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Baupläne
„Schmorpost“ in Wartestellung

Kann zupacken: Regisseur und Holzgestalter Matthias Merkle ist mit einer Genossenschaft Eigentümer und Investor des Bebauungsplangebietes an der Garzauer Straße.
Kann zupacken: Regisseur und Holzgestalter Matthias Merkle ist mit einer Genossenschaft Eigentümer und Investor des Bebauungsplangebietes an der Garzauer Straße. © Foto: Jens Sell
Jens Sell / 04.02.2019, 19:15 Uhr
Strausberg (MOZ) Im April soll den Stadtverordneten eine Beschlussvorlage für die Änderungssatzung des Flächennutzungsplans für das alte Postgelände an der Garzauer Straße vorliegen. Im Sommer hofft Investor Matthias Merkle auf den Bebauungsplanbeschluss.

Seit der frühzeitigen Bürgerbeteiligung bei diesem Projekt sind mehr als vier Jahre vergangen. Bei manchen Kommunalpolitikern habe sich eine gewisse Skepsis gegenüber seinen Plänen entwickelt, hat Matthias Merkle sagen hören. „Ich finde das einfach unfair“, sagt er stirnrunzelnd, „wir bemühen uns seit Jahren um die Bauleitplanung, damit wir hier endlich loslegen können. Aber es zieht sich immer weiter hin.“

Dabei haben die Akteure auf dem Gelände des ehemaligen Fernmeldeamtes an der Garzauer Straße schon lange im Rahmen der erlaubten Grenzen losgelegt und das einst von der Deutschen Post verlassene Areal wieder belebt. Im früheren autarken Wasserwerk ist das Theater Die Andere Welt Bühne eingezogen und macht mit modernen Theaterstücken Furore. Im Bürogebäude arbeitet der Verein Midria an der Integration benachteiligter Jugendlicher. Eine Genossenschaft verwaltet den Plattenbau, in dem sich auch ein Bandkeller und das Tonstudio von Daniel Dorsch befinden, der beim Theater geräuschvoll mitwirkt. Es gibt eine Gästeetage und Räume für Seminare und Workshops. Der Verein Midria nutzt eine der benachbarten Kfz-Hallen als Werkstatt für die praktische Ausbildung der Jugendlichen.

Nach Plänen gefragt, weiß Matthias Merkle gar nicht, wo er anfangen soll: Natürlich reizt das Geheimnisvolle des früheren Bunkers, in dem der DDR-Minister für Post- und Fernmeldewesen im Verteidigungsfall die Strippen ziehen sollte, zum Erforschen und Begehbarmachen. Zum Bunker hin führe ein 120 Meter langer unterirdischer Gang. Der Berliner Verein „Orte der Geschichte“ habe starkes Interesse angemeldet, die Einrichtungen zugänglich zu machen und dereinst Besuchergruppen hindurchzuführen. Vorstandsmitglied Martin Kaule hat nicht nur eine Vielzahl von Büchern und Bildbänden über solche Orte veröffentlicht, sondern veranstaltet auch regelmäßig Reisen zu ihnen. „Da steckt einiges Potenzial drin für die Belebung und Nutzung unserer Liegenschaft, aber ohne Bebauungsplan halten wir uns da maximal zurück“, sagt der Eigentümer.

Über seine Pläne hat Merkle übrigens schon im Oktober 2014 im Bau- und Umweltausschuss mit seinem Architekten informiert. Frühzeitige Bürgerbeteiligung in zwei Versammlungen vor reichlich vier Jahren schlossen sich an. Auch 2017 legte Merkle seine Pläne im Bau- und Umweltausschuss dar. Zweimal wurden die Träger öffentlicher Belange beteiligt. Der Zeitaufwand und die Kosten konnten ihn nicht davon abhalten, seine Pläne aufzugeben. Doch der aktuellen  Stadtverordnetenversammlung obliegt es nicht mehr, den Bebauungsplan zu beschließen und endlich grünes Licht für Bauanträge und Umnutzungsanträge auf dem Areal zu geben, damit die Pläne konkrete Gestalt annehmen können. Am 26. Mai wird eine neue Stadtverordnetenversammlung gewählt. Merkle hofft auf eine gewisse Kontinuität, um nicht noch einmal bei null beginnen zu müssen.

Womit Nutzer und Anwohner aus der Nachbarschaft schon vor Beschluss des B-Planes rechnen können, ist die Gaststätte im Pförtnerhaus. Da erwartet Matthias Merkle in absehbarer Zeit die Baugenehmigung. Das sollte unkompliziert sein, weil das Gebäude äußerlich unverändert bleibt. Schließlich ist das ganze Areal im vergangenen Jahr zum Denkmal von nationaler Bedeutung deklariert worden. Der Tresen wird massiv aus dicken Eichenbohlen gezimmert. Das Material kommt aus dem Wald auf dem Fernmeldeareal. „Sturmtief Xavier hat für uns die Fällarbeiten erledigt“, sagt Matthias Merkle schmunzelnd. Im Sommer sollen die Theatergäste dort vor der Vorstellung schon essen und danach noch einen Absacker trinken und über das Erlebte diskutieren können. Der Name der Gaststätte steht schon fest: „Schmorpost“.

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