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Die Serie „Oberbarnim unterirdisch“ blickt in die Kellerräume der Alten Brauerei / Ehemaliger Lehrling erzählt von früher

Serie
Unter Warenkorb und Wursttheke

Marco Marschall / 09.02.2019, 06:00 Uhr - Aktualisiert 09.02.2019, 09:31
Eberswalde (MOZ) Für die Serie „Oberbarnimer unterirdisch“ begeben sich Reporter in den Untergrund und spüren die Orte auf, die sonst verborgen bleiben. Welche Geheimnisse, welche Geschichten lauern unter der Oberfläche? Diesmal: der Keller der Alten Brauerei.

Im Lager des Edeka-Marktes der Alten Brauerei öffnet Betreiberin Doreen Mattot die Tür zum Raum, an dem eine Holzleiter lehnt. Etwa vier Meter führt sie in die Tiefe. Unten wartet eine weitere Leiter. Nochmal geht es vier Meter abwärts. Schutt und Staub begegnen unserem Erkundungstrupp, dem sich unter anderem Brigitte Schulz von der Gaststätte Alte Brauerei angeschlossen hat. Mit Taschen- und Stirnlampen ausgerüstet, betreten wir die erste große unterirdische Halle. Riesige hohe Gewölbedecken, wie wir sie noch mehrfach vorfinden sollen. Schläuche liegen eingestaubt auf dem Boden. „Da ist mal eine Menge Bier durchgeflossen“, sagt Fred Schröder. Der 77-jährige Eberswalder hat an diesem Ort von 1959 bis 1962 Brauer und Mälzer gelernt. Die Räume, die wir mit ihm betreten, sind nur ein Teil der ursprünglichen unterirdischen Betriebsfläche. 40 Prozent, schätzt er, seien heute nicht mehr zugänglich. Zugemauert oder verschüttet.

Was befindet sich unter dem Edeka-Markt in der Alten Brauerei? Unsere Serie "Oberbarnim unterirdisch" schaut nach.
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Hinabgestiegen: Eberswalder Brauereikeller

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Helles, Pilsner und Malzbier lagerten dort unten einst ebenso wie die Zutaten für die Produktion. „Das war der Hopfenkeller“, sagt unser fachkundiger Begleiter an einem Raum gleich zu Beginn der Expedition. Bis zum Ende seiner Lehrzeit sei das Bier in Holzfässer gefüllt worden. Erst später waren sie aus Metall. Nach Armeezeit und einer Elektrikerlehre war Schröder anfang der 80er-Jahre nochmal an seine erste Wirkungsstätte zurückgekehrt und hatte bis 1989 in der Brauerei gearbeitet, in der bis zu 120 Frauen und Männer tätig gewesen sein sollen. In Anbetracht des Platzes, den schon allein die Kellerräume bieten, erscheint die Zahl gar nicht mehr so groß.

An mehreren Ecken deuten sich Luftschächte an. „Sonst wäre man hier unten erstickt. Durch die Gährung entsteht CO²“, erklärt Schröder. Auch die Stelle, durch die die Bierfässer hinabgelassen wurden, erkennt er noch. In einem großen Raum im hinteren Teil liegen massive Halbschalen für die Sattlung der größeren Biertanks.

Nur die an den Wänden angebrachten Steine mit den Schlupflöchern für Fledermäuse gab es damals noch nicht. Sie sind leer. Denn als Winterquartier taugen die Räume unter der Brauerei nicht. Für die Tiere ist es unten zu warm, um in die Winterstarre zu fallen.

Als Tagesquartier im Sommer scheint der Unterschlupf durchaus anzukommen. Doreen Mattot hat schon Tiere gesichtet. Etwas irritiert zeigt sich die Marktchefin angesichts des Mülls, der an einem der Schächte liegt. Irgendwo oben muss es eine undichte Stelle geben, durch die ab und zu leere Verpackungen purzeln.

Seit fast fünf Jahren nimmt ihr Einkaufsmarkt samt Parkplatz einen großen Teil der Fabrikfläche ein, die in Eberswalde eine lange Tradition hat. Gegründet 1868 wurde bis Anfang der 90er-Jahre dort gebraut. Während der oberirdische Backsteinbau weiterhin auf die Historie verweist, haben wir die eindrucksvollen Katakomben nun wieder hinter uns gelassen. Die Phantasie des Erkundungstrupps haben sie kurzzeitig beflügelt. Was könnte man daraus alles machen?

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