößler zeichnete in seinem Redebeitrag ein düsteres Bild für die kommenden Generationen, wenn sich in der Klimapolitik, aber auch in dem Verhalten von jedem Einzelnen nichts ändert. Im Jahr 2071, wenn er Rentner ist, müsse er wahrscheinlich mit seinen Enkeln miterleben, wie die Polkappen abschmelzen, Permafrostböden auftauen, ganze Länder überflutet werden, Milliarden Menschen auf der Flucht sind, der letzte Eisbär stirbt und letztlich alle in Gefahr sind. „Ich studiere in Potsdam Geografie und weiß, wie sich Veränderungen auf das System Erde auswirken können und welche Folgen das für uns haben kann“, so Drößler. Seine Generation wolle viel lieber eine Geschichte schreiben, „in der Enkel lachen, Eisbären leben und keiner fliehen muss, weil der Meeresspiegel das Haus verschlungen hat“. Jeder müsse sich entscheiden, ob er in jeden Urlaub wirklich fliegen, für jeden Weg das Auto nehmen und zu fast jeder Mahlzeit Fleisch essen muss, meinte Drößler.

 

Maxima Müller aus der 9a des Evangelischen Gymnasiums drehte den Spieß um und hielt ein vermeintliches Plädoyer für den Klimawandel: „Der Klimawandel macht uns fröhlich. Längere Sommer, mehr Wasser.“ Es werde weniger Baumwolle verbraucht, weil niemand mehr Winterkleidung benötigt. Die Ernteerträge werden aufgrund der Trockenheit so schlecht, dass es nicht mehr genug Tierfutter gibt und sich die Massentierhaltung dadurch von allein erledigt. Nur reiche Menschen könnten in einem Biosphärenreservat leben und darin auch noch Tiere essen. Und letztlich gebe es durch Naturkatastrophen so viele Tote, dass es auch keine Demonstranten mehr gibt, sagte sie.

Dass es Jugendliche gibt, die sich für Klimaschutz einsetzen, lobte Matthias Dittmer. „Das ist richtig klasse, dass die Schüler so etwas machen“, so der  64-jährige Berliner Grünen-Politiker und Schauspieler, der in Zempow lebt. Auch er kritisierte die Klimapolitik und die starke Autolobby in Deutschland. Wenn sich nicht schnell und dauerhaft etwas ändert, befürchtet er, dass seine drei Kinder Hamburg in einer Insellage erleben werden, wenn irgendwann das Wasser steigt. Ob es in Neuruppin eine weitere Demo für den Klimaschutz geben wird, steht noch nicht fest.

Fridays for Future

Die Aktion „Fridays for Future“ geht zurück auf die 16-jährige schwedische Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg. Ab August 2018 demonstrierte sie immer freitags vor dem schwedischen Reichstag mit einem Plakat „Schulstreik für das Klima“, was ihre Eltern und Lehrer  zuerst kritisierten. Es schlossen sich ihr aber viele Mitstreiter an. Im Dezember 2018 hielt das Mädchen eine Rede bei der UN-Klimakonferenz in Katowice, die weltweit Beachtung fand. Im Januar nahm sie auch am Weltwirtschaftsforum in Davos teil, um zu kritisieren, dass die Politik zu wenig für Klimaschutz tue und damit unverantwortlich jungen Menschen gegenüber handele.

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kay-uwe granz 02.02.2019 - 21:19:37

"Netzfund"

Eine Bekannte hatte heute beim Frühstück eine Familiendiskussion mit ihren beiden Kindern. Die waren gestern schulschwänzen. Für das Klima. Abends erhielt sie von ihren Kindern auf die Frage: „Wie lange wollt Ihr das durchziehen?“ die Antwort: „Solange, bis Eure Generation unserer eine bessere Welt hinterlasst. Eine gesunde Welt. In der wir wieder leben können.“ (sinngemäß) Heute Morgen, in Absprache mit ihrem Mann, ging sie auf den gestrigen Abend ein. Sie sagte ihren Kindern, dass sie darüber nachgedacht habe. Und erkannt hat, dass sich etwas ändern muss. Zur Klimaverbesserung wird die Familie die beiden Diesel verkaufen. Und nur sich noch ein neues Auto zulegen. Fortan werden beide Kinder nur noch mit der S-Bahn oder dem Fahrrad zur Schule oder ihren Aktivitäten fahren. Um Strahlung zu vermeiden bzw. zu reduzieren, ist sie bereit, auf Mobiltelefone zu verzichten. Es wird nur noch eins für die ganze Familie geben. Ohne Flatrate. Das ist gleichzeitig auch viel günstiger. Das Haustelefon wird, auch um „gefährliche Funkstrahlung“ zu reduzieren, wieder eine Schnur haben. Jeder bekommt eins in sein Zimmer. Klamotten werden, um die Ausbeutung asiatischer Hilfsarbeiter oder gar Kinder zu reduzieren und um klimaschädliche Transportwege einzudämmen, nicht mehr in den einschlägigen Hip-Läden gekauft. Sondern in Nachhaltigkeits-Stores. Davon gibt es reichlich in Berlin. Dass sie nicht immer modisch sind, wird hingenommen. Tiefkühlpizzen, Burger, Fast Food, Getränke in Plastikflaschen und abgepackte Lebensmittel werden reduziert bis abgeschafft. In einem Stufenplan. Es wird fortan mehr gekocht. Die frischen Lebensmittel dafür werden auf dem Markt gekauft. Bio muss nicht sein. Wird aber angestrebt. Preisdifferenzen zu den bisherigen Lebensmitteln werden durch gemeinsame Reduktion der Haushaltskasse bzw. der Taschengeldkonten ausgeglichen. Revolution erfordert Opfer. Meine Bekannte und Ihr Mann sehen ein, dass sie bislang fast nur Fehler gemacht haben. Daher legen sie die Entscheidungen, das Klima zu verbessern und damit die Erde wieder lebenswert zu machen, in die Hände der Kinder. Bis Montag Morgen möchte sie daher, dass die Kinder einen Maßnahmenplan entwickeln. Mit dessen Hilfe alles möglichst rasch angegangen wird. Dazu kann gern auch regelmäßiges Schulschwänzen gehören. Allerdings wird es keine Entschuldigungsschreiben geben. Weder von ihrem Mann noch von ihr. Da das Teil der Revolution ist, müssen das die Kinder selbst regeln. Termin ist Montag, 7.00 Uhr. Küche. Bis jetzt haben die Kinder nicht viel dazu gesagt. Aber es ist ja noch Zeit.

Paul Müller 02.02.2019 - 10:10:01

Unsere indoktrinierte Jugend demonstiert :) ...

... das Klima war nie statisch, immer Änderungen unterworfen, z.B. wurde Grönland von den Wikingern wohl kaum wegen der Eisschicht so benannt, musste also mal eisfrei gewesen sein ! Ja das Klima ändert sich, tat es schon immer, auch ohne den Menschen - und ob eine Co2 Erhöhung von wenigen Promille wirklich diesen riesigen Einfluss hat - naja ... Die Luft hat einen CO2 -Anteil von 0,04 % - Menschengemacht davon 4% https://de.m.wikipedia.org/wiki/Luft Der Unterschied von 1800 zu heute geht ja schon für sich in der Messtoleranz unter ...

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