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Zum Geburtstag
Ein paar Gedanken zum Fouqué-Geburtstag über Nennhausen, Fontane und ihn

Bernhard Rengert / 12.02.2019, 08:57 Uhr - Aktualisiert 12.02.2019, 15:09
Brandenburg (MOZ) Ehrungen, Feierlichkeiten, große Landesausstellungen und diverse andere Veranstaltungen zu Theodor Fontanes 200. Geburtstag werfen ihre Schatten voraus. Vom 30. März bis 30. Dezember dieses Jahres ist Brandenburg „Fontaneland“ und soll vor allem der nachwachsenden Generation unter dem Motto „Fontane.200“ den märkischen Dichter wieder etwas näher bringen.

Dem dient auch ein vom Ministerium für ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft herausgegebener Wandkalender, der auf seinen großen Seiten 13 „Fontaneorte“ des Landes vorstellt. Das Havelland ist gut vertreten; Schloss Ribbeck, Schloss Nennhausen …  - ja, auch mit Schloss Nennhausen! Das Fontane-Gedicht vom Birnbaum in Ribbeck ist den meisten noch immer präsent, bei dem eher für die Namen Briest und Fouqué stehenden Nennhausen liegt die Sache etwas anders. Zum Glück hilft da ein Text auf der Kalenderblattrückseite ein wenig auf die Sprünge. Den dort nur sehr allgemein dargestellten Zusammenhängen etwas genauer auf den Grund zu gehen bedarf aber schon einigen Spürsinns.

Die Frage, ob sich Fontane und Fouqué kannten, ist sogar eine echte Herausforderung. Persönlich begegnet sind sich der am 30. Dezember 1819 in Neuruppin geborene Fontane und der bereits am 12. Februar 1777 in Brandenburg geborene Friedrich de la Motte Fouqué nie.

Dabei wäre es gut möglich gewesen, aber nicht in Nennhausen, sondern in Berlin. Als Apothekergehilfe veröffentlichte Fontane dort ab 1839 erste Texte und 24jährig, am 30. Juni 1843, ist er als aufstrebendes Talent auch erstmals Gast beim „Tunnel über der Spree“, einem literarischen Sonntagsverein. Einer ähnlichen Vereinigung, der „Mittwochsgesellschaft“, gehörte auch Fouqué zeitweilig an, doch war der kein halbes Jahr zuvor in seiner Berliner Wohnung verstorben.

In den Folgejahrzehnten ist Fontane viel mit Recherchen, dem Verfassen und der Herausgabe seiner Wanderungen durch die Mark beschäftigt, ist journalistisch tätig und sammelt gleichzeitig unermüdlich Material für seine späteren Romane. Ganz aus den Augen verlor er Nennhausen nie. Seine Oderland-Wanderungen sind interessant. Im Kapitel über Cunersdorf schreibt er über die Entstehung von Adalbert von Chamissos  Peter Schlemihl und erwähnt Fouqué. Das tut er ebenso in Tramsel, wo er „zeitweilige“ märkische Musenhöfe aufzählt, u.a. auch Nennhausen zur Zeit Fouqués. Bei seinen Recherchen für diesen Wanderungen-Band war er auch zu Gast im Pfuel´schen Herrenhaus in Jansfelde, wo er 1862 mit Klara und Marie sowohl einer Tochter aus erster Ehe der Caroline von Briest mit Rittmeister von Rochow, als auch einer aus deren zweiter Ehe mit Fouqué begegnete. Die unverheiratet gebliebene Marie de la Motte Fouqué verbrachte ihren Lebensabend bei ihrer Halbschwester und deren Mann in Jansfelde. Beide werden Fontane sicher einiges über ihre Ahnen und Nennhausen berichtet haben. Genug zumindest, dass er für 1864 einen ersten Nennhausen-Besuch fest einplante. Daraus wurde dann zwar nichts, aber wie sehr ihn der Stoff weiter gefesselt hat, ist selbst noch aus seinem letzten, leider nur Fragment gebliebenen Wanderungsband zu ersehen.

Seinem ersten Havelland-Band sollte nämlich ursprünglich noch ein zweiter folgen, ein Bredow-Buch, für das er 1889 schon eifrig nach Stoff suchte. Richtig voran ging es aber nicht und so ist daraus dann nur die ziemlich abgespeckte Variante geworden, die in guten Fontane-Ausgaben heute unter Nachträgen als „Ländchen Friesack“ erscheint. Es ist eher ein stichpunktartiger Entwurf als ein druckfähiges Manuskript, aber es lässt erahnen, was dort noch hätte kommen können. „Nennhausen. Fouqué. Undine.“ lesen wir darin an einer Stelle, an anderer ist „Geschichten aus Nennhausen“ eingeflochten und auch einmal die Gedankenkette „Nennhausen. Briests, Rochows, Fouqués, v. Pfuel“  aufgemacht. Sogar eine kleine Materialsammlung zur Besitzgeschichte Nennhausens mit Hinweisen, von wem noch weitere Auskünfte zu erlangen wären, hatte Fontane schon angelegt. Am Ende wird ihm vermutlich die Entscheidung, auf diese Wanderungsfortsetzung zu verzichten aber gar nicht so schwer gefallen sein. Zeitgleich war ihm nämlich mit der Duell-Geschichte um die mit einem Baron von Ardenne verheiratete  Elisabeth von Plotho auch jene Schlüsselszene zu Ohren gekommen, aus der er nun seinen später bekanntesten Roman entwickeln würde. Als Romancier konnte er viel freier schreiben und blieb dennoch verblüffend nah an der historischen Wirklichkeit. Da kam ihm das, was er bei seinen Reisen durch die Mark gesehen und erfahren hatte, nur recht. So gesehen, erscheint es nur folgerichtig, dass er seine fiktive Romanheldin nach dem schon 1822 im Mannesstamm erloschenen märkischen Geschlecht derer von Briest benannte. Seiner „Effi Briest“ wiederum hat er keineswegs nur die Züge der erst 1952 verstorbenen Elisabeth von Ardenne gegeben. Fontane verfremdet die Figur mit Ereignissen aus dem Leben der Martha von Pfuel, einer Ururenkelin der Nennhausener Briests. Nicht zuletzt auch damit setzte er dem Geschlecht derer von Briest in seinem „Effi Briest“-Roman ein bleibendes, literarisches Denkmal. – Nur Fouqué ist dabei irgendwo auf der Strecke geblieben.

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