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Hohe Beteiligung
Warnstreik der Stahlkocher in Eisenhüttenstadt

Mitarbeiter und Auszubildende der ArcelorMittal Eisenhüttenstadt GmbH sind in den frühen Morgenstunden im Warnstreik vor dem Tor 1 des Stahlunternehmens.
Mitarbeiter und Auszubildende der ArcelorMittal Eisenhüttenstadt GmbH sind in den frühen Morgenstunden im Warnstreik vor dem Tor 1 des Stahlunternehmens. © Foto: Patrick Pleul/dpa
dpa / 12.02.2019, 12:03 Uhr - Aktualisiert 12.02.2019, 16:00
Eisenhüttenstadt (dpa) Sechs Prozent mehr Geld und eine höhere Urlaubs- und Ausbildungsvergütung: Im Tarifkonflikt der ostdeutschen Stahlindustrie machen die Arbeiter mit Warnstreiks Druck auf die Arbeitgeber und stellen sich an die Seite ihrer Kollegen im Westen.

Die Stahlwerker erhöhen im Tarifkonflikt der ostdeutschen Stahlindustrie den Druck auf die Arbeitgeber. Am Dienstagmorgen legte nach Angaben der IG Metall die komplette Frühschicht von ArcelorMittal in Eisenhüttenstadt vorübergehend die Arbeit nieder. 750 Arbeiter traten in den Ausstand. Das Werk beschäftigt insgesamt 2700 Arbeiter in fünf Schichten.

„Die entschlossenen Belegschaften vor den Toren sind ein klares Signal an die Arbeitgeber: Bewegt Euch!“, sagte IG-Metall-Sprecher Oliver Höbel. Die Gewerkschaft kündigte für diese Woche einen weiteren Warnstreik an.

Die IG Metall fordert für die 8000 Beschäftigten in der ostdeutschen Stahlindustrie unter anderem sechs Prozent mehr Geld und 1800 Euro Urlaubsvergütung, die in freie Zeit umgewandelt werden kann. Die erste Tarifverhandlung in der ostdeutschen Stahlindustrie endete am 28. Januar in Berlin ohne ein Angebot der Arbeitgeber.

Der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Stahl, Bernhard Strippelmann, nannte das Forderungspaket der Gewerkschaft „äußerst ambitioniert“. Der Deutschen Presse-Agentur sagte er: „Bei der Forderung nach sechs Prozent mehr Geld sollte ein Kompromiss gelingen.“ Bauchschmerzen hat Strippelmann mit der Forderung der Gewerkschaft nach Einführung eines Urlaubsgelds von 1800 Euro, das in freie Tage umgewandelt werden kann.

Auch für die Auszubildenden fordert die Gewerkschaft eine höhere Vergütung als ein klares Signal an junge Menschen. IG-Metall-Sprecher Oliver Höbel sagte dazu: „Die Arbeitgeber müssen da eine zusätzliche Schippe drauflegen, damit die Ausbildung in der Stahlindustrie attraktiv bleibt.“

Der Arbeitgeberverband findet die Forderung nach einer überproportionalen Erhöhung der Ausbildungsvergütung überzogen. Die Stahlindustrie habe jetzt schon mit die höchsten Ausbildungsvergütungen, sagte Strippelmann. „Wir sehen das Nachwuchsproblem, aber das kann nicht nur durch Geld gelöst werden“.

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Werner Matzat 12.02.2019 - 17:35:57

Streikinfo: Schadet das alles dem Unternehmen wirklich? - oder wieder nur der berühmte "Sturm im Wasserglas"? - die Reichen lachen sich tot!

Hallo Streikende! Nach jahrelangem Lohnverzicht endlich aufgewacht? Großartig. Dazu ein Streiklektüre - Beitrag vom 11.02.2019, für jeden aufrechten Arbeitnehmer der nicht nur Solidarität übt sondern auch von Anderen empfängt. Solidarität ist kein Naturgesetz und fällt nicht vom Himmel. Wie Arbeitgeber über unser Leben herrschen (und warum wir nicht darüber reden) Lohnarbeit macht unfrei - Als Arbeitnehmer verzichten wir auf einen Teil unserer republikanischen Freiheiten, meint die politische Philosophin Elizabeth Anderson. Ihre Kritik der Lohnarbeit in den USA trifft auch auf Arbeitsbedingungen in Europa zu. (Europa ist auch Eisenhüttenstadt) "Private Regierung" – der Titel klingt paradox, denn normalerweise bezeichnet das Wort „Regierung“ eine sehr öffentliche Angelegenheit. Nicht so bei Elizabeth Anderson. Die US-amerikanische Professorin für Philosophie, die sich vor allem mit Theorien über Gleichheit einen Namen gemacht hat, definiert „private Regierung“ als eine willkürliche, nicht rechenschaftspflichtige Herrschaft über andere, und sie sieht diese Form der Regierung fast überall am Werk, wo wir in Lohnarbeit stehen. Wir haben diesbezüglich Scheuklappen auf, schreibt Anderson, wir leiden unter einer „politischen Hemiagnosie“, (ein Begriff aus der Medizin: halbseitiger Verlust des Wahrnehmungsvermögens, z.B.bei Halbseitenlähmung) einer Krankheit, bei der man Teile des Körpers nicht wahrnehmen kann. Fakt aber sei, dass die meisten von uns gleichsam „unter der Autorität kommunistischer Diktatoren“ arbeiteten. (Buchbestellung unter Titel Elizabeth Anderson: Private Regierung - ISBN-13: 9783518587270) Quelle: https://www.deutschlandfunkkultur.de/elizabeth-anderson-private-regierung-lohnarbeit-macht-unfrei.950.de.html?dram:article_id=440670 --- Als Adam Smith und andere die Theorie freier Märkte entwickelten, war das ein progressives Projekt: Die Freiheit der Märkte sollte auch zur Befreiung der Lohnabhängigen führen - von den Zwängen obrigkeitsstaatlicher Strukturen, vor allem aber von der Gängelung durch die Arbeitgeber. In ihrem furiosen Buch zeigt Elizabeth Anderson, was aus dieser schönen Idee geworden ist: reine Ideologie in den Händen mächtiger ökonomischer Akteure, die sich in Wahrheit wenig um die Freiheit und die Rechte von Arbeitnehmern scheren. Bereits die Industrielle Revolution hat den vormals positiven Zusammenhang zwischen freiem Markt und freiem Arbeiter aufgelöst, wie Anderson im ideengeschichtlichen Teil ihrer Untersuchung darlegt. Im nächsten Schritt bestimmt sie die gegenwärtige Beziehung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern neu: als eine von Regierungen und Regierten, wobei diese »Regierungen« private sind und quasi autokratisch herrschen können. Das Nachsehen haben die Beherrschten, nämlich die Arbeitnehmer, wie Anderson anhand zahlreicher Beispiele belegt. In beeindruckender Gedankenführung und stilistisch brillant dekonstruiert sie einen Mythos des Marktdenkens. Ein Glanzstück der Ideologiekritik. Sehr empfehlenswert. Werte Streikende bei ArcelorMittal Eisenhüttenstadt, die ein Prozent Reichen nehmen die Realität anders wahr und lachen sich tot. Warren Buffett ist der drittreichste Mann der Welt und das nette Gesicht des Kapitalismus 2019. ... „Es herrscht Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen" sagte Warren E. Buffett, der reichste Mann der Welt, im November 2006 der New York Times. Schon mal darüber nachgedacht?

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