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Das Toruner Unternehmen TZMO baut in Biesenthal aus

Erweiterung
Polnische Windeln für ganz Deutschland

Ina Matthes / 05.02.2019, 09:00 Uhr
Biesenthal (MOZ) Dicht an der Grenze und dicht an Berlin: Vor 20 Jahren kam der polnische Medizinprodukte-Hersteller TZMO in den Barnim. Von hier aus steuert er den Vertrieb für Deutschland. Und baut sein Geschäft kräftig aus.

Mehr als zehn Meter hoch sind die Regale in der Lagerhalle. Andreas Fiegler muss nur einen Knopf drücken, dann gleitet das äußerste Regal in der Reihe langsam zur Seite. Ein Gang  öffnet sich. „Verschieberegal“, nennt Fiegler diese Konstruktion, die  auf Schienen im Boden fährt. „Man spart damit Platz und kommt jederzeit an jeden Palettenplatz heran“, sagt der Logistikchef der TZMO Deutschland GmbH.

In den Regalen stehen Paletten voller Kartons. In den grauen Verpackungen stecken die Waren, die das Unternehmen von Biesenthal (Barnim) aus deutschlandweit vertreibt:  Inkontinenz-Schutz, Hygieneartikel für Frauen, Windeln und Pflegeartikel für Babys und Kleinkinder, Hygienebedarf für Kliniken.  TZMO Deutschland gehört nach eigenen Angaben zu den drei größten Anbietern von Inkontinenz – und Hygieneprodukten in Deutschland mit einem Marktanteil von 25 Prozent.

Hergestellt werden die Erzeugnisse mit Markennamen wie Seni, Bella, oder Matopat im Mutterkonzern in Polen. Die polnischen Unternehmensgruppe TZMO SA, die aus dem 1951 gegründeten Toruner Betrieben für Verbandsstoffe hervorgegangen ist, unterhält in Biesenthal ihr Zentrallager für Deutschland. Der Konzern hat Niederlassungen in 19 Ländern weltweit.

In Deutschland ist TZMO seit zwanzig Jahren vertreten. „Wir haben mit ein, zwei Mitarbeitern angefangen“, erzählt Geschäftsführer Piotr Daszynski. Er ist seit 2008 im Unternehmen, war zunächst im Vertrieb  tätig und ist seit 2011 Geschäftsführer von TZMO Deutschland. Er leitet einen Betrieb mit 144 Mitarbeitern, davon 30 im Außendienst.

Sechs Millionen Euro hat das Unternehmen jetzt in die neue Logistik-Halle investiert, die modernste der fünf Lagerhallen.  Rund 6000 Paletten können dank der verschiebbaren  Regale in der Halle gelagert  werden.  Das sind etwas mehr als in den übrigen Hallen zusammen. Täglich gehen von Biesenthal  aus 1000 Paletten  zumeist per Lkw auf Reisen.  Beliefert werden insgesamt 1500 Kunden vom Pharmagroßhändler über das Pflegeheim, die Einzelhandelskette bis hin zum Privatkunden, der online bestellt. Die Umsätze sind stetig gewachsen. 2018 hat das Unternehmen 85 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet.

Deutschland „ist für jedes Unternehmen aus unserer Branche besonders attraktiv“, meint Daszynski. Nicht nur wegen der fast 83 Millionen Einwohner. Aus polnischer Sicht gibt es hier eine ausgeprägten Krankenhauslandschaft, eine gute Infrastruktur in der Langzeitpflege und  ein hohes Hygienebewusstsein. Die Nähe zu Berlin und zur Grenze, die gute Anbindung an Autobahn und Schiene waren für TZMO weitere Gründe, sich in Biesenthal anzusiedeln.

Aber auch die offene Haltung von Behörden und Amtsträgern wie André Stahl und Carsten Bruch, dem früheren und dem heutigen Bürgermeister Biesenthals, sei wichtig gewesen, erzählt Piotr Daszynski.  „Die Unterstützung war immer enorm.“ Als das Unternehmen vor einigen Jahren an seine Kapazitätsgrenzen stieß, habe die Stadt sofort reagiert und eine Änderung des Bebauungsplanes beschlossen. TZMO konnte ein Nachbargrundstück kaufen und erweitern.

Dort ist noch Raum für Wachstum. Geplant ist der Bau eines neuen  Verwaltungsgebäudes, das 2020 fertiggestellt werden soll. Zehn bis 15 neue Jobs sollen entstehen. Die Mitarbeiter sind deutsch und polnisch.

TZMO wächst nicht nur, das Geschäft wandelt sich. Beratung und Service gewinnen an Bedeutung. „Vor allem bei der Zustellung von Inkontinenzprodukten hat sich viel geändert“, sagt Piotr Daszynski. Die Lieferungen gingen oft nicht zentral an eine Adresse, sondern zu einzelnen Wohnbereichen in Altenheimen zum Beispiel oder sogar direkt an die Patienten.  „Dieser Service, der früher als Sonderzustellung galt, wird hierzulande zum Standard.“

Digitalisierung soll helfen, die  Anforderungen zu bewältigen. In der neuen Halle werden die Barcodes an den Waren und den Paletten-Stellplätzen digital erfasst – so kann nichts verloren gehen. Das computergestützte Warenwirtschaftssystem kennt auch die Ablaufdaten der Produkte und steuert den Versand dementsprechend.

Aber nicht nur die Betriebsabläufe werden intelligenter.  In den Regalen könnte schon bald die intelligente Inkontinenz-Windel stecken. Eine mit Chip, die meldet, wenn sie gewechselt werden muss. Der polnische Konzern arbeitet dran.

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